Syrischer Bürgerkrieg Heimat in Trümmern

Der Kampf ist vorbei, die Rebellen sind abgezogen: Nach zwei Jahren der Belagerung kontrollieren syrische Truppen die Stadt Homs. Einwohner kehren zurück. Was ist von ihrem Zuhause noch übrig?

AFP

Homs - Zwischen zerbombten Häusern und ausgebrannten Autos sucht Sarmad Mussa nach einem Funken Hoffnung. "Mein Haus wurde vollständig zerstört und niedergebrannt, aber ich habe einige Fotos gefunden" sagt sie laut Nachrichtenportal 20minuten.ch. "Sie werden mir ein Andenken an die schönen Tage bleiben, die wir hier hatten."

Sarmad Mussa ist eine von Tausenden Bewohnern der syrischen Stadt Homs, die am Wochenende nach dem Abzug der syrischen Rebellen in ihre alte Wohnung zurückgekehrt sind. Zwei Jahre lang waren die Menschen nicht zu Hause; von ihren Unterkünften ist oftmals nur noch Schutt und Asche übrig.

Nervös wandern die ehemaligen Bewohner durch die Straßen, sie zücken ihr Handy, machen Fotos. Zerbombte Häuser, ausgebrannte Autos prägen das Stadtbild. Bei einigen fließen Tränen. Andere lassen sich sogar zu einem Lächeln hinreißen - glücklich, endlich wieder eine Heimat zu haben. Auch, wenn diese nur noch aus Trümmern besteht.

"Ich hatte bei Facebook gesehen, dass mein Haus zerstört wurde, aber ich konnte es nicht glauben. Ich wollte es mit meinen Augen sehen", sagt Jaqueline Fauwas laut der Nachrichtenagentur AFP.

Die Rebellen ziehen ab, die Bewohner kehren zurück

Die Rückkehr der Menschen von Homs wurde möglich, nachdem die syrische Armee erstmals seit zwei Jahren wieder die vollständige Kontrolle über die einstige Rebellenhochburg Homs übernommen hat. Spezialisten der Streitkräfte haben damit begonnen, die Gegend zu sichern und Bomben zu entschärfen.

Die Rebellen hatten bereits am Mittwoch nach fast zweijähriger Belagerung durch die syrischen Regierungstruppen mit dem Abzug aus Homs begonnen. Die Evakuierung sei am Freitag abgeschlossen worden, sagte der Gouverneur von Homs, Talal al-Barasi. Insgesamt seien zweitausend Menschen aus der Stadt gebracht worden, unter ihnen 1800 Rebellen. Die syrische Regierung hatte sich unter Vermittlung des iranischen Botschafters mit den Rebellen auf den Abzug aus Homs geeinigt.

Im Gegenzug für freies Geleit sagten die Rebellen die Freilassung Dutzender Geiseln zu, die islamistische Aufständische in Aleppo gefangenhielten. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden die 40 Frauen und Kinder der alawitischen Minderheit, eine ebenfalls festgehaltene Iranerin sowie 30 syrische Soldaten am Donnerstag freigelassen.

Homs ist die drittgrößte Stadt des Landes und war lange eine Hochburg der Rebellen. Seit Beginn einer Armeeoffensive im Februar 2012 verloren die Aufständischen jedoch immer mehr an Boden. Bei den Gefechten wurden in den vergangenen beiden Jahren etwa zweitausend Menschen getötet. Inzwischen kontrollieren die Rebellen nur noch das Viertel Waer. Auch hier wird aber über einen Abzug verhandelt.

mhu/AfP



insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
erasmus89 11.05.2014
1. Aso, ich dachte Assad
wolle seine ganze Bevölkerung auslöschen nach dem Tenor des SPIEGELS. Jedenfalls wurde die ganze Zeit suggeriert, dass Assad-Truppen dort Zivilisten eingekesselt hätten. Es waren wohl nur ISIL und Nusra-Irre, die Bevökerung hatte sich in das sicherere Regime-Gebiet geflüchtet. Kann ich gut verstehen.
Jey 11.05.2014
2. Überraschend,
dass nach zwei Jahren nicht mehr negativ über Assad berichtet wird. Jetzt sind die Rebellen Rebellen und islamisten und nicht mehr Freiheitskämpfer wie zu Anfang proklamiert. Vielleicht könnten SPON Journalisten daraus lernen und auch beim Thema Ukraine nicht voreilig die falschen Schlüsse ziehen...
said.sahin 11.05.2014
3. Das muss doch peinlich sein
Unser Geheimdienstchef sah Azads ende, unsere Presse machte aus ihm ein Monster und die Syrier lieben ihren Diktator! der scheint ihnen lieber als ein Steinzeit Kalif der mit wegen der Saudis und US/EU die menschen terrorisiert!
Beobachter123 11.05.2014
4. Ich hoffe der Spuk hat bald ein Ende
Das passt aber garnicht zu den ständigen Lügenberichten vom "Krieg gegen das eigene Volk".
Jan Do 11.05.2014
5. Widerstand lohnt
Den Menschen in Syrien wünsche ich, dass bald wieder etwas Normalität einkehrt, nachdem die von Saudi-Arabien und den USA finanzierten Terroristen vertrieben worden sind; Der vollständige Wiederaufbau wird noch viele Jahre dauern. Doch es wäre viel schlimmer gekommen, wenn die vom Ausland finanzierten Islamisten das Land unterworfen hätten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.