Assad-Gesandte in Peking: Syrien sucht Hilfe in China

Der Druck auf Syriens Diktator Baschar al-Assad steigt, er ist weitgehend isoliert. Jetzt schickt der Präsident eine Beraterin nach China, um sich der Unterstützung eines seiner letzten Verbündeten zu versichern.

Peking/Damaskus - Die Macht des syrischen Regimes bröckelt, der syrische Präsident Baschar al-Assad hat international nur noch wenige Verbündete. Die USA planen bereits die Zeit nach dem Staatschef, zuletzt sprach sich die einflussreiche Organisation für Islamische Zusammenarbeit für den Ausschluss Syriens aus dem Staatenverbund aus. Nun hat Assad seine Gesandte Buthaina Schaaban nach Peking zu Gesprächen geschickt.

Dort soll die Beraterin des Staatschefs den chinesischen Außenminister Yang Jiechi treffen. Ein Ministeriumssprecher sagte vor dem Zusammentreffen, China denke auch darüber nach, in der nächsten Zeit Vertreter der syrischen Opposition einzuladen.

China in der Kritik

Der Sprecher betonte nach Angaben der BBC, Peking habe immer seine Arbeit "zwischen der syrischen Regierung und der Opposition aktiv ausgewogen". Er wiederholte Chinas Forderung, wonach der Friedensplan des früheren Uno-Gesandten Kofi Annan umgesetzt werden müsse, es müsse einen "sofortigen Waffenstillstand" in Syrien geben.

China steht wegen des Blutvergießens in Syrien massiv in der Kritik. An der Seite Russlands hatte die Volksrepublik mehrmals die Verabschiedung einer Resolution im Uno-Sicherheitsrat verhindert, die Sanktionen gegen die syrische Regierung ermöglicht hätte. Peking betont, auf eine politische Lösung des Bürgerkriegs setzen zu wollen, der seit März 2011 in Syrien tobt. Aktivisten sprechen bereits von mehr als 20.000 Toten.

Mehr als eine Million Menschen auf der Flucht

Die Uno-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos will sich ab Dienstag in Syrien ein Bild von den Folgen des Konflikts machen. Amos werde bis Donnerstag Syrien und den Libanon besuchen, teilte das Uno-Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mit. Außer Damaskus und Beirut werde die Nothilfekoordinatorin auch andere Orte besuchen und mit Regierungsvertretern und Hilfsorganisationen sprechen. Im Libanon seien außerdem Treffen mit Flüchtlingen geplant.

Rund zwei Millionen Menschen sind laut OCHA von den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Oppositionellen in Syrien betroffen. Mehr als eine Million sei innerhalb des Landes, etwa 140.000 Menschen über die Grenze nach Jordanien oder in den Irak, die Türkei oder den Libanon geflohen. Diese Menschen bräuchten dringend humanitäre Hilfe. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) appellierte im "ARD"-Morgenmagazin nach seinem Besuch in einem Flüchtlingslager in Jordanien an Russland und China, den Druck auf Syrien zur Lösung des Flüchtlingselends zu erhöhen.

Angesichts der heftigen Kämpfe um die syrische Wirtschaftsmetropole Aleppo forderten die Rebellen erneut die Einrichtung einer Flugverbotszone. "Wir könnten mehr Gebiete unter unsere Kontrolle bringen, aber die Kampfjets des Regimes hindern uns mit ihren Bombardierungen daran", sagte der Rebellenkommandeur Abu Alaa in Aleppo der Deutschen Presse-Agentur. "Eine Flugverbotszone ist wesentlich für die Fortführung unseres Kampfs." Der Ausgang der Schlacht um die Wirtschaftsmetropole wird als entscheidend für den weiteren Verlauf des Konflikts angesehen.

heb/dapd/dpa

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1. China und Russland...
benbombadil 14.08.2012
Zitat von sysopDer Druck auf Syriens Diktator Baschar al-Assad steigt, er ist weitegehend international isoliert. Jetzt schickt der Präsident einen Berater nach China, um sich der Unterstützung eines seiner letzten Verbündeten zu versichern. Bürgerkrieg in Syrien: China empfängt Assad-Gesandte - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849876,00.html)
...haben sich nie gegen eine Lösung gestemmt! Dich chinesisch-russischen Entwürfe im UN-Sicherheitrat haben NICHT NUR die syrische Regierung zur Beendigung der Gewalt aufgefordert, sondern auch die Gegner. Aber das hat "der Westen" abgelehnt! Lies sich bei SPON aber immer so, als ob es China und Russland darum geht den Konflikt zu schüren - umgekehrt wird ein Schuh daraus!
2. Berichterstattung
grb 14.08.2012
Zitat von sysopDer Druck auf Syriens Diktator Baschar al-Assad steigt, er ist weitegehend international isoliert. Jetzt schickt der Präsident einen Berater nach China, um sich der Unterstützung eines seiner letzten Verbündeten zu versichern. Bürgerkrieg in Syrien: China empfängt Assad-Gesandte - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849876,00.html)
Vorweg: Ich habe weder Sympathie noch Antipathie mit einem der Konfliktbeteiligten, noch irgendeinen Bezug zur Region. Es geht mir einzig um generelle Fragestellungen zur Presseberichterstattung, die sich mir so oder ähnlich auch bei anderen Themen stellen. An diesem Artikel fällt mir aber folgendes auf, wie auch an der gesamten deutschen Berichterstattung: Die Position der syrischen Regierung wurde nie aus deren Perspektive erklärt. Sie ist mir bis heute weitgehend unbekannt. Assad wurde vom "Präsidenten" zum "Machthaber", die "Regierung" zum "Regime". Im Interview des ÖR-Fernsehens (Gespräch mit Syriens Präsident Assad | tagesschau.de (http://www.tagesschau.de/ausland/assadinterview100.html) zeigte sich Assad offen für Besuche zB von Frau Clinton und bot auf Nachfrage auch Besuche in kritischen Bereichen des Landes an. Das Interview wurde nachher von sog. Experten analysiert und Assad entweder als Lügner oder naiv-entrückt hingestellt. Die Position bzw. Ziele der "Gegenseite", außer dem Sturz der Regierung, habe ich bisher auch nicht erfahren, jedoch sehr wohl, daß in deren Gunst berichtet wird. Weitere Frage: Warum wird von China als "Verbündetem" von Syrien gesprochen ? Nur weil sich das Land erlaubt, in der UNO eine andere Meinung als der Westen zu haben ? Wenn man sich ähnliche Situationen anschaut, vertritt Beijing in der Regel eine Position der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder (wie alle größeren Staaten, die im eigenen Land Separatismusprobleme haben). Ist eine offene Unterstützung der Opposition mit Waffen usw. tatsächlich die bessere Variante ? Welche Interessen werden hier verfolgt ? SPON, bitte erinnere Dich an die SPIEGEL-Tradition des investigativen Qualitätsjournalismus und hilf mir, diese Angelegenheit wirklich zu verstehen.
3.
Bhur Yham 14.08.2012
China und Russland stehen also wegen des Blutvergießens in Syrien in der Kritik. Unglaublich. Ohne deren konsequente Haltung wäre Syrien schon längst mit Bombenteppichen umgepflügt worden. Wenn schon Maßnahmen der UNO, dann genauso gegen die Freischärler und ihre ausländischen Kombattanten und nicht nur einseitige Sanktionen gegen die Regierung Syriens. Außerdem: Wo bleibt der große Volksaufstand? Die "Freiheitskämpfer" werden wohl eher beschimpft und mit Steinen beworfen. Unter diesem Gesichtspunkt erscheinen Sprüche wie die des "Rebellenkommandanten" nur noch zynisch: "Wir könnten mehr Gebiete unter unsere Kontrolle bringen, aber die Kampfjets des Regimes hindern uns mit ihren Bombardierungen daran".
4. Wäre lieber ein Chinese
joolian123 14.08.2012
Ich verstehe nicht warum die Medien in Deutschland ein so einseitiges Bild des Syrienkonfliktes zeichnen. Ich lebe in den Niederlanden und hier sind täglich Bilder der Grausamkeiten der Rebellen gegen Regierungstreue zu sehen. Eine unmenschlichen Barberei: Leichen werden von Dächern geworfen, Menschen wird vor laufender Kamera die Kehle durchgeschnitten und Hinrichtungen auf offener Strasse. Ich frage mich warum der Westen, aber vor allem unsere Medien solche Leute derart unterstützen. Momentan wäre es mir lieber Russe oder Chinese zu sein.
5. Letzter Strohhalm
luc2000 14.08.2012
Unwahrscheinlich das China Geld u.a. gibt, da dass Ende von Assad unausweichlich kurz bevorsteht. Wäre so als würde man einen "Süchtigen" Geld geben. Auch unwahrscheinlich das nachfolgende syrische Regierung/Regime frühere Verträge einhält ohne Neuverhandlung. Kommt darauf an in welche Richtung sich Syrien entwickelt, neue Richtung in die Zukunft oder wie Egypten u.a. Dann bleibt ja alles wie bisher.
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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