Bürgerkrieg in Syrien: Rebellen greifen Assads Luftwaffe an

Es ist ein ungleicher Kampf: Die Truppen des syrischen Machthabers Assad bombardieren Stellungen der Rebellen aus der Luft. Jetzt reagieren die Aufständischen. Sie stürmen Militärflughäfen. In der Provinz Aleppo zerstörten sie nach eigenen Angaben Kampfjets, in Deir Essor erbeuteten sie Raketen.

REUTERS

Damaskus - Die Menschen in Syrien fürchten nichts mehr als die Bomben des Assad-Regimes, abgeworfen von den Jets, die der Machthaber immer wieder über den umkämpften Gebieten kreisen lässt. Die syrischen Rebellen haben nun ihre Taktik geändert: Sie konzentrieren ihren Kampf gegen die Truppen der syrischen Regierung zunehmend auf die Luftwaffe und die Flughäfen des Landes.

Die Aufständischen stürmten den Militärflughafen in Kuris in der Provinz Aleppo. Nach Angaben von Aktivisten zerstörten sie drei Kampfjets am Boden. Zudem nahmen die Rebellen die Luftabwehr in der Stadt Bukamal in der östlichen Provinz Deir Essor ein, wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Auch seien dort der Sitz des Militärgeheimdiensts und der Armeeflughafen angegriffen worden.

Videos, die anschließend von Aktivisten ins Internet gestellt wurden, zeigten Luftabwehrraketen vom Typ Cobra, die die Rebellen in der Luftwaffenbasis Abu Kamal erbeutet hätten.

Syrische Staatsmedien berichteten am Samstag von einer Gegenoffensive gegen die in der Nähe von Militärflughäfen aktiven Rebellen. Dabei seien diesen "schwere Verluste" zugefügt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. SPIEGEL ONLINE ist eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben nicht möglich.

In den vergangenen Tagen hatten die Aufständischen berichtet, mehrere Hubschrauber von Assads Armee zerstört zu haben. Außerdem kontrollieren sie nach eigenen Angaben einen Teil des Flughafens Abu al-Sohur in Idlib. Das Assad-Regime bombardiert seit einigen Wochen verstärkt mit Helikoptern und Kampfflugzeugen Stellungen der Rebellen. Dabei attackierten sie auch Wohnviertel in Großstädten wie Aleppo.

"Assad ist am Ende seines politischen Lebens angelangt"

Der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan kritisierte den syrischen Präsidenten scharf. "Baschar al-Assad ist am Ende seines politischen Lebens angelangt. Im Moment handelt Assad in Syrien nicht als Politiker, sondern als ein Element, ein Akteur des Krieges", sagte der Ministerpräsident in einem Fernsehinterview. Er forderte erneut eine Schutzzone für syrische Vertriebene.

Türkischen Regierungskreisen zufolge will sich Ankara um ausländische Unterstützung für die Einrichtung einer Sicherheitszone in Syrien einsetzen. Ankara will das Thema in die Generalsversammlung der Vereinten Nationen im kommenden Monat einbringen. Erdogan forderte in dem Interview, der Weltsicherheitsrat müsse seine Uneinigkeit überwinden und eine Resolution für eine Flugverbotszone verabschieden. "Man kann keine Schutzzone einrichten, ohne zunächst eine Flugverbotszone zu erklären", so der Regierungschef. Die Risiken seien sonst zu groß.

80.000 Flüchtlinge in der Türkei

Der französische Außenminister Laurent Fabius hatte die Einrichtung einer Schutzzone für die Flüchtlinge in Syrien kürzlich als "sehr kompliziert" bewertet. Dazu bedürfe es einer Flugverbotszone, was ohne den Einsatz militärischer Mittel nicht möglich sei.

Inzwischen sind mehr als 80.000 Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei geflohen. Ankara hatte in den vergangenen Tagen die Grenzkontrollen verschärft, um den Flüchtlingsstrom aus dem Nachbarland einzudämmen. Derzeit baut Ankara neue Flüchtlingslager auf.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow nannte es "naiv", wenn der Westen und die arabische Welt erwarteten, dass Assad den Kampf um wichtige Städte als erster aufgeben werde. Wer den syrischen Präsidenten aufrufe, seine Truppen zurückzuziehen und die Waffen niederzulegen, dies von den Aufständischen aber nicht verlange, verfolge "ein unausführbares Modell". "Entweder sind diese Leute naiv, oder das ist eine Art Provokation", sagte Lawrow in Moskau.

Truppen bombardieren Damaszener Stadtviertel

Das Assad-Regime geht offenbar weiter unbeirrt gegen die Aufständischen in Damaskus vor. Aktivisten berichteten von heftigen Gefechte zwischen den syrischen Soldaten und oppositionellen Kämpfern. Das Viertel Tadamun im Süden der Hauptstadt sei am Morgen bombardiert worden, nachdem es dort zuvor zu heftigen Straßenschlachten gekommen sei, teilte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Ein anderes Aktivstennetzwerk, die Örtlichen Koordinationskomitees, berichtete, dass auch das benachbarte Viertel al-Hadschar al-Aswad bombardiert werde.

Am Samstag trat Lakhdar Brahimi, der neue Syrien-Vermittler von Uno und Arabische Liga sein Amt an. Der 78-Jährige übernahm das Mandat vom früheren Uno-Generalsekretär Kofi Annan. Dieser hatte seinen Rücktritt erklärt, nachdem er mit seinen Bemühungen um eine Waffenruhe in Syrien erfolglos blieb. Unklar ist, ob Brahimi mehr erreichen kann. Dem Vernehmen nach will er in den kommenden Wochen nach Syrien reisen und Gespräche am Sitz der Arabischen Liga in Kairo führen.

heb/AFP/dpa/Reuters

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1. vielen dank
ziegenzuechter 01.09.2012
Zitat von sysopEs ist ein ungleicher Kampf: Die Truppen des syrischen Machthabers Assad bombardieren Stellungen der Rebellen aus der Luft. Jetzt reagieren die Aufständischen. Sie stürmen Militärflughäfen. In der Provinz Aleppo zerstörten sie nach eigenen Angaben Kampfjets, in Deir Essor erbeuteten sie Raketen. Bürgerkrieg in Syrien: Rebellen greifen Assads Luftwaffe an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853329,00.html)
an den sogenannten westen fuer die lieferung von waffen. spaetestens jetzt weiss jeder um was es geht: syrien so zu destabilisieren, dass ein israelischer angriff auf den iran ohne die gefahr von gegenschlaegen durch die hizbullah oder die hamas moeglich wird.
2.
Jean P. v. Freyhein 01.09.2012
Man sieht deutlich, wo sich das Regime und die Rebellen utnerscheiden. Die Rebellen greifen militärische Ziele an: Kommandoposten, Militärflughäfen und Truppenverbände. Das Regime kontert mit Massakern an der Zivilbevölkerung die die Rebellen unterstützen. Mit der Taktik der Ausschaltung von Assads Luftwaffe haben die Rebellen aber einen Weg gefunden, das Regime entscheidend zu schwächen.
3.
Trondesson 01.09.2012
Zitat von ziegenzuechteran den sogenannten westen fuer die lieferung von waffen. spaetestens jetzt weiss jeder um was es geht: syrien so zu destabilisieren, dass ein israelischer angriff auf den iran ohne die gefahr von gegenschlaegen durch die hizbullah oder die hamas moeglich wird.
Das haben viele, ich eingeschlossen, schon vor Monaten angemerkt, da es so offensichtlich ist, daß man es nicht übersehen kann. Was an der Spiegel-"Berichterstattung" nervt, ist auch daß die sogenannten "Rebellen" (Spieglisch für Islamisten) so vollkommen chancenlos gegen die hochgerüstete Superarmee Assads sein sollen, aber trotzdem offensichtlich einen Erfolg nach dem anderen einfahren. Was soll das?
4. Cobra?
hornochse 01.09.2012
Also klären sie mich bitte auf liebe SPON Redakteure ich kenne weder eine Boden Luft Rakete dieses Typs, noch eine Schultergestützte Waffe mit dieser Bezeichnung: "Cobra". (vielleicht ja auch eine Speikobra, die schiesst ja auch in die Luft bekanntlich) Oder meinen sie die Panzerabwehrrakete Cobra aus den 1960igern .... MfG
5.
viperhyper 01.09.2012
Zitat von Jean P. v. FreyheinMan sieht deutlich, wo sich das Regime und die Rebellen utnerscheiden. Die Rebellen greifen militärische Ziele an: Kommandoposten, Militärflughäfen und Truppenverbände. Das Regime kontert mit Massakern an der Zivilbevölkerung die die Rebellen unterstützen. Mit der Taktik der Ausschaltung von Assads Luftwaffe haben die Rebellen aber einen Weg gefunden, das Regime entscheidend zu schwächen.
Wenn ein Journalist in einem Artikel schreibt das die Informationen nicht unabhängig verifizierbar sind, sollte man nicht mit dem Satz anfangen " Sieht man ganz deutlich...". Außerdem schon von der Logik her haben die Rebellen sich mit sicheit nicht in die Komando Posten gebeamt, das sagt mir das den Airport nicht braucht und die 3 Maschienen waren wahrscheinlich eh nicht einsatzbereit. Ich mein sie nennen ja auch keinen ort wo 3 Autos stehen einen Parkplatz oder ;-)
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