Syrien Russland spricht von "inszeniertem" Giftgasangriff

Ermittler hätten in Syrien keine Beweise gefunden: Im Uno-Sicherheitsrat hat Russland den mutmaßlichen Giftgasangriff auf Duma als Erfindung bezeichnet - und sich mit den USA einen verbalen Schlagabtausch geliefert.

Wassili Nebensja
DPA

Wassili Nebensja


Der russische Uno-Botschafter hat den Giftgasangriff in Syrien als einen von Rebellen inszenierten Vorfall eingestuft. Berichte über den mutmaßlichen Angriff auf Duma, bei dem Aktivisten zufolge am Samstag mehr als 150 Menschen getötet und etwa 1000 verletzt wurden, seien "Fake News", sagte Botschafter Wassili Nebensja bei einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrats.

Russische Ermittler hätten demnach keine Belege für einen solchen Angriff gefunden, auch Bewohner hätten keinen chemischen Angriff bestätigt, sagte Nebensja. Er rief Vertreter der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) auf, in die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in Ost-Ghuta zu reisen. "Wir begrüßen diesen Besuch so bald wie möglich", sagte Syriens Uno-Botschafter Baschar al-Dschafari.

Die USA machen Präsident Baschar al-Assad für den mutmaßlichen Angriff verantwortlich und schließen militärische Schritte gegen die syrische Regierung nicht aus (mehr dazu lesen Sie hier). US-Präsident Donald Trump kam am Abend mit seinen Militärberatern zusammen, wollte sich aber nicht zu den möglichen Plänen äußern. "Wir werden heute Abend entscheiden, oder sehr bald danach. Sie werden unsere Entscheidung erfahren", sagte Trump vor laufenden Kameras. "Wir können solche Gräueltaten nicht zulassen."

Im Zuge dessen sprach Trump auch mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron: Wie der Élysée-Palast mitteilte, bekräftigten beide Präsidenten in dem Telefonat, dass sie eine "starke Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf diese neuen Verstöße gegen das Chemiewaffenverbot" befürworteten.

Sicherheitsratssitzung endet im Streit

Die fast dreistündige Sitzung des Weltsicherheitsrats endete zunächst ergebnislos. In Umlauf war aber ein Resolutionsentwurf der USA, mit dem eine Untersuchungskommission namens UNIMI geschaffen werden soll. Diese unabhängige Gruppe würde zunächst ein Jahr lang den Einsatz von Chlorgas und anderen toxischen Chemikalien in Syrien untersuchen. Unklar war am Montag, ob und wann es zu einer Abstimmung über die Resolution kommen könnte. Der Vorfall vom Samstag in Duma wird darin als Chemiewaffenangriff eingestuft und verurteilt.

Der russische Uno-Botschafter Nebensja erklärte nach Angaben russischer Medien, der Entwurf enthalte mehrere "inakzeptable Elemente".

SPIEGEL ONLINE

Uno-Botschafterin Haley warf Moskau vor, "Blut syrischer Kinder an den Händen" zu haben. Ihr russischer Kollege Nebensja sagte: "Sie irren, wenn Sie glauben, dass Sie Freunde haben. Ihre angeblichen Freunde sind nur diejenigen, die nicht Nein zu Ihnen sagen können." Er drohte, künftige Ratssitzungen zu unterbrechen, wenn Haley Russland noch einmal als "Regime" bezeichne. Diese Formulierung hatte Haley mehrfach verwendet.

Das US-Militär hatte vor einem Jahr die syrische Luftwaffenbasis Schairat beschossen, als Reaktion auf den Giftgasangriff mit Dutzenden Toten auf die Stadt Chan Scheichun, für den Uno-Experten die Regierung von Assad verantwortlich machten. Das Eingreifen der USA galt aber weitgehend als symbolisch.

mho/dpa/AFP

insgesamt 82 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mfeldtn 10.04.2018
1. Haben die Russen ernsthaft die OPCW eingeladen?
Haben die ihr Veto im Sicherheitsrat vergessen? http://www.un.org/en/ga/search/view_doc.asp?symbol=S/2017/970
andreas_schaffer 10.04.2018
2. Eine Inszenierung oder eine False Flag ist höchstwahrscheinlich
Es wird offensichtlich wem dieser erneute angebliche Giftgasanschlag nutzt. Wieder den Rebellen und den Gegnern Assads. Also warum sollte Assad so bescheuert sein und erneut Giftgas einsetzen? Wie im Fall Salisbury - den offenbar niemand mehr interessiert - weil die Propaganda hierzu viel zu plump und offensichtlich war. Beides sind sehr wahrscheinlich False Flags um Russland zu diskreditieren, um andere Staaten zu erpressen sich gegen Russland zu stellen. Die deutschen Medien schlafen derweil und hinterfragen nicht mal die offensichtlichsten schweren Logiklücken.
hei-nun 10.04.2018
3. Syrien, Assat, Russland
Wer gestern den späten ARD-Bericht über Folter-Methoden in Syrien und die Rollen von Assat und Russland dabei gesehen hat, muss keine weiteren Berichte über das unmenschliche Verhalten dieser kriminellen Vereinigung mehr lesen, der weiß endgültig Bescheid.
Le Commissaire 10.04.2018
4.
Also wenn Russland keine Beweise für Giftgas gefunden hat, dann wird es auch ganz bestimmt kein Giftgas gegeben haben. Wer wollte den Experten unseres (ehemaligen) Bruderstaates widersprechen?
mostly_harmless 10.04.2018
5.
Russische Ermittler in dem von den Rebellen kontrollierten Gebiet ? Der Niveaulimbo Russlands erreicht täglich neue Rekorde. Unglaublich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.