Bürgerkrieg Irans Revolutionswächter geben Syrien-Einsatz zu

Iranische Elitesoldaten sind in Syrien im Einsatz. Was lange Zeit vermutet wurde, hat die Regierung in Teheran nun offiziell bestätigt. Allerdings seien die Revolutionswächter nur als Berater und Finanzhelfer tätig - doch dabei müsse es nicht bleiben.

Kommandeur Jafari: Einsatz von Revolutionswächtern in Syrien bestätigt
AFP

Kommandeur Jafari: Einsatz von Revolutionswächtern in Syrien bestätigt


Teheran - Erstmals hat ein hochrangiger iranischer Offizieller eingeräumt, dass Mitglieder der sogenannten Revolutionswächter in Syrien im Einsatz sind. Kommandeur Mohammad Ali Jafari sagte nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Insa auf einer Pressekonferenz, Mitglieder der Elitetruppe befänden sich in Syrien. Es handle sich aber nicht um eine militärische Präsenz.

Die Revolutionswächter seien als Berater tätig, leisteten aber auch finanzielle Hilfe, so Jafari. Iran werde Syrien aber auch direkte militärische Unterstützung anbieten, sollte das Land angegriffen werden. Wie viele Revolutionswächter sich derzeit in Syrien aufhalten, sagte der Kommandant nicht.

Es ist dennoch ein spektakuläres Eingeständnis - nachdem ausländische Beobachter und die syrische Opposition die iranische Regierung schon lange der Einmischung in Syrien bezichtigt hatten. Immer wieder hatte es Berichte über iranische Elitekämpfer im Land gegeben. Nach SPIEGEL-Informationen sollen vermutlich Revolutionswächter Ende August an einem Test von Trägersystemen für Giftgasgranaten in der syrischen Wüste teilgenommen haben.

Das zumindest legten Aussagen verschiedener Zeugen nahe. Die Tests hätten in der Nähe des Forschungszentrums für Chemiewaffen bei Safira östlich der Wirtschaftsmetropole Aleppo stattgefunden. Insgesamt fünf oder sechs der Granaten, die für chemische Kampfstoffe vorgesehen sind, seien - unbefüllt - von Panzern und Flugzeugen abgeschossen worden, auf einem Gelände namens Diraiham in der Wüste nahe dem Ort Chanasir.

Iran hat eine militärische Einmischung in Syrien stets bestritten. Diskutiert worden war das Thema auch anlässlich der Entführung von 48 Iranern in Syrien. Die Kidnapper hatten sie verschleppt, weil sie Mitglieder der Gruppe für Agenten der iranischen Revolutionswächter hielten. Die Regierung in Teheran sprach dagegen von einer Pilgergesellschaft.

Kommandeur Jafari wiederholte auf der Pressekonferenz am Sonntag auch seine bereits in der Vergangenheit geäußerten Drohungen gegen Israel. Greife das Land iranische Atomanlagen an, werde nach der iranischen Antwort "nichts mehr" von Israel übrigbleiben. Kein Flecken des Landes sei dann noch sicher. Er gehe aber nicht davon aus, dass Israel die iranischen Atomanlagen tatsächlich attackieren werde.

Im Falle eines US-Angriffs werde man die amerikanischen Militärbasen rund um den Persischen Golf mit Raketen beschießen. Deren Abwehrschilde seien nur gegen wenige anfliegende Raketen effektiv - und würden dann nicht mehr funktionieren. Außerdem werde es im Falle eines solchen Konflikts eine Blockade der für den Ölexport wichtigen Straße von Hormus geben.

chs/Reuters/AP

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insgesamt 17 Beiträge
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porkypork 16.09.2012
1.
Und jetzt bitte noch die Schlagzeilen “Saudis geben Syrien-Einsatz zu“, “Libyer geben Syrien-Einsatz zu“, “Türken gegen Syrien-Einsatz zu“, “Briten geben Syrien-Einsatz zu“ usw. Und das nicht nur als Berater sondern mit der Waffe in der Hand.
Casparian 16.09.2012
2. Iran darf in Syrien sein!
Zitat von sysopAFPIranische Elitesoldaten sind in Syrien im Einsatz. Was lange Zeit vermutet wurde, hat die Regierung in Teheran nun offiziell bestätigt. Allerdings seien die Revolutionswächter nur als Berater und Finanzhelfer tätig - doch dabei müsse es nicht bleiben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,856097,00.html
Jeglicher Einsatz von iranischem Militär(personal) ist zu 100% legitim. Es existieren etliche Verteidigungsabkommen zwischen Iran und Syrien. Von einer "Einmischung", wie es im Artikel steht, kann nicht die Rede sein. Ich wünsche den Syrern und Iranern viel Glück dabei die salafistisch-wahabitischen Terroristen in Syrien dingfest zu machen.
rolandjulius 16.09.2012
3. Säbelrasseln am Sonntag
Nun war es einige Tage still um die Perser, und Schwupps, kamen neue Geschichten aufs Tapet. Wem dient denn diese dauernde Kriegshetze? Ich meine ,dass durch unsere Einmischung in fremde Länder schon viel zu viel Unheil angerichtet wurde. Das Vorbild Obamas, sich aus den Krisenländern zurückzuziehen, sollten von allen westlichen Nationen befolgt werden , gekoppelt mit einem globalen Waffenembargo für alle im Streit befindlichen Nationen. Oppositionelle zum Blutvergießen anzustacheln, ist mit Beihilfe zum Mord gleichzusetzen, und sollte als solcher bestraft werden. Blutrünstige Politiker sollte man ohne Ausnahme auf ein Dorf in Sibirien schicken, und womöglich mit Messern ausstatten, damit sie ihren Leidenschaften nachgehen können.
UnitedEurope 16.09.2012
4. Titellos
Zitat von porkyporkUnd jetzt bitte noch die Schlagzeilen “Saudis geben Syrien-Einsatz zu“, “Libyer geben Syrien-Einsatz zu“, “Türken gegen Syrien-Einsatz zu“, “Briten geben Syrien-Einsatz zu“ usw. Und das nicht nur als Berater sondern mit der Waffe in der Hand.
Steht doch schon seit Wochen überall. Die Türkei bietet den Rebellen einen Geheimdienststützpunkt an, Katar und Saudi-Arabien schmuggeln Waffen und britische Spezialeinheiten sind als Berater aktiv. Die USA liefern Satellitentelefone und Geheimdiensterkenntnisse. Also wieso Ihre Aufregung? Alles seit Monaten bekannt.
Lurchfreund 16.09.2012
5. Na und?
Die Saudis pumpen jede Menge Geld nach Syrien. Katar, die VAE und Oman ebenfalls. Die syrische Opposition rennt mit Bargeldbündeln durch die Gegend, die selbst nen reichen Millionär beeindrucken würden. Woher kommen wohl die frischen Bündel Bargeld? Von diversen Djihadisten aus anderen Ländern mal ganz abgesehen (Libyen, Sudan, Jemen usw.). Wenn man dann noch daran denkt, dass Teile der syrischen Opposition offen damit drohen, die christlichen, alawitischen und drusischen Minderheiten auszulöschen, dann erklärt sich durchaus ein verstärktes Interesse von Iran. Merke: mit Geld kann man sich die islamische Revolution bzw. die Errichtung eines Gottesstaats offensichtlich auch kaufen. Da freuen sich die Scheichs. Kleine Denksportaufgabe: wer kann mit Assads Giftgasdepots verantwortungsvoller umgehen? Die teilweise wahabitische bzw. salafistische Opposition, die durchaus auch mit Al-Quadia sympathisiert und ethnische Säuberungen propagiert oder ein zugegeben boshaft machtgieriger aber säkularer Diktator? Wenn die syrische Opposition gewinnt, wird es erst so richtig lustig. Dann muss Israel eingreifen, um durchgeknallten Djihadisten zuvor zu kommen, die vermutlich ohne großes Nachdenken die Giftgasbestände einsetzen würden und in jedem Fall versuchen würden, selbige zu erwerben. Auch der Iran müsste etwas tun, da Schiiten ebenso als legitimes Ziel für sunnitische Extremisten gelten wie Juden oder Christen. Saudi-Arabien lehnt sich zurück und schaut sich dieses Schauspiel an. Wäre nicht der erste Flächenbrand, den die umtriebigen Scheichs gezündet hätten. 9/11 (Geld und Terroristen kamen aus Saudi-Arabien), Taliban (Geld und Ausrüstung kamen aus Saudi-Arabien), Irak ( indirekte aber durchaus erwünschte Folge von 9/11), Ägypten (direkter Nachbar im Streit um Vormachtstellung extrem geschwächt). Überall hat Saudi-Arabien seine Finger drin und wo deren Finger drin stecken sieht es bald ziemlich unschön aus. Wie auch immer alles ausgehen wird, Saudi-Arabien hat strategisch in jedem Fall gewonnen. Gewinnt Assad, ist Syrien zumindest geschwächt und Saudi-Arabien unumstritten die Hegemonialmacht im nahen Osten. Gewinnt die Opposition hat Saudi-Arabien seine Interessen ebenfalls durchgesetzt. Greifen Israel und/oder Iran aktiv ein, gibt es einen Flächenbrand, nach dessen Ende Saudi-Arabien ebenfalls der große Gewinner wäre. Saudi-Arabien hat es also mit überschaubarem finanziellem Aufwand geschafft, seine Interessen durchzusetzen. Das sollte den hiesigen Planern mal zu denken geben. Wir für unseren Teil verkaufen dann unseren "guten Freunden" in Saudi-Arabien noch Panzer, Schusswaffen und trainieren sie auch noch. Irgendwann wird sich das rächen.
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