Inhaftierung auf Betreiben der Türkei Deutscher in Bulgarien unter Hausarrest gestellt

Im bulgarischen Warna darf ein Deutscher sein Hotel nicht verlassen. Die Behörden hatten ihn zuvor festgenommen - wegen einer Verurteilung in der Türkei. Dem Mann droht die Auslieferung.

Sofia
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Aufgrund eines Ersuchens der türkischen Justiz war ein Deutscher am Sonntag in Bulgarien festgenommen worden. Jetzt wurde er unter Hausarrest gestellt. Ein Gericht in der Schwarzmeerstadt Warna befristete den Freiheitsentzug auf maximal 40 Tage. Der Mann müsse nun in dem Hotel bleiben, in dem er während seiner Ferien in Warna abgestiegen war, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft weiter mit.

Der 44-Jährige, der auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, war bei seiner Ankunft am Flughafen Warna festgenommen worden. Für Mehmet Y. liegt ein Fahndungsaufruf der türkischen Behörden vor, der mit einer Verurteilung in der Türkei begründet wurde. Ein Gericht in der türkischen Stadt Adana habe ihn wegen angeblicher Tätigkeit in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK 2005 zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Davon seien noch rund drei Jahre und sieben Monate verblieben.

Die türkischen Behörden beabsichtigten, die Auslieferung des Mannes zu beantragen. Bulgarien hat in der Vergangenheit solchen Ersuchen der Türkei in der Regel entsprochen.

Der Mann arbeitete nach Recherchen von WDR und NDR, die am Vortag als erstes von der Festnahme berichtet hatten, als Flüchtlingsbetreuer in einer kirchlichen Einrichtung in Bonn. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, der Fall sei dort bekannt. Die Botschaft in Sofia betreue ihn konsularisch.

In der Vergangenheit war es zwischen Ankara und Berlin wiederholt zu Spannungen gekommen, weil die Türkei deutsche Staatsbürger inhaftierte. Aktuell sitzen noch sieben Deutsche aus politischen Gründen in türkischen Gefängnissen. Außenminister Heiko Maas will sich bei seinem aktuellen Antrittsbesuch in der Türkei für sie einsetzen.

aev/dpa/AFP



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