Arbeitsmarkt: BA-Chef Weise rechnet mit starker Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien

Bundesagentur-Chef: Frank-Jürgen Weise bei einem Auftritt im November 2012 Zur Großansicht
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Bundesagentur-Chef: Frank-Jürgen Weise bei einem Auftritt im November 2012

Ab 2014 soll für Bulgarien und Rumänien die volle Freizügigkeit innerhalb der EU gelten. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass dann zwischen 100.000 und 180.000 Zuwanderer aus diesen Ländern jedes Jahr nach Deutschland kommen.

Berlin - Die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit einer starken Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien ab 2014. Ab diesem Jahr soll für die Bürger der beiden Länder die volle EU-Freizügigkeit gelten, also das Recht darauf, in einem anderen EU-Staat zu leben auch ohne bestehendes Beschäftigungsverhältnis.

"Wir erwarten aus Bulgarien und Rumänien eine Netto-Zuwanderung von 100.000 bis 180.000 Arbeitskräften pro Jahr auf den deutschen Arbeitsmarkt", sagte Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, der "Rheinischen Post" vom Samstag. Er glaube nicht, dass es sich bei den Zuwanderern hauptsächlich um Armutsflüchtlinge und Schwarzarbeiter handeln werde. "Solche Erscheinungen gibt es, aber sie dominieren nicht den Arbeitsmarkt."

Zuletzt hatte der Deutsche Städtetag vor "Armutszuwanderung" aus Rumänien und Bulgarien gewarnt. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich kündigte im März an, zusätzliche Maßnahmen gegen Armutseinwanderung aus Bulgarien und Rumänien ergreifen zu wollen. Vergangene Woche warnte Bundespräsident Joachim Gauck bei einer Rede im Kieler Landtag vor einer Stigmatisierung der Roma.

Bundesagentur-Chef Weise erinnerte daran, dass es ähnliche Befürchtungen auch gegeben habe, bevor osteuropäische EU-Mitglieder wie Polen ab 2011 die volle Freizügigkeit erhielten. Diese Sorgen hätten sich nicht bewahrheitet.

Damals rechnete die Bundesagentur mit einer jährlichen Zuwanderung von 140.000 Osteuropäern ab 2011. Nun läge die Nettozuwanderung aus diesen Staaten bei 100.000 Arbeitskräften pro Jahr, so Weise. "Die Menschen sind überwiegend gut qualifiziert." Der deutsche Arbeitsmarkt brauche auf Dauer eine Nettozuwanderung von mindestens 200.000 pro Jahr, um den Fachkräftebedarf zu decken.

Im Jahr 2011, für das die aktuellsten Zahlen vorliegen, kamen aus Bulgarien und Rumänien 112.000 Beschäftigte. Es wird statistisch nicht erfasst, wie viele Sinti und Roma darunter waren.

Zugenommen habe zuletzt vor allem die Zahl der Zuwanderer aus den Euro-Krisenstaaten, vor allem aus Spanien und Griechenland. "Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland hat sich um rund 33.000 auf 462.000 erhöht", sagte Weise.

ras/dpa/afp/Reuters

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insgesamt 118 Beiträge
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1. Denn sie wissen nicht was sie tun,
Nörgelkopf1 30.03.2013
nichts gegen Hilfe an diese Staaten um eine vernünftige Infrastruktur auf zu bauen, aber es kann nur sozialen Unfrieden geben, wenn nun noch so viele Menschen zu uns kommen. Diese leben hier unter den miesesten Umständen immer noch besser als in ihren Heimatländern. Wir schaffen uns Probleme, ohne die Ursache zu lösen.
2.
Maya2003 30.03.2013
Zitat von sysopAb 2014 soll für Bulgarien und Rumänien die volle Freizügigkeit innerhalb der EU gelten. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass dann zwischen 100.000 und 180.000 Zuwanderer aus diesen Ländern jedes Jahr nach Deutschland kommen. Bundesagentur-Chef Weise rechnet ab 2014 mit 180.000 Zuwanderern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/bundesagentur-chef-weise-rechnet-ab-2014-mit-180-000-zuwanderern-a-891745.html)
Na also geht doch, was gibt es besseres um die Löhne unten zu halten oder noch weiter zu drücken als "Konkurrenz". Europa wächst zusammen - und das Proletariat ist der Gewinner :(
3. War doch absehbar, oder?
kioto 30.03.2013
Zitat von sysopAb 2014 soll für Bulgarien und Rumänien die volle Freizügigkeit innerhalb der EU gelten. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass dann zwischen 100.000 und 180.000 Zuwanderer aus diesen Ländern jedes Jahr nach Deutschland kommen. Bundesagentur-Chef Weise rechnet ab 2014 mit 180.000 Zuwanderern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/bundesagentur-chef-weise-rechnet-ab-2014-mit-180-000-zuwanderern-a-891745.html)
Hallo, Immer wieder, wenn ich lese, das Entscheidungen deutscher Politiker negative Folgen für DE haben, die schon bei der Entscheidung absehbar waren, frage ich mich, warum. Wem nutzen diese Entscheidungen? Deutsche Politiker sollten doch ab und zu daran denken, dass sie bei aller Solidarität für Europa und die Welt primär erst mal für das Wohlergehen der deutschen Bevölkerung verantwortlich sind. Wem nutzt es also, wenn sich demnächst verarmte Deutsche zusammen mit Rumänen und Bulgaren an der Suppenküche anstellen dürfen. Wer soll daraus zukünftig einen Gewinn erzielen? Weiteres Drücken der Lohnkosten? Wir haben schon jetzt zu viele wenig qualifizierte Arbeitssuchende. Beruhigung des schlechten Gewissens einiger politischer Gutmenschen? Ich kann es leider nicht verstehen. mfg Kioto
4. Das ist ja klasse...
Horatio Caine 30.03.2013
...und 5000 Mann bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit kontrollieren dann die Tätigkeitsverhältnisse dieser Zuwanderer auf Mindestlohn und Sozialabgaben, neben den ganzen anderen, mit denen man jetzt schon nicht fertig wird.
5. Billige Fachkräfte!
anna-m. 30.03.2013
Wenn ich das höre: Deutschlang bräuchte Fachkräfte! - Unsere Kinder müssen nach dem Studium ein unbezahltes oder schlecht bezahltes Praktikum, Volontariat etc. nach dem anderen machen und es heißt, Deutschland bräuchte Fachkräfte! Eine solche starke Zuwanderung aus Niedriglohnländern wird nur noch mehr die Löhne drücken! Wunderbare Aussichten!
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