Bundesanwaltschaft Keine Indizien für iranische Anschlagspläne

Die Bundesanwaltschaft sieht derzeit keine Hinweise darauf, dass Irans Regime Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland für den Fall eines US-Angriffs plant. Eine entsprechende Meldung hatte zuvor Wirbel ausgelöst.

Von Yassin Musharbash

US-Airbase in Ramstein: Bisher keine Indizien für Anschlagspläne gegen US-Einrichtungen
DPA

US-Airbase in Ramstein: Bisher keine Indizien für Anschlagspläne gegen US-Einrichtungen


Berlin - Das Szenario klang denkbar düster: Anschläge, mitten in Deutschland, vor oder gar in US-Militäreinrichtungen, in Auftrag gegeben vom Regime in Teheran für den Fall, dass die USA Bomber schicken, um das geheime iranische Nuklearprogramm auszuschalten. Mutmaßlich an dem Komplott beteiligt: Ein deutscher Geschäftsmann, der unter konspirativen Bedingungen mit der iranischen Botschaft in Kontakt gestanden haben soll.

So hatte es die "Bild"-Zeitung am Donnerstagmorgen berichtet, und so schien es der Generalbundesanwalt am Mittag auf einer Pressekonferenz auch zu bestätigen: "Wir haben ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und führen operative Maßnahmen durch", sagte der gerade erst ins Amt gekommene Harald Range vor Dutzenden Journalisten, die gekommen waren, um sich über die Ermittlungen gegen die Zwickauer Zelle ins Bild setzen zu lassen. Weitere Einzelheiten gab er nicht preis.

Der Wirbel war entsprechend groß, Außenpolitiker im Bundestag justierten ihre Einschätzungen neu. Die Kontur eines bewaffneten Konflikts mit Iran, den offiziell niemand will, schien plötzlich schärfer zu werden - mögliche gravierende Folgen in Deutschland eingeschlossen. Erinnerungen an das Mykonos-Attentat in Berlin von 1982 wurden wach, als von Teheran ausgesandte Terroristen einen tödlichen Anschlag auf kurdische Politiker verübten.

Teheran-Verschwörung deutlich in Frage gestellt

Mittlerweile hat die Theorie von der Teheran-Verschwörung allerdings deutlich an Wucht verloren. "Es gibt keinerlei Indizien dafür, dass irgendwelche Aktionen gegen US-Einrichtungen vorbereitet worden sind", sagte am Donnerstagnachmittag ein Sprecher der Bundesanwaltschaft zu SPIEGEL ONLINE. Mit anderen Worten: Die Ermittler glauben nicht oder nicht mehr an ein solches Komplott. Ein erster Hinweis für ihre Skepsis war schon der Umstand, dass kein Haftbefehl gegen den angeblich involvierten Deutschen erlassen worden war, obwohl es bereits Anfang November eine Hausdurchsuchung gegeben hatte.

Richtig bleibt somit, dass wegen möglicher Agententätigkeit zum Zwecke der Sabotage ermittelt wird. Neu ist, dass die Ermittler derzeit nicht davon ausgehen, dass dabei etwas herauskommt. Unklar bleibt, was Generalbundesanwalt Range meinte, als er am Mittag auf der Pressekonferenz von "operativen Maßnahmen" gesprochen hatte. Möglicherweise bezog er sich damit allerdings auf die bereits erfolgte Durchsuchungsmaßnahme.

EU beschließt weitere Sanktionen

Auf den generellen Konflikt um Irans Atomprogramm hat die Neubewertung der Bundesanwaltschaft derweil keinen Einfluss. Ebenfalls am Donnerstag beschloss die EU eine Erweiterung der Sanktionen gegen Iran; fast 200 Institutionen und Einzelpersonen sind nun von den Strafmaßnahmen erfasst.

Auch die Folgen der Stürmung der britischen Botschaft in Teheran sind noch nicht verklungen. Das Verhältnis zwischen Iran und internationaler Staatengemeinschaft bleibt angespannt und frostig. Experten schließen zudem keinesfalls aus, dass Iran an Plänen für Gegenschläge arbeitet, falls die USA, Israel oder beide gemeinsam Kampfjets losschicken. Nur gibt es eben derzeit keine Indizien dafür, dass es Vorbereitungen für Anschläge in Deutschland gibt.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 70 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Lekcad 01.12.2011
1. ...
Zitat von sysopDie Bundesanwaltschaft sieht derzeit keine Hinweise darauf, dass Irans Regime Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland für den Fall eines US-Angriffs plant. Eine entsprechende Meldung hatte zuvor Wirbel ausgelöst. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801145,00.html
Ach nee, irgendwer ernsthaft überrascht?
pudel_ohne_mütze 01.12.2011
2. wie schade, das alles hätte doch so gut ins US-Kalkül gepaßt.
Zitat von sysopDie Bundesanwaltschaft sieht derzeit keine Hinweise darauf, dass Irans Regime Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland für den Fall eines US-Angriffs plant. Eine entsprechende Meldung hatte zuvor Wirbel ausgelöst. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801145,00.html
Die können sich aber auf garniemanden mehr verlassen. Nicht einmal mehr auf den Deutschen Michel.
angnaria 01.12.2011
3. Nebelgranaten
Zitat von LekcadAch nee, irgendwer ernsthaft überrascht?
Nur schade, dass SPON (eigentlich ein Qualitätsmedium) unreflektiert jede Meldung die den Iran in ein schlechtes Licht rücken kann übernimmt.
sitiwati 01.12.2011
4. warum machen wir
macht man nicht einfach mal ne Pause, ein BT Abgeordneter, Missfeld, plappert rum: ja, man könnte militärische Aktionen nicht ausschliessen! erinnert mich an: ab 5uhr wird zurückgeschossen !
TheGrinder 01.12.2011
5. Iran!!! Iran!!!
Zitat von sysopDie Bundesanwaltschaft sieht derzeit keine Hinweise darauf, dass Irans Regime Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland für den Fall eines US-Angriffs plant. Eine entsprechende Meldung hatte zuvor Wirbel ausgelöst. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801145,00.html
....aber Hauptsache, man hat erstmal hysterisch gebrüllt! Klar, Iran, denen ist ja grundsätzlich alles zuzutrauen! Und um den noch nicht so kriegslüsternen Deutschen endlich zu zeigen, in welcher großen Gefahr ein jeder von uns steckt, krakeelt man also etwas von vermeintlichen "iranischen Anschlagsplänen in Deutschland"... Nur wenige Stunden später muss man dann zwar zurückrudern, aber macht ja nix, die Story ist in der Welt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.