Berlin - Dirk Niebel wird bei der Fußball-EM 2012 nicht auf der Ehrentribüne Platz nehmen. Als erstes deutsches Regierungsmitglied hat der Entwicklungsminister seine Reise in die Ukraine aus Protest gegen die Menschenrechtslage im Land definitiv abgesagt. "Ich halte es für wichtig, das politische Signal zu setzen, dass man sich so der Europäischen Union nicht annähert", sagte der FDP-Politiker der Tageszeitung "Die Welt". "Daher verzichte ich auf meinen geplanten Besuch eines Spiels der deutschen Nationalmannschaft in der Ukraine."
Die Ukraine habe erklärt, dass sie sich europäischen Werten und Standards annähern wolle, sagte Niebel. Sie müsse nun zeigen, "wie ernst sie diese Selbstverpflichtung meint". Weitere Minister und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließen bislang offen, ob sie einem Spiel der deutschen Mannschaft in dem Land beiwohnen werden.
Wegen des Umgangs der ukrainischen Behörden mit der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko und anderer politischer Gefangener wird in Deutschland seit Wochen über einen politischen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in der Ukraine debattiert, die das Land ab dem 8. Juni gemeinsam mit Polen austrägt. Die prominente Politikerin leidet an einem Bandscheibenvorfall und befindet sich aus Protest gegen ihre Haftbedingungen im Hungerstreik. Der Chef der Berliner Charité, Karl Max Einhäupl, soll die Oppositionspolitikerin von diesem Dienstag an in der Ukraine behandeln.
Die EU-Kommission kündigte bereits an, der EM geschlossen fernbleiben zu wollen. Bundespräsident Joachim Gauck und mehrere andere Staatschefs haben zudem die Teilnahme an einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch Mitte dieses Monats abgesagt.
Am Montag warb Jewgenija Timoschenko, die Tochter der inhaftierten Politikerin in Berlin um Unterstützung für ihre Mutter. Sie traf sich unter anderem mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Das erhoffte Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam dagegen nicht zustande. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, Merkel und Timoschenko hätten sich bereits im vergangenen Herbst getroffen.
syd/AFP/Reuters/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Ukraine | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH