Euro-Krise: Merkel ruft Griechenland-Kritiker zur Ordnung

Vehement drängen CSU-Politiker auf einen Euro-Austritt Griechenlands, jetzt spricht die Kanzlerin ein Machtwort und warnt vor Querschüssen. Europa sei derzeit in einer sehr entscheidenden Phase der Bekämpfung der Euro-Krise, sagte Angela Merkel in der ARD. "Jeder sollte die Worte sehr wägen."

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Bundeskanzlerin Merkel: "Wir haben füreinander in Europa Verantwortung"

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die schwarz-gelbe Koalition aufgerufen, die Euro-Debatte nicht weiter anzuheizen. "Wir sind im Augenblick in einer sehr entscheidenden Phase der Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise und deshalb glaube ich schon, wir sollten alle unsere Worte wägen", sagte Merkel am Sonntag im ARD-"Bericht aus Berlin". Damit reagierte sie auf Äußerungen von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt über eine Euro-Zone ohne Athen.

Dobrindt hatte zuvor der "Bild am Sonntag" gesagt, an einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone führe aus seiner Sicht kein Weg vorbei. "Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone." In den vergangenen Wochen hatten CSU-Politiker immer wieder die Parole ausgegeben, Griechenland solle aus der Währungsunion raus. Auch Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) und Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatten einen Austritt Griechenlands aus der Währungszone für notfalls verkraftbar erklärt.

Erst am Freitag hatte Merkel nach einem Gespräch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras versichert, sie wolle, dass dessen Land in der Euro-Zone bleibe. "Wir haben füreinander in Europa Verantwortung", mahnte die Kanzlerin. Sie erinnerte an die "riesigen Einschnitte", die die Griechen derzeit zu verkraften hätten.

Lob für Samaras

Es zähle derzeit jeder Tag bei der Umsetzung der vereinbarten Spar- und Reformanstrengungen, fügte die Kanzlerin hinzu. Entscheidungen über den weiteren Umgang mit Griechenland könnten noch nicht fallen: "Ich schaue mir dann den Troika-Bericht an und bewerte dann die Dinge", sagte Merkel. Der Bericht der Experten von Europäischer Zentralbank EZB, Internationalem Währungsfonds und EU-Kommission wird für September oder Oktober erwartet.

Ausdrücklich lobte Merkel in dem Interview den neuen griechischen Premier Antonis Samaras: "Ich habe den Eindruck, dass er sich ernsthaft anstrengt." Zugleich beklagte die deutsche Regierungschefin eine ungleiche Verteilung der Lasten in Griechenland. "Das Ungerechte ist ja auch, dass die, die viel Geld haben, längst über alle Berge sind und ihr Geld woanders angelegt haben. Und die einfachen Leute müssen an vielen Stellen diese Dinge jetzt ausbaden - und das ist extrem ärgerlich." Leider sei dies in der Finanzkrise immer wieder der Fall.

Die Kritik aus den Reihen ihrer eigenen Partei nimmt sie gelassen: "Das wäre eine seltsame Volkspartei, wenn es nie Kritik geben würde." Eine Volkspartei zeichne sich aber auch dadurch aus, dass sich "nicht jeder zu jedem Zeitpunkt zu hundert Prozent durchsetzen kann". Als Parteichefin sehe sie es als ihre Aufgabe an, die verschiedenen Vorstellungen immer wieder zusammenzubringen - "und zwar so, dass es gut ist für das Land und die Menschen im Lande".

In der CDU war jüngst wieder verstärkt Kritik an Merkels Führungsstil laut geworden. Der Chef der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann (CDU), warf ihr vor, potentielle Nachfolger abzudrängen, die Partei mit einem "Wohlfühlprogramm" ruhigzustellen sowie grundsätzliche Debatten abzuwürgen. Der sogenannte "Berliner Kreis" sieht unter Merkel das konservative Profil der CDU vernachlässigt. Die für vergangene Woche angekündigte Veröffentlichung eines Manifests des Kreises wurde jedoch offiziell aus Termingründen abgesagt.

Zum Thema Gleichstellung für die Homo-Ehe äußerte sich Merkel skeptisch: "Ich glaube, dass wir an dieser Stelle gut daran tun, doch die Rechtsprechung noch einmal abzuwarten." Politisch sei ihre Überzeugung, "dass es gut ist, wenn Ehe und Familie doch noch etwas deutlich bessergestellt werden". Sie seien aus gutem Grund grundgesetzlich geschützt.

Ob die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare "in einer steuerlichen völligen Gleichstellung mit der Ehe enden muss, da bin ich selber zweifelnd", so die Kanzlerin. Zugleich wisse sie, dass Karlsruhe diese Frage zuletzt häufig anders definiert habe.

mik/dapd

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insgesamt 106 Beiträge
orlando.furioso 26.08.2012
"Das Ungerechte ist ja auch, dass die, die viel Geld haben, längst über alle Berge sind und ihr Geld woanders angelegt haben. Und die einfachen Leute müssen an vielen Stellen diese Dinge jetzt ausbaden - und das ist [...]
Zitat von sysopVehement drängen CSU-Politiker auf einen Euro-Austritt Griechenlands, jetzt spricht die Kanzlerin ein Machtwort und warnt vor Querschüssen. Europa sei derzeit in einer sehr entscheidenden Phase der Bekämpfung der Euro-Krise, sagte Angela Merkel in der ARD. "Jeder sollte die Worte sehr wägen." Bundeskanzlerin Merkel mahnt zur Besonnenheit in der Euro-Krise - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852183,00.html)
"Das Ungerechte ist ja auch, dass die, die viel Geld haben, längst über alle Berge sind und ihr Geld woanders angelegt haben. Und die einfachen Leute müssen an vielen Stellen diese Dinge jetzt ausbaden - und das ist extrem ärgerlich." Diese Frau lügt doch einfach nur wie gedruckt, wenn sie überhaupt nur den Mund aufmacht. Die Gaddhafi-Millionen konnten innerhalb weniger Stunden weltweit beschlagnahmt werden und bei dem Geld der Superreichen und korrupten Griechen soll dies nicht möglich sein. - Sie machen sich als Kanzlerin der Beihilfe zur massiven Insolvenzverschleppung auf Kosten des deutschen Steuerzahlers weiterhin schuldig, denn sie werden wohl weitere Rettungspakte an Griechenland kaum ernsthaft verhindern werden; die diesbezüglichen positiven Zusagen von EU und IWF können einem jetzt schon in den Ohren gellen, um dieses Land weiterhin im Euro zu halten und auch weiterhin auf Kosten der "normen" Bevölkerung!
Spiegelkritikus 26.08.2012
Ist es nicht rührend, dass Frau Merkel vier Jahre nach Begiinn der Krise auffällt, dass vor allem die einfache griechische Bevölkerung bluten muß, während die Reichen in aller Ruhe ihre riesigen Vermögen ins Ausland transferieren [...]
Ist es nicht rührend, dass Frau Merkel vier Jahre nach Begiinn der Krise auffällt, dass vor allem die einfache griechische Bevölkerung bluten muß, während die Reichen in aller Ruhe ihre riesigen Vermögen ins Ausland transferieren konnten und nach wie vor weitgehend ungeschoren bleiben? Allein die Schweiz bunkert knapp 300 Milliarden griechische Vermögen. In Deutschland, England und anderen Staaten haben reiche Griechen in den Metropolen teilweise ganze Strassenzüge aufgekauft, auch in Berlin. Schon 2008 hätte die Kapitalflucht aus Griechenland und anderen Südländern mit einer konzertierten Aktion gestoppt werden können, passiert ist rein gar nichts. Die europäischen Polit-, Wirtschafts- und Kapitalliten sind eben e i n e grosse Familie, man hilft und unterstützt sich gegenseitig!
biwak 26.08.2012
Na wenn sie den Eindruck hat ... Wie jeder Satz von ihr, der Ratlosigkeit hinterlässt.
Na wenn sie den Eindruck hat ... Wie jeder Satz von ihr, der Ratlosigkeit hinterlässt.
Mathesar 26.08.2012
...Griechenland muß raus! Keine Schuldenunion!
...Griechenland muß raus! Keine Schuldenunion!
spiekr 26.08.2012
genau, deswegen sind ja die meisten "einfachen" Deutschen gegen Sie in dieser Sache Frau Merkel. Im übrigen fehlt es nicht an privatem Geld, aber wer ist denn so blöd, dieses in Griechenland zu investieren, wenn reiche [...]
genau, deswegen sind ja die meisten "einfachen" Deutschen gegen Sie in dieser Sache Frau Merkel. Im übrigen fehlt es nicht an privatem Geld, aber wer ist denn so blöd, dieses in Griechenland zu investieren, wenn reiche Griechen flüchten. Es gibt bessere Inverstitionsbedingungen, z.B. bei uns im Lande.
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  • Sonntag, 26.08.2012 – 18:05 Uhr
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Griechische Tragödie - der Rettungsplan für Griechenland
Im April 2010 beschloss der EU-Gipfel das erste Rettungspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro für drei Jahre. Im Gegenzug verpflichtete sich Athen zu einem strikten Spar- und Reformkurs, der Privatisierungen und Stellenabbau im Öffentlichen Dienst umfasste. Doch die Auflagen wurden von Beginn an nicht planmäßig umgesetzt, die Privatisierung kam überhaupt nicht voran. Parallel schmierte die Wirtschaft weiter ab.




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