Truppe wird aufgestockt Bundestag stoppt Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan

Die Bundeswehr wird ihren Einsatz in Afghanistan mit verstärkter Truppenzahl fortsetzen. Dafür stimmte jetzt der Bundestag mit 480 Ja-Stimmen gegen 112 Nein-Stimmen.

Soldaten in Kundus (Archiv): Ende des Einsatzes derzeit nicht absehbar
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Soldaten in Kundus (Archiv): Ende des Einsatzes derzeit nicht absehbar


Der Bundestag hat den Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan gestoppt. Mit großer Mehrheit sprach sich das Parlament für die Aufstockung der Bundeswehrtruppe am Hindukusch von 850 auf bis zu 980 Soldaten im kommenden Jahr aus. 480 Abgeordnete stimmten dafür, 112 dagegen, zehn enthielten sich. Damit stimmten 79,7 Prozent der Abgeordneten für die Verlängerung des Mandats bis Ende 2016.

Die Bundesregierung machte zudem deutlich, dass ein Ende des Einsatzes derzeit nicht absehbar ist. Ursprünglich war geplant, dass die internationalen Truppen sich schon 2016 in die Hauptstadt Kabul zurückziehen. Jetzt sollen 12.000 Soldaten aus mehreren Dutzend Ländern über das ganze Land verteilt bleiben. Grund ist die angespannte Sicherheitslage in dem Bürgerkriegsland.

Ein Zurück zum 2014 beendeten Kampfeinsatz soll es aber nicht geben. Der Auftrag der deutschen Soldaten bleibt auf Ausbildung und Beratung der afghanischen Streitkräfte beschränkt.

Anti-Terror-Einsatz im Mittelmeer verlängert

Auch der Bundeswehreinsatz im Mittelmeer wird fortgesetzt - obwohl die Regierung ihn nicht mehr für zeitgemäß hält. Mit großer Mehrheit beschloss der Bundestag, dass bis zum 15. Juli 2016 weiterhin 500 Soldaten an der vor 14 Jahren beschlossenen Nato-Operation teilnehmen können. Die große Koalition hofft darauf, dass der Einsatz in diesem Zeitraum reformiert wird.

Die Operation "Active Endeavour" (OAE) war von der Nato als Konsequenz aus den Anschlägen vom 11. September 2011 in den USA beschlossen worden. Derzeit sind daran in der Regel nur noch deutsche Schiffe beteiligt, die auf dem Weg zu anderen Einsatzorten das Mittelmeer durchqueren. Ihr Auftrag umfasst die Überwachung des Seeraums und der Austausch von Lagebildern - beides Routineaufgaben.

Die Bundesregierung setzt sich seit 2012 für eine Veränderung des Einsatzkonzeptes ein und hofft beim Nato-Gipfel in Warschau am 8. und 9. Juli auf Erfolg. In der Mandatsbegründung heißt es, dass "die ursprüngliche Ausrichtung der OAE der Einsatzrealität nicht mehr gerecht" werde.

brk/dpa/AFP



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insgesamt 29 Beiträge
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josho 17.12.2015
1. Was soll denn Ende 2016.....
...anders sein? Oder Ende 2025? Die Taliban haben Zeit....
windpillow 17.12.2015
2. Metropolis
Das Bild oben erinnert mich stark an den Film Metropolis, an die Szene in der die Arbeiter gedrückt und verzweifelt, dem Tode nahe zum arbeiten an die sog. Herz-Maschine gehen.
yvowald@freenet.de 17.12.2015
3. Die Taliban haben nach wie vor das Sagen
Durch die Beendigung des Abzugs der deutschen Truppen aus Afghanistan wird die Lage dort nicht besser - eher schlimmer. Die Taliban haben nach wie vor das Sagen und auch die Drogenbarone erfreuen sich steigender Umsätze. Was sollen die deutschen Soldatinnen und Soldaten hier überhaupt bewirken? Friedenssicherung? Wenn denn endlich Frieden wäre! Frieden schaffen ohne Waffen wäre wohl auch in Afghanistan das Gebot der Stunde.
MarkusW77 17.12.2015
4.
Wenn man bedenkt, daß von 5000 involvierten Soldaten max. 150 immer das Camp verlassen können (war zumindest vor 2 Jahren noch so), und sich dann ein zu kontrollierendes Gebiet der Größe Norddeutschlands vorstellt... Wenn da sinnbildlich zwei Trupps durch Bremen fahren, wissen die in Kiel oder Rostock nichtmal von deren Existenz... Nur mal so als Bildvergleich, um zu zeigen, daß der Einsatz einzig und ausschließlich der Rüstungsindustrie dient. Und dann alle paar Jahre ausversehen ein Krankenhaus, Hochzeit oder Tanklaster bombardieren, dann ist wenigstens der Terroristen Nachwuchs gesichert. Wer entscheidet sowas ?
Snozzlebert 17.12.2015
5.
was für eine Verschwendung, fundamentale Typen werden dort auch noch in 10 Jahren völlig durchdrehen. Nicht unsere Baustelle....
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