Berlin/Minsk - Hitzig wird derzeit die Ausrichtung der Fußball-EM 2012 in der Ukraine diskutiert. Viele Politiker bemängeln den Umgang mit Oppositionellen in dem Land. Nun gerät offenbar das nächste Sportereignis in die Kritik. Im Bundestag formiert sich laut "Süddeutscher Zeitung" Widerstand gegen die Austragung der Eishockey-Weltmeisterschaft 2014 im autoritär regierten Weißrussland.
Präsident Alexander Lukaschenko sei "kein würdiger Gastgeber", zitiert das Blatt in seiner Donnerstagsausgabe aus einem Antragsentwurf von SPD und Grünen. Auch CDU/CSU und FDP arbeiten nach "SZ"-Informationen an einem Antrag, der die geplante Weltmeisterschaft kritisiert.
"In Weißrussland ist die Lage wesentlich dramatischer als in der Ukraine. Wir sollten jetzt rechtzeitig Druck auf die Verbände ausüben, die Eishockey-WM 2014 in ein anderes Land zu verlegen", sagte die Osteuropa-Expertin der Grünen, Marieluise Beck, der "SZ".
Nach Angaben der Zeitung wollen SPD und Grüne an den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) appellieren. Dieser solle sich beim Kongress der Internationalen Eishockey-Föderation (IIHF) in wenigen Wochen in Helsinki dafür einzusetzen, Weißrussland die Austragung der WM zu entziehen.
Weißrussland als Gastgeber nicht geeignet
Die Koalitionsfraktionen sehen eine direkte Aufforderung an den DEB dagegen kritisch. "Die Politik sollte sich nicht direkt in den Sport einmischen", sagte der FDP-Abgeordnete Bijan Djir-Sarai der "SZ". Weißrussland als Austragungsort der Eishockey-WM halten FDP und Union aber ebenfalls für ungeeignet.
DEB-Präsident Uwe Harnos räumte ein, der Sport könne "sich nicht darauf zurückziehen, dass er unpolitisch ist". Es sei aber eine einheitliche Haltung nötig, sagte er mit Blick auf die Diskussion um die Ukraine.
Die Regierung in Weißrussland steht wegen der Niederschlagung von Protesten nach den umstrittenen Wahlen im Dezember 2010 und der Inhaftierung zahlreicher Oppositionpolitiker in der Kritik. In der Ukraine findet diesen Sommer die Fußball-Europameisterschaft statt.
Angesichts des Umgangs der inhaftierten Oppositionsführerin Julija Timoschenko, die an schweren Rückenproblemen leidet, mehren sich derzeit in Deutschland die Forderungen nach einem Boykott oder einer Verlegung der Spiele aus der Ukraine.
jok/AFP
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