Reaktionen aus dem Ausland Warum bekommt Merkel keine 99 Prozent?

Das Wahlverhalten der Deutschen sorgt im Ausland für Entsetzen - oder zumindest Verblüffung: Israel warnt, Italien staunt und selbst die Australier sind besorgt. SPIEGEL-ONLINE-Korrespondenten haben Stimmen zusammengetragen.

imago/ Müller-Stauffenberg


Inhaltsverzeichnis

  1. USA: Angst vor Jamaika
  2. Russland: Ein Stern, der Merkels Namen trägt
  3. Italien: Was erlaube Deutschland?
  4. Österreich: Rechnung für die Flüchtlingskrise
  5. Israel: Angela Netanyahu
  6. Arabische Welt: Warum bekommt Merkel keine 99 Prozent?
  7. Türkei: Zwischen Schadenfreude und Sorge
  8. Frankreich: Macrons zweite Wahl
  9. Großbritannien: So sehen Klatschen aus
  10. Polen: Auf Distanz zur AfD
  11. Griechenland: Angst vor der FDP
  12. Japan: "Europa wird immer merkwürdiger"
  13. Australien: Huch, was ist in Deutschland los?

1. USA: Angst vor Jamaika

In den USA wird die erneute Wahl von Angela Merkel mit einer Mischung aus Erleichterung und Skepsis aufgenommen. Allen voran die oppositionellen Demokraten und liberale Medien freuen sich über ihren Sieg. Merkel bleibe der Welt als "vernünftige Kraft" erhalten, schreibt die "New York Times". In der Regierung von Donald Trump ist man wohl ebenfalls froh, dass sie als Partnerin weitermacht. Ihr wird vor allem zugetraut, dass sie im Verhältnis zu Russland vermitteln kann und die Euro-Zone einigermaßen stabil halten wird.

Aber es gibt auch Befürchtungen: Sowohl die Präsidenten-Berater im Weißen Haus als auch die Experten im Außenministerium treibt die Sorge um, dass eine Zusammenarbeit mit Merkel in Zukunft noch schwieriger werden könnte. Zwar mag dies niemand offiziell sagen, doch viele sind sich sicher: Sollten die Grünen in einem "Jamaika-Bündnis" in Berlin an die Regierung kommen und Themen wie Klimaschutz vorantreiben, wäre neuer Streit mit Washington programmiert.

Ebenso dürfte es zwischen Deutschland und den USA neue Konflikte geben in der Frage, inwieweit die Bundeswehr ausgebaut wird, um Donald Trumps Wünsche nach einem stärkeren Beitrag zur Nato Rechnung zu tragen. Merkel war hier sowieso schon immer skeptisch, aber mit den Grünen am Kabinettstisch könnten eine Aufrüstung oder sogar neue Auslandseinsätze unmöglich werden. Das wird Trump nicht gefallen.

Roland Nelles, Washington

2. Russland: Ein Stern, der Merkels Namen trägt

"Angela Merkels Stern, der nie erlischt" überschreibt die Tageszeitung "RBK" ihren Artikel zur Bundestagswahl - es schwingt dabei etwas Respekt mit. Schließlich wird es die vierte Amtszeit der Kanzlerin.

In Russland scheint man darüber froh zu sein. Merkel verspricht für Moskau Kontinuität: Mit ihr weiß man, was man hat, auch wenn man über ihre Politik nicht immer glücklich ist. "Putin respektiert Merkel trotz der Meinungsunterschiede etwa bei der Krim und dem Ostukraine-Konflikt", sagt Wladislaw Below von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Für den Kreml wird die EU vor allem von Deutschland geprägt - und dort bestimmt Merkel.

Auffällig zurückhaltend und vorsichtig berichtet das Staatsfernsehen, auch über den Einzug der AfD. Selbst Dimitrij Kisselow, Chef des staatlichen Propaganda-Unternehmens Rossija Sewodnja, verzichtet auf Angriffe, dabei spottete er vor wenigen Monaten noch, Merkel mit ihrer wertegeleiten Politik sei aus der "politischen Mode" gekommen. Einziger Wehmutstropfen ist die Niederlage der SPD, mit der man bisher sehr gut auskam.

Skeptisch zeigt man sich angesichts der Verhandlungen mit FDP und Grünen über eine Jamaika-Koalition. Es werden Merkels schwerste Gespräche angesichts der unterschiedlichen Positionen, wie es in Moskau heißt. Und die Grünen sind besonders kritisch gegenüber Russland eingestellt: Sie setzen sich gegen die Gaspipeline North Stream 2 in der Ostsee ein und für Sanktionen. Ein möglicher Außenminister Cem Özdemir wäre nicht gerade die Traumbesetzung aus Sicht des Kreml.

Christina Hebel, Moskau

3. Italien: Was erlaube Deutschland?

"Mama mia", staunt mancher Italiener, "was machen die denn für ein Durcheinander?" Sechs Parteien im nächsten Bundestag und keine klare Mehrheit zu erkennen, das sind die Südländer von den Deutschen nicht gewöhnt. Wohl zum ersten Mal bescheinigt das staubtrockene Wirtschaftsblatt "Il Sole 24 Ore" dem deutschen Boulevard-Medium "Bild", es habe mit dem Wort "Erdbeben" zur Klassifizierung des Wahlausgangs nicht übertrieben.

Italiens Deutschland-Bilanz nach der Wahl: Die SPD sei "keine Volkspartei" mehr, Angela Merkel habe "die Aura der Unbesiegbarkeit verloren" und stehe mit dem Auftrag, eine neue Regierung zu bilden "vor einer fast unmöglichen Mission". Denn die zwei Parteien, die als Merkels Partner in Frage kommen, stünden inhaltlich weit auseinander.

Erstes Opfer der neuen Regierung wäre wohl die geplante Reform der Eurozone, mutmaßen einige Kommentatoren. FDP-Chef Lindner sei gegen fast alles, was Frankreichs Präsident Macron und Merkel abgesprochen hätten. Und ohne Lindner könne Merkel nicht regieren. Aber auch Merkels CDU/CSU-Freunde würden nicht nur in der Flüchtlingspolitik sondern auch in Sachen Europa eine härtere Gangart durchsetzen wollen.

Hans-Jürgen Schlamp, Toskana

4. Österreich: Rechnung für die Flüchtlingskrise

In Österreich ist man überzeugt, dass das Wahlergebnis die "Rechnung für die Flüchtlingskrise" ist. So schreibt es die Tageszeitung "Die Presse". Man schaut genau ins Nachbarland, denn in Österreich wird in drei Wochen gewählt. Auch hier hat eine große Koalition regiert, weit weniger harmonisch als in Deutschland.

Und so interpretiert jeder das deutsche Votum im eigenen Sinne. Sebastian Kurz, Außenminister und Kanzlerkandidat der konservativen ÖVP (die sich aber nur noch "Liste Sebastian Kurz" nennt und als "Bewegung" präsentiert) gratuliert per Twitter "Bundeskanzlerin #Merkel & @CDU / @CSU zum 1. Platz nach d #BTW17". Die rechtspopulistische FPÖ freut sich über den Wahlerfolg der AfD, Parteichef Heinz-Christian Strache schreibt auf Facebook: "Der Wunsch nach Veränderung in unserem Nachbarland wurde deutlich sichtbar." Und die SPÖ, die derzeit mit Christian Kern den Kanzler stellt? Gratuliert Merkel. Kern schreibt: "Die Ergebnisse von CDU, SPD und AfD sprechen eine klare Sprache und machen deutlich, dass man Probleme nicht ignorieren und sich hinter Statistiken und leeren Formeln verstecken darf. Wir müssen konkrete Lösungen anbieten und diese Politik glaubhaft vertreten."

Hasnain Kazim, Wien

5. Israel: Angela Netanyahu

"Drama in Deutschland" titelt das kostenlose Massenblatt "Israel Hayom" heute - und zeigt ein Bild des Spitzenduos der "besorgniserregenden Alternative" beim Jubel: Alexander Gauland und Alice Weidel. Merkels Wahlsieg freut viele, die AfD als drittstärkste Kraft entsetzt Israel.

Fania Oz-Salzberger, israelische Historikerin und Tochter des Schriftstellers Amos Oz, bezeichnete die rechtspopulistische Partei am Abend auf Twitter als "Faschisten" und schrieb in einem weiteren Beitrag: "Es ist beängstigend, sich vorzustellen, wie Deutschland heute ohne Merkel aussehen würde. Es bricht einem Herz, wenn man daran denkt, wie die USA heute mit einer Merkel aussehen würden."

Die Tageszeitung "Haaretz" hingegen kommt zu dem Schluss: "Merkel ist nun der deutsche Netanyahu". Sie regiere "beharrlich, aber genauso paralysiert" wie der langjährige israelische Premier. Der Erfolg der AfD alarmiert das linksliberale Blatt: "Für diese Partei sind nach oben keine Grenzen gesetzt." Es sei zu erwarten, dass man im deutschen Bundestag in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren Stimmen hören werde, die man über Jahrzehnte nicht gehörte habe.

Dominik Peters

6. Arabische Welt: Warum bekommt Merkel keine 99 Prozent?

So alarmiert reagieren arabische Medien auf den Wahlerfolg der AfD: "Ein schwarzer Tag für die Flüchtlinge und Muslime in Deutschland", titelt die arabische Ausgabe der "Huffington Post". "Zum ersten Mal seit den Tagen Hitlers zieht eine extreme Partei ins Parlament ein." Die Lage der Muslime in Deutschland werde sich daher verschlechtern.

Ansonsten herrscht in der arabischen Welt Erleichterung darüber, dass Angela Merkel vor einer vierten Amtszeit steht. Mit ihrem Verhalten in der Flüchtlingskrise 2015 hat sie erheblich an Ansehen gewonnen. Der Nachrichtensender Al-Jazeera pries die CDU-Chefin am Sonntagabend als "Anführerin der freien Welt".

Das schwache Abschneiden der Union kommt deshalb für viele arabische Beobachter überraschend. Khadija Benguene, Anchorwoma von Al Jazeera fragte sarkastisch via Twitter: "Wie kann es sein, dass Merkel nur 32,5 Prozent bekommt und unsere Präsidenten immer 99,99 Prozent erreichen?"

Christoph Sydow

7. Türkei: Zwischen Schadenfreude und Sorge

In der Türkei herrschen Schadenfreude, aber auch Sorge über das Wahlergebnis in Deutschland. Die "Feinde der Türkei" hätten verloren, hieß es am Sonntagabend im türkischen Fernsehen angesichts der Stimmverluste von Union und SPD.

Sowohl Kanzlerin Merkel als auch SPD-Kandidat Schulz waren im Wahlkampf darum bemüht, auf größtmöglichen Abstand zum türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan zu gehen. "Die deutschen Politiker haben mehr über Erdogan gesprochen als über die Anliegen der Bürger", sagt Erdogans Europaberater Ozan Ceyhun. "Das hat sich nun gerächt."

Die Aussicht auf eine Jamaika-Koalition löst bei den meisten Türken dagegen wenig Begeisterung aus. Erdogan hat Grünen-Chef Cem Özdemir bereits vor Jahren zum Staatsfeind erklärt. Sollte Özdemir nun Minister werden, möglicherweise gar das Außenressort übernehmen, würde dies die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara vor eine weitere Belastungsprobe stellen.

Quer durch alle Lager in der Türkei ist das Entsetzen groß über den Erfolg der AfD. "Die Enkel Adolf Hitlers schaffen den Einzug ins Parlament", schreibt die regierungsnahe Tageszeitung "Sabah".

Maximilian Popp, Istanbul

8. Frankreich: Macrons zweite Wahl

"Wenn Merkel sich mit den Liberalen verbündet, bin ich tot": Mit diesen Worten hatte "Le Monde" den französischen Präsidenten Emmanuel Macron vor der Bundestagswahl zitiert. Nun könnte es genau zu so einem Bündnis kommen. Nachdem die SPD einer Fortführung der Großen Koalition eine Absage erteilt hat, bleibt der Kanzlerin nach jetzigem Stand nur eine Jamaika-Koalition mit Einbeziehung der FDP.

Macron will die die Eurozone stärken und ihr einen Wirtschafts- und Finanzminister sowie einen üppig ausgestatteten eigenen Haushalt geben. Diese Pläne lehnt die FDP klar ab, in der Union herrscht große Skepsis. Mit der SPD unter ihrem EU-freundlichen Kanzlerkandidaten Martin Schulz hätte Macron seine Pläne wesentlich leichter umsetzen können.

Der französische Regierungssprecher Christophe Castaner sprach von einem "bitteren Sieg" für Merkel - auch wegen des Wahlerfolgs für die AfD: "Er ist bitter wegen des Aufstiegs einer sehr gewaltsamen, sehr harten, sehr radikalen extremen Rechten", sagte der Macron-Vertraute.

Christoph Sydow

9. Großbritannien: So sehen Klatschen aus

Großbritannien rätselt darüber, welchen Einfluss die innenpolitische Schwächung Angela Merkels für die Brexit-Verhandlungen haben wird. Konservative Analysten setzen darauf, dass die Kanzlerin nun eher zu Zugeständnissen gegenüber Premierministerin Theresa May bereit sein könnte. Dem widersprechen andere: Der Brexit sei während des Wahlkampfes kein Thema gewesen und es sei auch nicht zu erwarten, dass sich daran nun etwas ändert. Schließlich müsse die Kanzlerin nun erstmal Macrons Reformpläne für die EU abwehren, die der AfD weitere Wähler in die Arme treiben könnten.

Viele Brexit-Befürworter verbergen ihre Häme über das schlechte Abschneiden Merkels kaum. Auf Twitter verglichen sie das CDU-Ergebnis mit dem Ergebnis der Tories bei der Parlamentswahl am 8. Juni, das als schwere Klatsche für die konservative Premierministerin gewertet wurde: "Theresa May: 42.4 Prozent; Angela Merkel: 32,9 Prozent".

Christoph Sydow

10. Polen: Auf Distanz zur AfD

Am Morgen nach der Wahl atmet das Land auf. Merkel, die Ostdeutsche, gilt als Polen-Versteherin: " In Deutschland wird eine Politikerin regieren, die polnische Wurzeln hat, die bewunderte unseren Kampf gegen Kommunismus und die von Solidarnosc fasziniert war. Unter der Regierung von Angela Merkel wurden die Beziehungen zwischen Berlin und Warschau endlich so wichtig wie zwischen Berlin und Paris", schreibt die liberale Warschauer "Gazeta Wyborcza".

"Wir finden in Europa keinen besseren Verbündeten", kommentiert auch die eher konservative "Rzeczpospolita".

Ein Kanzler Martin Schulz wäre an der Weichsel weit weniger gut angekommen. Er galt als unkritisch gegenüber der EU und hatte die nationalkonservative Regierung scharf kritisiert. Deren Parteigänger, wie zum Beispiel der Europaabgeorndete Zbigniew Kuzmiuk, distanzieren sich von der AfD, die als antieuropäisch wahrgenommen wird. Sie erhält von der polnischen Rechten aber Beifall für ihre Haltung in der Flüchtlingspolitik. Merkel müsse angesichts von Millionen AfD-Wählern ihre allzu liberale Einwanderungspolitik ändern, sagte etwa Kuzmiuk.

Jan Puhl

11. Griechenland: Angst vor der FDP

"Ein Nazi-Geist überschattet Merkels vierte Amtszeit", titelt die Athener Tageszeitung "Ta-Nea". Das Ergebnis sei eine "kalte Dusche" für Merkel und ihren Kontrahenten Martin Schulz, schreibt das linke Blatt "EfSyn".

Griechenland ist in Sorge über das deutsche Wahlergebnis: Zum einen, weil die rechte AfD so ein hohes Ergebnis erzielt hat, zum anderen aber wegen der FDP. Die Liberalen in einer Jamaika-Koalition könnten Berlins Haltung in der Schuldenkrise verhärten - dabei hofft doch das Land auf Erleichterungen aus Europa.

Yiannis Bournous, außenpolitischer Experte bei der regierenden Syriza-Partei sagte: "Das ist keine gute Nacht für Europa und Griechenland. Wir haben jeden Grund, uns Sorgen zu machen." Das starke Abschneiden der AfD, so die Lesart, werden den politischen Druck auf die Regierung Merkel erhöhen, härter in der Flüchtlingsfrage und bei der Griechenland-Hilfe aufzutreten. Einst war Wolfgang Schäuble bei den Griechen besonders verhasst, weil er Sparsamkeit und durchaus auch schmerzhafte Reformen forderte. Sollte jetzt ein FDP-Mann sein Finanzministerium übernehmen, erscheint Schäuble geradezu als das kleinere Übel. Viele griechische Kommentatoren erwarten von einem Liberalen auf seinem Posten noch härtere Auflagen.

Giorgios Christides, Athen

12. Japan: "Europa wird immer merkwürdiger"

In Japan blickten bisher viele mit Bewunderung auf die Deutschen und Kanzlerin Angela Merkel. Vom Ausstieg aus der Atomkraft bis zum offenen Umgang mit der Nazi-Vergangenheit - für viele Japaner setzte Deutschland Maßstäbe, gerade weil ihre eigene Regierung diese oft nicht erfüllt. Umso größer ist nun das Staunen über das starke Abschneiden der AfD.

"Europa wird immer merkwürdiger", tweetete Toru Kumagai, ein angesehener Journalist über den Aufstieg der Rechtspopulisten. "Kaum zu glauben, aber das ist die Realität." Als Vorbild der politischen Korrektheit gerät Deutschland plötzlich ins Wanken.

Zwar herrscht in Tokio Erleichterung darüber, dass Merkel voraussichtlich auch die nächste Regierung führen wird. Doch Zweifel werden laut, ob die Deutsche künftig noch so viel Gewicht in die Weltpolitik einbringen kann wie bisher.

Eine geschwächte Kanzlerin - daran kann allerdings auch Premier Shinzo Abe kein Interesse haben. Zwar verkörpert der nationalistische Politiker oft das Gegenteil von Merkel: Beflissen wie kaum ein anderer Regierungschef sucht er die Freundschaft zu US-Präsident Donald Trump, besonders in der aktuellen Korea-Krise. Anders als Merkel, die für diplomatische Gespräche mit Nordkorea plädiert, stimmt Abe in Trumps martialische Tonlage eifrig mit ein.

Bei der Handelspolitik aber hält Abe es eher mit Merkel und der Europäischen Union als mit seinem Kumpel Donald. Die drittgrößte Volkswirtschaft hängt wie Deutschland von offenen Weltmärkten ab. Und daher braucht Abe die Kanzlerin auch künftig als Gegengewicht gegen die "America-First"-Politik von Trump.

Wieland Wagner, Tokio

13. Australien: Huch, was ist in Deutschland los?

Nun sind sie doch ein wenig besorgt. Vor dem 24. September hatten sich die Australier kaum für die Wahl in Deutschland interessiert, sie waren von einem Sieg Angela Merkels ausgegangen, damit schien die Sache klar. Aber dass nun eine "Rechtsaußenpartei mit Nazi-Elementen" ("SMH") in den Bundestag zieht, sorgt selbst im weit entfernten Australien für einige Schlagzeilen.

"Dass solche extremen Ansichten nun aus dem Parlament selbst kommen sollen, ist beunruhigend", schreibt Heather Merle Benbow im "SMH". In "The Australian" heißt es von David Charter: "Der Wahlerfolg der AfD zeigt, dass das Land nicht immun ist gegen den Nationalismus, der Europa und die USA umwälzt."

Besorgnis auf der einen Seite. Eine gewisse Erleichterung auf der anderen. Merkels Wiederwahl "ist ein ermutigendes Signal im internationalen Kontext, mit so großen destabilisierenden Faktoren wie Brexit, Trump, Nordkorea und Russland", heißt es im "Election Watch" der Universität Melbourne.

Dennoch ist es übertrieben zu sagen, die Wahl wäre in Australien ein großes Thema. Pläne der Regierung für eine eigene Raumfahrtbehörde, ein drohender Vulkanausbruch auf Bali oder die Verleihung der Brownlow Medal an AFL-Spieler - all das bekommt gerade mehr Aufmerksamkeit.

Anna-Lena Roth, Sydney

Autoren: Korrespondenten, Reporter und Autoren des SPIEGEL und von SPIEGEL ONLINE

Redaktion: Britta Kollenbroich, Johannes Korge

Produktion: Guido Grigat

Layout: Katja Braun, Hanz Sayami

Programmierung: Guido Grigat, Frank Kalinowski, Chris Kurt

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