Bundeswehr-Einsatz Auf nach Afghanistan, mit Pannen und Umwegen

Der Start der Schutztruppe, zu der auch deutsche Soldaten gehören, verläuft pannenreich. Erst verzögerten technische Probleme den Start, jetzt sitzt das Erkundungsteam am Persischen Golf fest, weil in Afghanistan kein Flughafen bereit ist. Umfang und Zeitplan des Einsatzes sind laut Verteidigungsminister Scharping unklar.


Verteidigungsminister Scharping: Die wichtigsten Fragen müssen noch entschieden werden
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Verteidigungsminister Scharping: Die wichtigsten Fragen müssen noch entschieden werden

Berlin/London - Ziel des Erkundungsteams, das nach Verzögerungen in der Nacht von London aus gestartet ist, ist die Analyse der Lage im kriegszerstörten Afghanistan. Grund für die mehrstündige Verspätung seien technische Schwierigkeiten in Afghanistan, so ein Bundeswehr-Sprecher.

Nun flog das Team nach Angaben des Sprechers zunächst mit einem Airbus der Bundesluftwaffe nach Oman. Von da aus solle es mit einer britischen Hercules-Transportmaschine im Lauf des Tages weiter nach Afghanistan gehen, wenn sicher sei, welcher Flugplatz dort offen sei. Der unter britischer Führung stehenden Gruppe gehören acht Offiziere und ein Unteroffizier der Bundeswehr an. Von ihrem Bericht über die Verhältnisse in Afghanistan hängen Zeitpunkt und Umfang des deutschen Einsatzes ab.

Ein 200 Mann starkes Vorauskommando werde frühestens in der ersten Januarwoche folgen, sagte Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping in der "Bild"-Zeitung. Zu den Aufgaben dieser Soldaten gehöre es, Flughäfen und Transportwege zu prüfen. Über den endgültigen Umfang des deutschen Kontingents wollte der SPD-Politiker noch keine Auskunft geben. "Nach heutigem Stand ist noch nicht klar, ob wir 800 oder 1000 Soldaten entsenden", wurde Scharping zitiert. Der Bundestag hatte eine Entsendung von bis zu 1200 Mann gebilligt.

Scharping trat Befürchtungen entgegen, die Soldaten seien nicht ausreichend auf ihren Einsatz vorbereitet. Sie seien in der Lage, sich selbst zu schützen, erklärte er "Bild" zufolge. Sie trügen Splitterschutzwesten und führen gepanzerte Fahrzeuge. Zum deutschen Kontingent gehörten auch Spezialisten für Minenräumung. Die Entsendung schweren Minenräumgeräts der Bundeswehr sei aber nicht geplant.

In dem zerstörten Land würden sich die deutschen Soldaten selbst versorgen, sagte der Minister nach dem Bericht weiter: "Eine Versorgungskomponente gehört zur Truppe. Das gemeinsame Kontingent aus Deutschen, Niederländern, Dänen und Österreichern hat zudem eigene Sanitäter dabei."

Die deutschen Soldaten der UN-Schutztruppe sollen vom Chef der Oldenburgischen Luftlandebrigade 31, Carl Hubertus von Butler, geführt werden. Der Brigadegeneral sei für diese Aufgabe vorgesehen, aber noch nicht endgültig bestätigt, hieß es zu Jahresbeginn. Butler befehligt hauptsächlich Fallschirmjäger, die den Kern des deutschen Kommandos bilden sollten. Zum Kontingent sollen auch Niederländer, Dänen und Österreicher gehören.

Zu den neun deutschen Offizieren gehören ein Fachmann für Startbahn-Reparaturen, der den Flughafen in Kabul begutachten soll, und ein Verbindungsoffizier für die deutsche Botschaft. Die anderen Teilnehmer sind der Einsatzführer, ein Mediziner, ein Experte für Logistik und Transport sowie zwei Militärs, die die Operation vorbereiten sollen. Hinzu kommen zwei Verbindungsoffiziere, die im britischen Militärstab mitarbeiten sollen.

Sechs Schiffe der Deutschen Marine verlassen an diesem Mittwoch die Hafenstadt Wilhelmshaven zum Einsatz gegen den Terrorismus. Die Fregatten "Emden" und "Köln" sollen mit ihren Begleitschiffen am Horn von Afrika die Sicherheit der Seewege gewährleisten. Daneben sollen die Kampfschiffe die Nachschub- und Fluchtwege terroristischer Organisationen unterbrechen.

Der Verband besteht nach Angaben des Informationszentrums der Marine in Glücksburg aus zwei Fregatten, einem Versorger, einem Tankschiff und zwei Tendern. Zwei Tage später werden zusätzlich fünf Schnellboote für die Aktion "Enduring Freedom" auf ein Spezialschiff verladen.



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