Afghanistan-Mission der Bundeswehr "Heron"-Drohnen fliegen auch nach dem Kampfeinsatz

Für gut 30 Millionen Euro will die Bundeswehr auch 2015 Aufklärungsdrohnen für den Afghanistan-Einsatz mieten. Der Vertrag zeigt, dass sich die Truppe bereits auf eine Verlängerung der Ausbildungsmission einrichtet.

"Heron"-Drohne: Für Bundeswehr weiterhin in Afghanistan in der Luft
DPA/YAACOV SAR/ ISRAELI AIRCRAFT INDUSTRIES

"Heron"-Drohne: Für Bundeswehr weiterhin in Afghanistan in der Luft

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Berlin - Die Bundeswehr will auch nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes nicht auf unbemannte Drohnen zur Aufklärung der Lage rund um das Camp in Masar-i-Scharif in Nordafghanistan verzichten. Auch für 2015 will die Truppe deswegen für rund 30 Millionen Euro drei Aufklärungsdrohnen vom Typ "Heron" leasen. Eine entsprechende Vorlage versandte das Verteidigungsministerium an den Haushaltsausschuss des Bundestags.

In dem Schreiben argumentiert die Bundeswehr, dass die Drohnen für den "Schutz der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr" und der internationalen Helfer "unerlässlich" sei. Geplant sei deswegen, den auslaufenden Leasing-Vertrag um mindestens ein Jahr zu verlängern, so die Vorlage.

Die "Heron"-Drohne, die in Israel entwickelt wurde und im Fall der Bundeswehr von der Firma Cassidian betrieben wird, ist schon lange für die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz. Mit der Drohne, die mit hochauflösenden Kameras und Satellitenantennen ausgestattet ist, überwacht die Bundeswehr seit 2010 die Lage rund um ihre Camps, begleitete zu Zeiten des Isaf-Einsatzes Patrouillen und bereitete Operationen vor.

Bundeswehr plant längeren Einsatz

Obwohl der Kampfeinsatz der Nato-Schutztruppe Isaf beendet ist und selbst die Amerikaner ihre Hubschrauber aus Masar-i-Scharif abgezogen haben, ist die "Heron" geblieben. Bis heute starten die grauen Drohnen, die in etwa die Größe eines Kleinflugzeugs haben, jeden Tag und scannen rund um das Camp Marmal, wo noch rund 600 deutsche Soldaten stationiert sind und die afghanische Armee trainieren und beraten sollen, das Umfeld des Lagers.

Interessant sind die Details der Vorlage für den Ausschuss: Mit dem Vertrag richtet sich die Bundeswehr bereits jetzt darauf ein, dass der Einsatz in Nordafghanistan vermutlich länger als geplant dauern wird. Ursprünglich sahen die Pläne für die Trainingsmission "Resolute Support" vor, dass die Bundeswehr Ende 2015 das Lager in Masar-i-Scharif schließt, dann mit einer kleinen Gruppe von Beratern für das afghanische Verteidigungsministerium nach Kabul geht und Afghanistan Ende 2016 ganz verlässt.

Seit einigen Wochen aber wird innerhalb der Nato und in Washington diskutiert, ob die kurze Zeit für die Unterstützung der Afghanen ausreicht. Viele Militärs glauben, dass die lokalen Streitkräfte noch nicht schlagkräftig genug sind, um alleine bestehen zu können. Zudem bittet Kabul um weitere Beratung. Deswegen wird bereits konkret überlegt, ob die regionalen Camps der internationalen Trainer wie in Masar-i-Scharif nicht doch länger gehalten werden müssen.

Merkel hält längere Ausbildungsmission für möglich und richtig

Bundeskanzlerin Merkel hat bereits zweimal recht unmissverständlich erklärt, dass sie eine längere Ausbildungsmission für möglich und richtig hält. Die USA, die bis heute die meisten der rund 10.000 ausländischen Ausbilder in Afghanistan stellen, werden vermutlich nach einem Besuch des afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani über ihren Afghanistan-Zeitplan entscheiden. Die Nato berät spätestens im Juni über eine Extrarunde am Hindukusch.

Der neue Drohnen-Vertrag sieht eine solche Verlängerung schon voraus. So handelte die Bundeswehr mit Cassidian bereits optional aus, dass die "Heron"-Drohnen auch 2016 in Nordafghanistan bleiben könnten. Eine entsprechende Entscheidung, so die Vorlage für den Ausschuss, hänge allerdings von einem neuen Bundestagsmandat für die Mission ab.

Einen unangenehmen Beigeschmack hat der Drohnen-Vertrag allerdings. Da die Bundeswehr beim ersten Leasing der "Herons" nicht richtig prüfte, ob das Geschäft umsatzsteuerpflichtig ist, kommt nun möglicherweise eine Nachzahlung von bis zu 27,5 Millionen Euro auf die Truppe zu.

Grünen-Haushälter Tobias Lindner kritisierte wegen des Risikos die Planer im Ministerium. "Ministerin von der Leyen redet viel von Risikomanagement, gleich bei einem der ersten Verträge aber verfährt sie ähnlich wie ihre Vorgänger", sagte der Abgeordnete SPIEGEL ONLINE.

Wann die Bundeswehr selbst Überwachungsdrohnen oder gar bewaffnete Modelle ankaufen wird, ist weiter unklar. Die Verteidigungsministerin hat die Entscheidung bisher wortreich vertagt, zumindest ein mögliches Modell soll aber dieses Jahr ausgewählt werden. Insidern zufolge sieht es derzeit so aus, als ob sich die Bundeswehr für ein fortentwickeltes Modell der "Heron" entscheidet und parallel endlich die Entwicklung einer europäischen Drohne voranbringen will.



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