Bundeswehr-Mission Neuer Helikopter-Unfall in Mali

Nach dem tödlichen Absturz eines Helikopters im Juli ist die Bundeswehr nur knapp an einer neuen Katastrophe vorbeigeschrammt. Bei einem Transporthelikopter fiel das Triebwerk aus, die Maschine musste notlanden.

"Tiger"-Kampfhubschrauber in Mali (Archivaufnahme)
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"Tiger"-Kampfhubschrauber in Mali (Archivaufnahme)

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Zwei Monate nach dem tödlichen Crash eines "Tiger"-Kampfhubschraubers in Mali hat sich dort kürzlich beinahe erneut ein schwerwiegender Unfall mit einem Helikopter der Bundeswehr ereignet. Bei einem Testflug fiel vor anderthalb Wochen eines der Triebwerke eines NH90-Mehrzweckhubschraubers kurz nach dem Abheben komplett aus, die Besatzung konnte sich aber durch eine Notlandung unversehrt in Sicherheit bringen. Über den Vorfall berichtete am Donnerstagabend zuerst die Tageszeitung "Die Welt".

Die Bundeswehr verschwieg über Tage den massiven technischen Defekt, der nach Ansicht von Experten zu einer neuen Katastrophe führen konnte. Trotz detaillierter Anfragen des SPIEGEL behauptete ein Sprecher des zuständigen Einsatzführungskommandos in Potsdam am vergangenen Wochenende, dass es an dem Tag in Mali keine technischen Probleme gab.

Erst Anfang dieser Woche dann lieferte das Luftfahrtamt der Bundeswehr, das den Unfall untersucht, auf erneute Nachfragen einige Details zu dem Vorfall in Westafrika. Demnach stagnierte das Triebwerk des Bundeswehrhubschraubers kurz nach dem Start zu einem Testflug komplett, damit setzten auch die Rotoren des Fliegers aus. Da die Maschine kurz nach dem Start nicht sehr hoch flog, konnten die Piloten noch unbeschadet landen.

Sorgenkind am Himmel

Was die Stagnation, also das komplette Aussetzen eines Triebwerks auslöste, ist derzeit noch nicht klar. Das Triebwerk war ganz neu, gerade erst aus Deutschland angeliefert und in den betroffenen NH90 eingebaut worden war. Augenzeugen berichteten nach dem Vorfall, dass herumfliegende Teile aus dem Triebwerk auch die beiden Rotoren des Helikopters beschädigten.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte dem SPIEGEL jedoch nur "geringfügige, vorhersehbare Beschädigungen, die bereits vor Ort behoben werden konnten". Es sei bereits ein neues Triebwerk eingebaut, man rechne "zeitnah damit, den Hubschrauber wieder in Betrieb zu nehmen".

Der NH90 gilt schon länger als Sorgenkind. Im Frühjahr 2015 warnte die Flugbehörde Easa, ein Defekt könne in "heißen, sandigen Gegenden" zur Stagnation des Triebwerks und dann zu gefährlichen Notlandungen führen. Im Mai hatte es einen solchen Vorfall in Mali bereits gegeben, damals rettete eine Notlandung den Piloten das Leben.

Angeblich keine "Hinweise auf systemischen Fehler"

Laut der Auskunft des Luftfahrtamts haben die laufenden Untersuchungen bisher keine Hinweise auf die Ursache des Beinahe-Crashs geliefert. Nicht auszuschließen sei ein Transportschaden an dem Triebwerk, das rund anderthalb Millionen Euro kostet. Wäre dies der Fall, will die Bundeswehr Schadenersatz einfordern.

Konsequenzen für den Flugbetrieb in Mali will die Bundeswehr bisher nicht ziehen. Laut dem Luftfahrtamt liegen derzeit keine "Hinweise auf einen systemischen Fehler" vor, die Einsatzbereitschaft der NH90-Flotte sei nicht gefährdet.

Ende Juli war ein deutscher "Tiger"-Helikopter in Mali abgestürzt, beide Piloten kamen bei dem Crash ums Leben. Bis heute ist die Ursache des Absturzes nicht vollständig aufgeklärt. Die Bundeswehr hat für die Zeit der Recherchen ein Flugverbot für alle "Tiger" in Mali angeordnet, sie dürfen derzeit nur in akuten Notfällen aufsteigen.



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