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Erste Bundeswehr-Veteranen-Studie: Was macht der Krieg mit den Soldaten?

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Bundeswehrsoldaten im Feldlager Kunduz (Archivbild 2013): Wie wirkt sich das Kriegserlebnis auf Soldaten aus? Zur Großansicht
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Bundeswehrsoldaten im Feldlager Kunduz (Archivbild 2013): Wie wirkt sich das Kriegserlebnis auf Soldaten aus?

Wie wirkt sich der Kriegseinsatz von Soldaten auf ihr weiteres Leben aus? 13 Jahre nach Beginn der ersten Afghanistan-Einsätze legt die Bundeswehr nun eine erste Veteranenstudie vor.

Kriegsveteran ist ein Wort, dass die meisten Deutschen nicht mit der Gegenwart verbinden. Dabei gibt es Zehntausende davon, und viele sind jung: Bundeswehrsoldaten, die in den letzten Jahrzehnten an Auslandseinsätzen in Kriegs- und Krisenregionen teilnahmen.

In Staaten mit ausgeprägter Berufssoldatenkultur wie den USA oder Großbritannien sind Veteranen ein präsentes, kontrovers diskutiertes und auch wissenschaftlich begleitetes Thema. In Deutschland sah das bisher anders aus. Bisher gab es nur anekdotische Erkenntnisse darüber, wie sich der Krieg auf die Bundeswehrsoldaten ausgewirkt hat: Ob er sie traumatisierte, ihre Wertvorstellungen veränderte, ihre Beziehungen stärkte oder schädigte, ihr Leben auch nach der Rückkehr beeinflusste - im positiven oder negativen Sinn.

Um all das herauszufinden, gab die Bundeswehr erstmals eine Langzeitstudie in Auftrag, die das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr nun öffentlich machte. Die auf der Begleitung und fortlaufenden Befragung von 4000 in Afghanistan stationierten Soldaten des 22. Isaf-Kontingents beruhende Studie versucht, neben den unmittelbaren auch die mittelfristigen Effekte eines solchen Auslandseinsatzes zu erfassen.

Erfahrungen lassen sich nicht einfach abhaken

Was dabei herauskam, widerspricht vielen Erwartungen. Im Bericht heißt es dazu: "Die Soldatinnen und Soldaten kommen zwei Jahre später mit den Beanspruchungen des Einsatzes überwiegend gut zurecht. Das gilt jedoch nicht für alle. Die Erfahrungen des Einsatzes, zumal die Erlebnisse mit direkter und indirekter Gewalt, lassen sich nicht einfach 'abhaken', sie prägen vielmehr."

Allerdings längst nicht so oft in negativer Hinsicht, wie man vielleicht erwarten würde. So behaupten 68 Prozent der befragten Soldaten, der Einsatz habe sie "selbstbewusster" gemacht - die Zahl entspricht auch dem Prozentsatz der Soldaten, die sich trotz teils schlimmer Erlebnisse wieder freiwilllig für so einen Einsatz melden würden.

Was nicht bedeutet, dass die Kriegserlebnisse die Soldaten nicht veränderten: "Persönliche Veränderungen stellen für die Soldatinnen und Soldaten des Kontingents zwei Jahre nach der Rückkehr aus dem Einsatz nicht die Ausnahme, sondern die Regel dar", heißt es dazu im Bericht. Erheblich traumatisiert zeigt sich aber nur eine Minderzahl der Betroffenen.

Überraschend viele positive Effekte

Dass 56 Prozent nach dem Einsatz den Wert ihres eigenen Lebens höher schätzen würden, kann man so oder so verstehen. Eindeutiger ist, dass sich 41 Prozent nach dem Einsatz "psychisch stärker belastbar" fühlten. 65 Prozent der Soldaten, deren letzte Befragung zwei Jahre nach Ende ihres Auslandseinsatzes stattfand, gelang die Rückkehr ins "normale" Leben nach eigener Aussage ohne Probleme.

Ein Indikator dafür, wie weit das wahr ist, ist die Erfassung der Partnerschaften der Soldaten. Für das Gros brachte der Auslandseinsatz demnach keine Veränderung. Ansonsten halten sich positive (22 Prozent) und negative (25 Prozent) etwa die Waage. Abseits dieser Selbstaussagen erfasste die Studie aber auch Messbares: Trennungen und Scheidungen, aber auch Hochzeiten.

Und da zeigen sich statistisch relevante Unterschiede zur Durchschnittsbevölkerung: Soldatenpartnerschaften scheinen nach Auslandseinsätzen stabiler zu sein als die des statistischen Durchschnitts, auch die Verheiratetenquote liegt höher. 39 Prozent der Befragten sind sich darüber bewusst. Sie meinen, der Auslandseinsatz habe ihre Partnerschaft gestärkt.

Da, wo Partnerschaften scheitern, geschieht das allerdings meist ebenfalls wegen der Auslandseinsätze - vor allem die langen Abwesenheiten wirken sich auf manche Beziehungen nicht gut aus: 36 Prozent der beendeten Partnerschaften scheiterten daran. Psychische Probleme, die aufgrund der Kriegseinsätze bei den Soldaten (13 Prozent) oder ihren Partnern (9 Prozent) auftraten, gehören zu den anderen, direkt mit dem Einsatz verbundenen Gründen.

Stabilisierend wirken die Auslandseinsätze dagegen offenbar auf familiäre Gefüge, gerade wenn Kinder dazugehören. 73 Prozent der Befragten sagten aus, dass sie auf familiäre Belange nach dem Einsatz mehr Wert legten als vorher.

Soldaten, die Gefechte erlebten, verstummen häufig

Das alles heißt jedoch nicht, dass die Auslandseinsätze keine oder nur wenige negativen Effekte hätten.

So sagen 44 Prozent der Soldaten, die in Gefechtshandlungen involviert wurden, dass sie mit ihren Partnern und Familien darüber nicht sprechen können oder wollen, um diese nicht zu belasten. 42 Prozent sagen, dass sie über ihre Erfahrungen nur mit Kameraden sprechen könnten. Und immerhin 26 Prozent verstummen komplett, wenn es um ihre traumatischen Kriegserlebnisse geht.

Bei den Soldaten, die keine direkten Gefechtserlebnisse machten, sind diese Effekte weit schwächer ausgeprägt. Nur 32 Prozent von ihnen schweigen gegenüber engen Bezugspersonen über ihre Erlebnisse. Nur 25 Prozent reden nur mit Kameraden, nur 13 Prozent sprechen mit niemandem.

Dass sie so einiges zu verarbeiten haben, zeigen auch die Zahlen darüber, wie Soldaten die Hilfe empfanden, in den Alltag zurückzufinden. An erster Stelle stehen da Familie und Freunde sowie die Kameraden. Auffällig unzufrieden sind die Soldaten dagegen mit der Hilfestellung durch Vorgesetzte und militärische Institutionen.

Und wie nicht anders zu erwarten, produzieren auch die Auslandseinsätze der Bundeswehr einen verhältnismäßig kleinen, aber signifikanten Prozentsatz von Betroffenen, für die sich das Kriegserlebnis in erheblicher Weise negativ ausgewirkt hat. So erkennen 15 Prozent der Soldaten, dass der Kriegseinsatz sie aggressiver gemacht hat.

Jeder Zehnte schildert, dass er oder sie sich vom bisherigen Umfeld entfremdet fühlt - sechs Prozent der Soldaten finden sogar nur noch unter Kameraden Freundschaften. Immerhin vier Prozent der Befragten klagen, sie fühlten sich seit dem Einsatz "fremd im eigenen Leben".

Nach derzeitigen Plänen wird die Bundeswehrpräsenz in Afghanistan über die nächsten zwei Jahre sukzessive zurückgefahren. Bis Ende 2016 soll die Bundeswehr sich dann aus Afghanistan zurückgezogen haben.

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insgesamt 62 Beiträge
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1. krank an der Seele
pförtner 10.08.2014
Der Jahrgang 1941, braucht keine Veteranen -Studie.Er hat das Morden und das Verstümmeln von Menschen selbst erlebt. Die Bundeswehrsoldaten kommen an der Seele krank nach Haus zurück. Die Ehefrauen werden die Erstensein und merken wie sich der Mann verändert hat.
2.
kdshp 10.08.2014
Zitat von sysopDPAWie wirkt sich der Kriegseinsatz von Soldaten auf ihr weiteres Leben aus? 13 Jahre nach Beginn der ersten Afghanistan-Einsätze legt die Bundeswehr nun eine erste Veteranenstudie vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/bundeswehr-studie-dokumentiert-auswirkungen-auf-afghanistan-veteranen-a-985364.html
List sich doch gut! Bei anderen berufsgruppen wie polizisten oder sanitätern vor ort von unfällen usw. ist es sicher ähnlich "gut" und das manche nicht mit klar kommen ist ja in einigen berufen so.
3. Deutschland ist total traumatisiert
zufriedener_single 10.08.2014
Durch WW2 wurden ganze Generationen in Deutschland geprägt. Viele Verhaltensmuster in Deutschland kommen einem seltsam schräg vor, wenn man längere Zeit woanders war.
4. Auch das scheint sich zu wiederholen.
opinio... 10.08.2014
Die Veteranen der vorangegangenen Kriege haben ähnliches erlebt mit dem Unterschied, dass WW I und WWII Teilnehmer als Verlierer in die Zerstörte oder wenigstens stark veränderte Heimat zurück kamen.
5.
kdshp 10.08.2014
Zitat von zufriedener_singleDurch WW2 wurden ganze Generationen in Deutschland geprägt. Viele Verhaltensmuster in Deutschland kommen einem seltsam schräg vor, wenn man längere Zeit woanders war.
Was auch ganz normal ist! Mein vater war im ww2 ein kind und hat dinge erzählt wo die man sich so nicht wirklich vorstellen kann. So hat er von leichen auf der straße erzählt die mit dem teer verschmolzen waren. Oder so hat mein vater in einer bombennacht seinen opa, oma und tante samt kinder verloren und auch tod gesehen. Und ganz schlimm war ihm in erinnerungt der geruch geblieben der von den toten in den trümmern kam.
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Ausrüstung der Bundeswehr
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Panzer
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Zehn der vor mehr als 30 Jahren eingeführten Schützenpanzer "Marder" stehen der Bundeswehr in Afghanistan zur Verfügung. Für die deutsch-afghanische Militäroffensive im Juli 2009 wurden vier der Panzer von Masar-i-Scharif in die Krisenregion Kunduz verlegt und während der neuntägigen Offensive erstmals in einem Gefecht eingesetzt. Die 20-Millimeter-Bordkanone hat eine Reichweite bis höchstens 2000 Meter - Offiziere sehen hier Probleme beim Kampf gegen Taliban über größere Distanz. Der einst für norddeutsche Bedingungen konstruierte Panzer hat keine Klimaanlage.

dpa
Auch zwei Bergepanzer hat die Bundeswehr nach Afghanistan verlegt. Diese Fahrzeuge werden zum Bergen und Abschub von Material eingesetzt. Sie sind mit einem Kran und Winden ausgerüstet und dienen auch als Hebemittel bei der Instandsetzung. Zur weiteren Ausstattung dieser Panzer gehört zudem eine Schneid- und Schweißanlage.

REUTERS
Nicht in Afghanistan stationiert sind bisher schwere Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2", dem Standard-Kampfpanzer der Bundeswehr. Derzeit verfügt das Heer über 350 dieser Geräte. Gedacht ist der Panzer eigentlich, um in einem Krieg an vorderster Front feindliche Panzer zu vernichten. Die Kanone des "Leopard 2" hat eine Reichweite von mehr als vier Kilometern. Die Geschosse durchschlagen mehrere Dezimeter dicken Stahl und bringen beim Aufprall Metall zum Schmelzen. Das Fahrzeug hat einen 1500 PS starken Dieselmotor, fährt bis zu 70 km/h schnell und kann bis zu vier Meter tiefe Gewässer durchqueren.
Panzerhaubitzen
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Angesichts der angespannten Sicherheitslage wurden insgesamt drei Panzerhaubitzen 2000 in Afghanistan stationiert. Eine davon wurde ins deutsche Feldlager im nordafghanischen Kunduz verlegt.

Es ist das schwerste Geschütz, das die Bundeswehr je in einen Einsatz geschickt hat. Die Panzerhaubitze 2000 ist elf Meter lang und hat ein Gefechtsgewicht von 56 Tonnen. Die 155-Millimeter-Kanone kann 40 Kilometer weit schießen und selbst auf diese Entfernung auf 30 Meter genau treffen.

Mörser
Erstmals setzte die Bundeswehr im Jahr 2009 Mörser mit scharfer Munition ein. Der 120-Millimeter-Mörser "Tampella" stand schon länger zur Verfügung. Doch Deutschland wollte die dazugehörigen Granaten nicht verwenden, um den Tod von Zivilisten und eigenen Soldaten von vornherein auszuschließen. Bislang setzte die Bundeswehr auf Abschreckung durch Leuchtmunition.
Gewehre
Die Bundeswehr verwendet das Sturmgewehr G36, die Standard-Infanteriewaffe der Bundeswehr.
Transportfahrzeuge
DPA
Die Bundeswehr hat 970 zum Teil stark geschützte Fahrzeuge in Afghanistan, darunter 210 vom Typ "Dingo". Ferner fahren die Soldaten mit dem "Fuchs"-Transportpanzer (100) und dem leicht gepanzerten Militärfahrzeug "Eagle". Auch Geländewagen vom Typ "Wolf" (400) sind dort sowie das Mehrzweckfahrzeug "Mungo". Beide Fahrzeuge bieten bei Anschlägen kaum Schutz. Der "Mungo" wurde aus dem Kleinlaster "Multicar" entwickelt, der in vielen deutschen Kommunen zur Reinigung von Gehwegen verwendet wird.
Hubschrauber
Getty Images
Die Bundeswehr hat in Afghanistan keine eigenen Kampfhubschrauber, die Patrouillen schützen oder in Kämpfe am Boden aus der Luft eingreifen könnten. Die sogenannte Luftnahunterstützung im Gefechtsfall kommt von Isaf-Verbündeten. Die bereits an Deutschland ausgelieferten Modelle des europäischen Kampfhubschraubers "Tiger" sind wegen technischer Probleme noch nicht einsatzbereit. Für Lufttransporte stehen acht Hubschrauber "Sikorsky CH-53" zur Verfügung.
Transportflugzeuge
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Am Hindukusch sind acht "Transall" stationiert, die in den sechziger Jahren eingeführt wurden und eigentlich 2010 vom A400M abgelöst werden sollten. Wegen Entwicklungsproblemen des Herstellers wird der A400M nun aber erst Jahre später bereitstehen.
Aufklärungsflugzeuge
ddp
Recce-Tornados waren von April 2007 bis Ende November 2010 im Einsatz. Die sechs Flugzeuge waren in Masar-i-Scharif stationiert. Sie haben zwei Bordkanonen, die während des Einsatzes in Afghanistan ausschließlich dem Selbstschutz dienten. Einziger Auftrag der Tornados war wie bei den Nato-Awacs-Maschinen die Aufklärung. Die Awacs-Flugzeuge sind unbewaffnet und können nach Bundeswehrangaben im Gegensatz zu den Tornados keine Ziele am Boden ausmachen. Die Awacs-Besatzungen sollen durch Koordinierung für Sicherheit in der Luft sorgen, weil der zivile Flugverkehr massiv angestiegen ist und Kollisionen mit den Militärmaschinen der internationalen Truppen verhindert werden sollen. Die Taliban haben keine Flugzeuge oder Hubschrauber.

Die Positionen der Parteien zum Afghanistan-Einsatz
CDU/CSU: Abzugsdatum offenlassen
REUTERS
Für die Union ist klar, dass der Einsatz der Bundeswehr fortgeführt werden soll. "Dieses Mandat ist über jeden vernünftigen völkerrechtlichen oder verfassungsrechtlichen Zweifel erhaben", erklärte CDU-Chefin Angela Merkel. Forderungen nach einem sofortigen Rückzug aus Afghanistan nannte sie "unverantwortlich".

Sie warnte vor "unabsehbaren" Folgen für die Sicherheit der Deutschen und ihrer Verbündeten; Folgen, die "weit verheerender wären" als jene der Anschläge vom 11. September 2001. Zudem würde Afghanistan "in Chaos und Anarchie versinken".

Mit Blick auf den deutschen Einsatz betont die Union, es könne "keinen zivilen Aufbau ohne eine militärische Absicherung geben". Die Union will den Afghanistan-Einsatz zeitlich nicht konkret begrenzen. "Die internationale Gemeinschaft wird ihre militärische Präsenz so lange aufrechterhalten, wie es nötig ist, nicht länger, aber auch nicht kürzer", erklärte Merkel. Es müsse mit der afghanischen Regierung eine "Übergabe in Verantwortung" geben.

SPD: Klare Abzugsperspektive
AP
Auch die SPD fordert, Afghanistan dürfe nicht wieder zum Rückzugsraum für Terroristen werden. Ein Abbruch des Isaf-Einsatzes würde mit weit mehr Gefahren und Menschenleben bezahlt werden, als das im aktuellen Einsatz der Fall sei, erklärte Parteichef Sigmar Gabriel.

Allerdings fordert die SPD eine klare Abzugsperspektive für die Bundeswehr. "Nur so lange, wie wir selbst die Erreichbarkeit der Ziele für möglich halten, dürfen wir Soldaten in den Einsatz schicken", sagte Gabriel.

Als Ziele nennt die SPD Fortschritte bei der Bekämpfung der Taliban, beim Aufbau der Sicherheitskräfte und beim zivilen Aufbau. Der Einstieg in eine verantwortungsvolle Perspektive für den Abzug aus Afghanistan solle 2011 beginnen und im Zeitraum 2013 bis 2015 die Sicherheitslage in Afghanistan durch afghanische Kräfte sicherstellen anstatt durch internationale Truppen.

Um die Lage in Afghanistan zu beurteilen, brauche es eine unabhängige und wissenschaftlich gestützte Überprüfung des bisherigen Engagements, forderte Parteichef Gabriel. Zudem verlangt er eine internationale Debatte darüber, wie der innerafghanische Versöhnungsprozess vorangetrieben werden kann.

FDP: Mehr Tempo für Eigenverantwortung
picture-alliance/ dpa
Die FDP würdigt den deutschen Afghanistan-Einsatz. Deutschland stehe zu seiner Verantwortung, "zu Sicherheit, Wiederaufbau und Entwicklung des Landes beizutragen". Allerdings sei es noch nicht gelungen, in allen Bereichen den erhofften Fortschritt zu erzielen, räumen die Liberalen in einem Positionspapier ein. Die Verantwortung für den Wiederaufbau müsse auf die afghanische Regierung übertragen werden.

Der Fokus müsse sich auf zivilen Wiederaufbau und mehr Tempo bei der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte richten. Zudem sei eine bessere Koordinierung zwischen der afghanischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft nötig.

Ziel sei es, bis 2014 die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass mit einer schrittweisen Rückführung der militärischen Präsenz begonnen werden könne. "Wir sind uns dabei bewusst, dass die Präsenz unserer zivilen Wiederaufbauhelfer in Afghanistan wesentlich länger notwendig bleiben wird als die Präsenz der Bundeswehr", erklären die Liberalen.

Grüne: Strategiewechsel zu mehr zivilem Engagement
dpa
Die Grünen fordern für die Nato-Mission in Afghanistan "eine zivile Aufbauoffensive und eine realistische Abzugsperspektive". Dazu verlangt die Partei von der Bundesregierung konkrete zeitliche Angaben. "Im Mittelpunkt des ISAF-Einsatzes muss der Schutz der Menschenrechte stehen", heißt es in einem Papier der Bundestagsfraktion. Das internationale militärische Engagement in Afghanistan sei ohne Kurswechsel zum Scheitern verurteilt.

Einen Sofortabzug der Bundeswehr und aller internationalen Streitkräfte lehnen die Grünen ab. "Dies würde unweigerlich das Ende jeglicher Stabilisierungsbemühungen, aber auch humanitärer und Entwicklungsarbeit in Afghanistan bedeuten. Die Folge wäre ein neuer Bürgerkrieg und eine wahrscheinliche Rückkehr des Taliban-Regimes", begründet die Partei ihre Haltung.

Linke: Soldaten raus aus Afghanistan
dpa
Die Linke fordert, "die Bundeswehr sofort aus Afghanistan abzuziehen". "Auslandskriegseinsätze" - auch unter Uno-Mandat - lehnt sie kategorisch ab. Die Menschen in Afghanistan sollten selbst über Frieden verhandeln, meint die Linke. Ohne den Abzug der ausländischen Soldaten gebe es dafür keine Chance.

Der Nato wirft die Linke vor, ihre eigentliche Absicht beim Einsatz in Afghanistan sei es, "sich als globale Interventionsmacht zu zeigen". Ein militärischer Sieg im sogenannten Anti-Terror-Krieg sei unmöglich.


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