Bundeswehr-Rückzug: Afghanen übernehmen Verantwortung für Sicherheit in Kunduz

Die Bundeswehr hat die Verantwortung für die Sicherheit in der Provinz Kunduz an die Afghanen übergeben - und zeigt sich optimistisch, dass diese der schwierigen Aufgabe gewachsen sind. Dabei galt die Region lange als der gefährlichste Einsatzort deutscher Soldaten am Hindukusch.

Deutsche Soldaten und afghanische Polizisten in Kunduz: Verantwortung übergeben Zur Großansicht
AFP

Deutsche Soldaten und afghanische Polizisten in Kunduz: Verantwortung übergeben

Kunduz - Nirgendwo in Afghanistan hat die Bundeswehr mehr Gefallene zu beklagen als in der Provinz Kunduz. Doch mehr als acht Jahre nach Beginn des Einsatzes in Kunduz hat die Bundeswehr die Verantwortung für die Sicherheit in der Unruheregion am Mittwoch an die Afghanen übergeben.

"Wir sind auf Kurs, den Abzug der internationalen und der deutschen Kampftruppen bis Ende 2014 zu verwirklichen", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Die Übergabe der Verantwortung in Kunduz zeige "die Fortschritte unserer Afghanistan-Strategie". Neben Kunduz-Stadt wurden fünf der sechs Distrikte der Provinz an die Afghanen übergeben.

Ende 2003 begann der Einsatz der Bundeswehr in Kunduz. Seitdem wurden in der Provinz 15 deutsche Soldaten bei Anschlägen und Angriffen getötet - mehr als in jeder anderen Region Afghanistans. Zuletzt hatte sich die Lage dort allerdings stabilisiert.

Insgesamt kostete der Afghanistan-Einsatz 52 Soldaten der Bundeswehr das Leben, 34 davon starben bei Anschlägen und Angriffen. Seit mehr als einem Jahr hat die Bundeswehr am Hindukusch allerdings keinen Gefallenen zu beklagen. Im nordafghanischen Einsatzgebiet der Truppe kommt es aber immer wieder zu Angriffen, bei denen auch Deutsche verletzt werden.

"Die afghanischen Sicherheitskräfte sind jetzt in der Lage, eigenständig die Sicherheit in der Provinz Kunduz zu garantieren", sagte der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan, Bundeswehr-General Erich Pfeffer.

Die Sicherheitslage in der Gegend habe sich "deutlich zum Positiven" verändert, betonte der afghanische Innenminister Bismillah Khan Mohammadi bei der Übergabezeremonie am Rande von Kunduz-Stadt. Doch trotz der verbesserten Sicherheitslage würden die internationalen Truppen weiter zur Ausbildung und Ausrüstung der afghanischen Sicherheitskräfte benötigt.

Distrikt Khanabad wird erst in der nächsten Runde übergeben

Mohammadi machte keine Angaben dazu, warum der relativ ruhige Distrikt Khanabad bei der Übergabe diesmal ausgespart wurde. Er sagte, Khanabad werde in der nächsten und vierten Tranche von Regionen enthalten sein, in denen Afghanen die Verantwortung übernehmen.

Bis Ende 2014 sollen die afghanischen Sicherheitskräfte schrittweise im ganzen Land die Verantwortung von den internationalen Truppen übernehmen. Dann soll der Nato-Kampfeinsatz enden. Ausländische Soldaten sollen zur Ausbildung einheimischer Sicherheitskräfte und zum Kampf gegen Terroristen aber weiter in Afghanistan bleiben.

In der derzeit laufenden dritten Phase sollen Regionen aus allen 34 Provinzen übergeben werden. Zuvor waren 14 Provinzen noch nicht von dem Prozess erfasst gewesen, der vor einem Jahr begonnen hat.

Westerwelle sagte mit Blick auf 2014: "Wir lassen Afghanistan auch danach nicht allein." Bei internationalen Treffen wie auf der Afghanistan-Konferenz in Tokio am vergangenen Sonntag, sei die Grundlage für eine Entwicklung zu einem friedlichen und stabilen Afghanistan gelegt worden. Auf dem Weg dahin werde es Rückschläge geben. "Aber die Richtung stimmt."

mal/dpa/Reuters/

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1. Verlorene Jahre
hierro 11.07.2012
Zitat von sysopAFPDie Bundeswehr hat die Verantwortung für die Sicherheit in der Provinz Kunduz an die Afghanen übergeben - und zeigt sich optimistisch, dass diese der schwierigen Aufgabe gewachsen sind. Dabei galt die Region lange als der gefährlichste Einsatzort deutscher Soldaten am Hindukusch. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843877,00.html
Westerwelle irrt, wenn er meint, dass Deutschland die Afghanen auch nach dem Abzug der deutschen Soldaten nicht alleine lässt und die Richtung stimme. Es stimmte weder bisher die politische Richtung der Afghanen, noch die der deutschen Regierung für dieses Land. Der achtjährige Einsatz der Bundeswehr in Kunduz war teuer und es waren verlorene Jahre. Hier wurde mittel- und langfristig nichts erreicht. Auch Kunduz wird wieder in die frühere Talibangesellschaft zurückfallen und kein Beispiel für demokratische Rahmenbedingungen darstellen.
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