Bundeswehr und Drohnen "Der Finger Gottes"

Drohnen setzte die Bundeswehr in Afghanistan lange Zeit nur ein, um die Taliban zu beobachten. Doch seit deutsche Offiziere auch die tödliche Wirkung der unbemannten Kampfflieger erlebten, schwärmen sie euphorisch von der Waffengattung.

Bundeswehrsoldaten in Kunduz: Verlust der deutschen Unschuld
REUTERS

Bundeswehrsoldaten in Kunduz: Verlust der deutschen Unschuld

Aus Kunduz berichtet


Es war an einem Sommertag im Juni 2009, als die Bundeswehr in Afghanistan erstmals von den Drohnen der US-Armee im Kampfeinsatz Gebrauch machte. Einige Beobachter bezeichnen das Datum im Rückblick als den entscheidenden Schritt zum Verlust der deutschen Unschuld in Afghanistan. Raketen der berüchtigten Drohnen, abgefeuert auf deutschen Befehl: Es war wohl die Anpassung an die Realität im Krieg in Nordafghanistan.

Zuvor hatten die Deutschen US-Drohnen, die die Amerikaner über die Nato-Mission auch den Alliierten ausleihen, nur zur Beobachtung von Taliban-Bewegungen genutzt. Die tödlichen Hellfire-Raketen aber schossen die Deutschen nicht ab. Am 15. Juni jedoch drückte Oberst Georg Klein, der heute wegen des fatalen Bombardements am 4. September in der Kritik steht, zum ersten Mal auf den roten Knopf. Sekunden später explodierte eine am Straßenrand entdeckte Sprengfalle.

Seitdem ist die Nutzung der unbemannten Kampfgeräte für die Deutschen zur Routine geworden - vergleichbar der Anforderung von Luftnahunterstützung. Jede Nacht kann man rund um Kunduz das leise, aber gut hörbare Summen der Predators hören, oft sind sie allerdings auch für die immer aktiveren US-Einheiten in der Taliban-Hochburg im Einsatz. Zwar hat die Bundeswehr mittlerweile eigene unbewaffnete Drohnen. Doch mit den Hightech-Geräten aus den USA können sie nicht mithalten.

Nicht einmal einen Monat nach dem ersten Abschuss einer Hellfire-Rakete begannen die Deutschen auch, die Drohnen für den Kampf gegen die Taliban einzusetzen. Mitte Juli löschte eine der angeforderten Flieger eine Stellung der Taliban aus. Live sah sich Oberst Klein mit seinen Offizieren im Befehlsstand die Bilder der Präzisionsattacke an, 15 Kämpfer waren sofort tot. Euphorisch berichteten leitende Offiziere nach der Attacke auf die Taliban-Stellung vom "Finger Gottes".

Dieser erste tödliche Angriff sorgte in Deutschland unter den Verteidigungspolitikern für Aufsehen. Wie so oft unterrichtete die Bundeswehr nicht über den Vorfall, nur Kenner der vielen Internetseiten der US-Armee fanden die Unterstützungsleistung für die Deutschen in einem der täglich aktualisierten Logbücher. Dort wurde lediglich vermerkt, dass nach dem Angriff keine Gefahr mehr von der Stellung des Feindes ausging.

Seitdem benutzten die Deutschen die US-Drohnen eigentlich immer, wenn sie die Gelegenheit dazu bekamen. Allerdings sind die Fluggeräte sehr beliebt, und die US-Armee und ihre Spezialkräfte haben stets Vorrang, wenn sie Drohnen anfordern.

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Forum - Killerdrohnen - legitimes Mittel oder Mord?
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Zwietracht, 09.03.2010
1.
Leute, Leute - "Killerdrohnen", lasst ihr jetzt alle Nachwuchskräfte bei Springer ausbilden? Drohnen sind militärische Waffen. Die Legitimität ihres Einsatzes ist nach internationalem Recht geregelt. "Sind Drohnen ein effektives Mittel gegen Terroristen oder staatlicher Mord?" Und, nicht oder.
BeckerC1972, 09.03.2010
2.
Zitat von sysopFast täglich töten CIA-Drohnen in Pakistan Terroristen - und Zivilisten. Die unbemannten Flugzeuge avancieren zur Waffe Nummer eins im Kampf gegen al-Qaida und Co. Doch die politischen, militärischen und moralischen Folgen sind unabsehbar. Sind Drohnen ein effektives Mittel gegen Terroristen oder staatlicher Mord?
Ist das Erschießen von Gegner ein Mittel gegen Terroristen oder staatlicher Mord? Ist es nicht völlig egal, ob nun Drohnen oder Scharfschützen schießen?
derweltbuerger 09.03.2010
3.
Danke für die Artikel zum Thema! Manchmal zeigt der Spiegel, dass er doch noch was drauf hat. Absolut erschreckend was dort vor sich geht und wieder einmal zeigt sich wo die wahren Terroristen sitzen. Die Machteliten sind dem ihrer Ansicht nach perfekten Krieg sehr nahe. Perfekt deshalb, weil die eigenen Soldaten kaum mehr zu Schaden kommen, das Töten im Hintergrund geschieht, das Ganze extrem preisgünstig ist und die Opfer sich nicht wehren können. Nun spielen also ein paar Soldaten irgendwo in den USA jeden Tag ein paar Stunden "Computerspiel". Virtuelles und reales Töten verschmelzen. Dafür hat man ja massenhaft Kinder mit den entsprechenden Spielen schon vor Jahren zur Genüge ausgebildet. Auch ich fand solche Computerspiele mal toll, nun sehe ich, an was für Situationen man damit schon früh gewöhnt wurde. Die USA sind die größte Bedrohung für den Frieden in dieser Welt. Es ist an der Zeit aufzubegehren! Vergessen wir die Propagandamärchen!
anathema 09.03.2010
4. Passt doch ... ins Bild!
Zitat von sysopFast täglich töten CIA-Drohnen in Pakistan Terroristen - und Zivilisten. Die unbemannten Flugzeuge avancieren zur Waffe Nummer eins im Kampf gegen al-Qaida und Co. Doch die politischen, militärischen und moralischen Folgen sind unabsehbar. Sind Drohnen ein effektives Mittel gegen Terroristen oder staatlicher Mord?
Genau und objektiv betrachtet sind dies weniger „Waffen“ als raffiniert konstruierte, undifferenziert wirkende „Menschenvernichtungsmaschinen“ und rangieren Ihrer Frage gemäß eher als feiger „staatlicher Mord“. „ ... die politischen, militärischen und moralischen Folgen sind unabsehbar.“ (sysop) All dies macht aber bei einer angeblichen „rechtsstaatlichen Demokratie“, die Angriffskriege, Menschenentführungen, Foltergefängnisse, subversive Regierungsumstürze planende und durchführende CIA-Aktionen etc. auf der alltäglichen Agenda hat, keinen allzu großen Unterschied mehr, sondern passt meiner Meinung nach haargenau in das bekannte Bild!
Stefanie Bach, 09.03.2010
5.
Zitat von sysopFast täglich töten CIA-Drohnen in Pakistan Terroristen - und Zivilisten. Die unbemannten Flugzeuge avancieren zur Waffe Nummer eins im Kampf gegen al-Qaida und Co. Doch die politischen, militärischen und moralischen Folgen sind unabsehbar. Sind Drohnen ein effektives Mittel gegen Terroristen oder staatlicher Mord?
Die USA betrachten ihr Vorgehen gegen Terroristen als Akte der Kriegsführung, "the war on terror" ist wörtlich zu verstehen, der Einsatz von Drohnen wird folglich als gebotenes und legitimes Mittel betrachtet. In der deutschen Öffentlichkeit ist der Charakter des Einsatzes gegen Terroristen bis heute ungeklärt geblieben. Selbst Kriegseinsätze wie in Afghanistan wurden und werden sprachlich vertuscht. Vor dem Hintergrund dieser Unwahrheiten kann ein demokratischer Konsens über das berechtigte und gebotene Vorgehen nicht entstehen. Der Zusammenhang von Sprache, Bildung und Erziehung (http://www.plantor.de/2009/der-zusammenhang-von-sprache-bildung-und-erziehung/)
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