Afrika-Mission in Mali Vereinte Nationen verschmähen alte Bundeswehrflieger

Verteidigungsministerin von der Leyen spricht gern über Bundeswehreinsätze unter dem Dach der Uno - jetzt aber haben die Vereinten Nationen in einem Fall deutsche Hilfe abgelehnt. Der Grund: Die deutschen Flugzeuge sind zu alt und nur bedingt einsatzbereit.

Die gute, alte Transall: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan marschieren zu einer dieser Transportmaschinen
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Die gute, alte Transall: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan marschieren zu einer dieser Transportmaschinen

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Washington - Deutschland werde sich mehr engagieren bei Friedensmissionen der Weltgemeinschaft, hat Ursula von der Leyen (CDU) in den vergangenen Tagen auf USA-Besuch propagiert. Prompt muss die Befehlshaberin nun ausgerechnet bei einer Afrika-Mission der Bundeswehr für die Vereinten Nationen (Uno) eine empfindliche Schlappe einstecken.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE will die Führung der Uno-Friedenstruppe Minusma, die für Stabilität im Krisenherd Mali sorgen soll, die beiden von Deutschland für die Mission gestellten Flugzeuge vom Typ Transall nicht mehr benutzen, da diese bei großer Hitze oft am Boden bleiben müssen und nachts gar nicht fliegen können.

Statt der Transall, einem Propellerflugzeug, das für die Bundeswehr schon seit den Sechzigerjahren im Einsatz ist, will die Uno lieber modernere Mietmaschinen für den Transport von Truppen und Material nutzen.

Die Bundeswehr wurde von der Entscheidung ziemlich überrascht, die ihr das Uno-Sekretariat erst vor wenigen Tagen mitteilte. Auf einmal sind die Deutschen nur noch marginal an der Mali-Friedensmission beteiligt. Schon Ende Juni sollen die deutschen Flugzeuge vom Typ C-160 aus Dakar im Senegal in die Heimat zurückkehren. Danach werden nur noch einige Stabssoldaten die Uno-Mission unterstützen.

Die Uno lehnt dankend ab

Der Entscheidung, die beiden deutschen Flugzeuge nicht mehr benutzen zu wollen, waren viele Probleme mit den altersschwachen Transalls vorausgegangen. Zwar gilt der Flieger, auf den die Bundeswehr in Afghanistan angewiesen ist, als verlässlich und kann auch im Gelände ohne Betonpiste landen. Allerdings flogen die deutschen Transportmaschinen vor gut einem Jahr zum Start der Mission mit vielen strengen Bedingungen nach Afrika.

Wegen dieser "caveats", wie Militärs Einschränkungen für den Einsatz von Material und Soldaten nennen, mussten die Deutschen erst im Mai dieses Jahres die Rettung von verletzten afrikanischen Soldaten aus dem umkämpften Kidal ablehnen, da es langsam dunkel wurde. Ähnliche Nicht-Einsätze gab es auch vorher schon, ausgelastet waren die Flieger eigentlich nie. Bereits mehrmals hatte sich die Führung der Uno-Truppe in Berlin beschwert. Andere Flugzeuge aber konnten die Deutschen schlicht nicht anbieten.

Das trockene "Danke, aber nein danke" der Uno zeigt, wie weit Anspruch und Wirklichkeit im Von-der-Leyen-Ministerium auseinanderklaffen: Einerseits ist da die Politikerin mit Strahlkraft und Ambition, die auf ihrer Vier-Tages-Tour durch die USA nicht müde wird, mehr deutsche Beteiligung an internationalen Missionen zu verkünden, andererseits die schnöde Ausrüstungsrealität bei der Bundeswehr.

So sprach die CDU-Politikerin nach einem Gespräch mit dem stellvertretenen Uno-Generalsekretär Jan Eliasson in New York davon, Deutschland könne der Uno "technologische Fähigkeiten" wie eben den Lufttransport anbieten. "Wir haben Schlüsselkapazitäten und Fähigkeiten, die andere Nationen so nicht haben", sagte von der Leyen. Sie träumte gar, in Zukunft einmal die Führung einer großen Friedensmission der Uno zu übernehmen.

Die Flugzeuge der Luftwaffe sind älter als die Generäle

Tatsächlich aber verfügt gerade die Luftwaffe seit Jahren über eine fliegende Flotte, die älter ist als die ranghöchsten Generäle. Da die Auslieferung des schon vor Jahren bestellten Militärtransporter A400M sich immer weiter verzögerte und es bei dem Entwicklungsprojekt noch massive technische Probleme gibt, muss die Bundeswehr weiter mit den Transalls aus den Sechzigern auskommen.

Zwar will die Truppe die beiden Maschinen nun in Deutschland für die Uno weiter bereithalten. Mit einem erneuten Einsatz für Minusma aber rechnet in den Führungsstäben der Luftwaffe eigentlich niemand mehr. Im Ministerium wird der Vorfall hinter vorgehaltener Hand als "peinlich" beschrieben, man habe sich auf internationalem Parkett "lächerlich gemacht".

Die Transalls mögen ein krasser Einzelfall der Bundeswehr sein, was ihr Alter und die Grenzen ihrer Technik angehen. Doch die vielen Limits und Sperrklauseln gelten auch für viele andere Bereiche der Truppe, vor allem bei den spezialisierten Einheiten.

Vor weiteren Ankündigungen wie denen in New York und Washington sollte die Führungsebene im Bendlerblock vielleicht erst mal eine Bestandsaufnahme im eigenen Haus anleiern, was man eigentlich wirklich für neue Missionen der Bundeswehr für die Uno anbieten kann, um eine erneute Schlappe wie die bei der Mission Minusma zu vermeiden.



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cyberjones12 21.06.2014
1. Pfffff.... hohooho kringel...
German free ist inzwischen in der Militärzulieferbranche ein Qualitätszeichen. D.h. ohne die komplexen bürokratischen Restriktionen der deutschen Regierung liefern zu können, das ist schon was. So wohl auch bei Friedensmissionen. Nun, vielleicht sollten wir unseren Kurs durchhalten, dann kommen wir um verschiedene heikle Themen herum. Zumindest in dieser Hinsicht waren wir "Erfolgreich auf der ganzen Linie".
Eutighofer 21.06.2014
2. 225 Kampfpanzer für die Armee eines 80 Millionen Volks ?
Bei der Bundeswehr sieht es überall mau aus. Einst hatte die Bundeswehr über 3000 Kampfpanzer, jetzt in der Zielstruktur 225. Verteidigen könnte sich Deutschland nicht. Ach ja, Russland hat ca. 6.500 aktive Kampfpanzer, dazu ca. 10.000 in Reserve.
ecbert 21.06.2014
3. Wenn mit nicht investiert hat man irgendwann nur noch Schrott...
Anfang der 80er Jahre hatten wir einen Verteidigungsetat von ca. 40 Mrd. DM und einen Sozialetat von ca. 40 Mrd. DM. Heute haben wir trotz deutlich gestiegener Aufgaben des Militärs einen Verteidigungsetat von 35 Mrd. € und eine Sozialetat von min. 200 Mrd. €. Wenn man den heutige Ausrüstungszustand der Bundeswehr mit dem von vor 30 Jahren vergleicht kommt man zu genau dem Ergebnis wie in dem Bericht angedeutet. Wenn unsere Flintenuschi also mehr Kampfeinsätze will wird sie wohl auch deutlich mehr investieren müssen. Aber wer will das außer ihr und Gauck schon ?
sappelkopp 21.06.2014
4. Recht hat die UNO...
Zitat von sysopDPAVerteidigungsministerin von der Leyen spricht gern über Bundeswehr-Einsätze unter dem Dach der Uno - jetzt aber haben die Vereinten Nationen in einem Fall deutsche Hilfe abgelehnt. Der Grund: Die deutschen Flugzeuge sind zu alt und nur bedingt einsatzbereit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/bundeswehr-uno-lehnt-transall-fuer-mali-ab-a-976563.html
...wenn da Zuverlässigkeit gefragt ist, ist die Transall bei diesen Bedingungen nur zweite Wähl. Peinlich ist das für Deutschland, das ja im Inland gern auf dicke Hose macht, aber nichts zu bieten hat. Eines geht nur, Menschen retten oder Banken retten. Deutschland hat sich längst entschieden.
Sgt. Sykes "Psycho" 21.06.2014
5. Die sollen sich bei Airbus beschweren...
...wenn die, wie gesagt, mit dem A400M nicht in die Gänge kommen und jetzt, wo man schon so lange dran ist, kann ich verstehen, dass man sich als Übergangslösung nicht bspw. ein paar C-17 Globemaster III bestellt - die kosten nur wieder unnötig Geld - könnten allerdings wiederum auch mehr transportieren als ein A400M. Was für ein Luxusproblem...
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