Bundeswehrmission am Hindukusch Vier deutsche Soldaten in Afghanistan getötet

Schon wieder ein tödlicher Angriff auf deutsche Soldaten: Vier Männer wurden bei einem Taliban-Angriff während einer Operation in Nordafghanistan getötet. Verteidigungsminister Guttenberg, der gerade auf dem Heimflug von einem Truppenbesuch in Kunduz ist, will umgehend dorthin zurückkehren.

Von und John Goetz

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archivbild): Neuer Zwischenfall
DDP

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archivbild): Neuer Zwischenfall


Berlin - Keine zwei Wochen nach dem tödlichen Gefecht bei Kunduz sind am Donnerstag wieder vier deutsche Soldaten gefallen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE waren die Deutschen während einer Operation nahe der Stadt Baghlan mit Panzerfäusten angegriffen worden. Dabei wurden laut Einsatzführungskommando vier Bundeswehrsoldaten getötet und fünf weitere verletzt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE attackierten die Angreifer gegen 14.30 Uhr Ortszeit einen Trupp deutscher, belgischer und afghanischer Soldaten. Ersten Ermittlungen zufolge wurde ein gepanzertes Fahrzeug vom Typ Eagle IV nahe einer Brücke in der Gegend von Baghlan-i-Jadid rund sechs Kilometer nördlich der Ortschaft Baghlan, die als Hochburg der Taliban gilt, getroffen.

Nach ersten Angaben aus Bundeswehrkreisen waren die deutschen, belgischen und afghanischen Soldaten seit mehreren Tagen im Rahmen einer größeren Operation in der auf Nato-Karten als besonders gefährlich gekennzeichneten Region unterwegs. Durch die Operation "Taohid II" sollte die Bewegungsfreiheit der internationalen Kräfte wiederhergestellt werden, hieß es in Nato-Kreisen.

Von den afghanischen Sicherheitsbehörden hieß es kurz nach dem Angriff, eine versteckte Straßenbombe sei explodiert, als die Soldaten in Richtung Baghlan unterwegs waren. Über die Folgen des Anschlags konnte der Polizeichef von Baghlan jedoch zunächst keine Angaben machen. Die Taliban bekannten sich per Telefon zu dem Angriff und nannten auch den exakten Ort der Attacke.

Guttenberg will zurück nach Afghanistan

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erfuhr kurz nach dem Angriff von dem tödlichen Zwischenfall. Der Minister hatte in den vergangenen beiden Tagen Afghanistan besucht und war gerade auf der deutschen Versorgungsbasis im usbekischen Termez gelandet, als ihn die Nachricht erreichte. Dort äußerte sich Guttenberg zunächst nur kurz. "Ich bin tieftraurig Ihnen heute mitteilen zu müssen, dass nach derzeitigem Sachstand drei oder vier deutsche Soldaten ihr Leben gelassen haben und fünf bis sechs Soldaten verletzt worden sind".

Der Minister will nun umgehend nach Afghanistan zurückkehren, "um bei unseren Soldaten vor Ort zu sein" und sich ein Bild zu machen. Von Termez aus will er per Hubschrauber nach Mazar-i-Sharif fliegen, hieß es. Den größten Teil seiner Delegation sowie die Journalisten habe er "nach Hause geschickt". Die angegriffene Patrouille stammte vermutlich aus dem "Provincial Reconstruction Team" (PRT) in Faizabad aus der Provinz Badakhshan, wo die Bundeswehr das kleinste PRT betreibt. Sollte sich diese Information bestätigen, würde Guttenberg weiter nach Faizabad reisen, erklärte ein Bundeswehrsprecher.

Guttenberg hatte am Mittwoch angekündigt, der Bundeswehr in Kunduz angesichts der eskalierenden Gewalt dort so schnell wie möglich zwei Panzerhaubitzen 2000 zur Verfügung zu stellen. Das schwere Artilleriegeschütz hat eine Reichweite von 40 Kilometern und auch auf diese Entfernung eine Zielgenauigkeit von 20 bis 30 Metern. Zudem soll die Truppe mit TOW-Panzerabwehrraketen und mit zusätzlichen Marder-Schützenpanzern ausgerüstet werden.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Truppe zudem im Eilverfahren weitere 60 gepanzerte Fahrzeuge bestellt. Der Vertrag über die neuen Panzerwagen vom Typ Eagle IV sei am Donnerstag mit dem Schweizer Hersteller unterzeichnet worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Sie würden der Truppe vom kommenden Jahr an zur Verfügung stehen. "Sie sind somit nicht Teil der 150 bis 200 Fahrzeuge, die Verteidigungsminister Guttenberg für dieses Jahr für den Einsatz avisiert hat", hieß es.

Zuletzt waren erst am Karfreitag drei deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. Acht weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Sie waren nahe Kunduz in die bislang schwersten Kämpfe seit Beginn des Einsatzes verwickelt worden.

Forum - Afghanistan - soll die Bundesrepublik ihren Einsatz beenden?
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blowup 09.04.2010
1. pervers
Wäre mein Sohn in Afghanistan ums Leben gekommen, ich hätte nicht zugelassen, dass seine Leiche für diese verlogene Inszenierung benutzt wird. Dieselben Typen, die aus Machtgeilheit und politischen Kalkül durch Lüge und Zauderei an seinem Tod mit schuld sind, setzen sich hier in Szene. Pfui. Das haben die Soldaten, die aus Pflichtgefühl und Engagement in diesen Einsatz gegangen sind, nicht verdient. Und wenn ich heute im TV Gestalten wie Struck sehe, die so tun, als hätten Sie kaum etwas mit den fatalen Fehlentscheidungen zu tun, wird mit schlecht...
egils 09.04.2010
2. Merkels Trauerrede
Meiner Meinung nach die beste Rede die ich von Frau Merkel als Bundeskanzlerin gehört habe! Ich hoffe das diese Rede im fernsehen von einer grösstmöglichen Anzahl von Buerger/innen gehört und gesehen wurde. Zum ersten mal habe ich ihr wirklich alles abgenommen und geglaubt. Respekt und Dank dafuer.
Die Blickerin 09.04.2010
3. Die toten von Kunduz
Diese Menschen, Guttenberg und Merkel, sollten sich zutiefst schämen. Sie sind es, die die direkte Schuld tragen für diese junge Opfer. Sie sollten sich schämen und sie sollten zur Verantwortung gezogen werden.
odet 09.04.2010
4. Wie verlogen........
Erst werden Junge Menschen nach Afghanistan geschickt um dort Taliban, Frauen und Kinder zu ermorden, und dann müssen sie sich auch noch von Merkel "betrauern" lassen. Dieser Regierung ist wirklich gar nichts mehr zu verlogen.
Boone 09.04.2010
5. Stell Dir vor es ist Krieg und niemand geht hin
Nun wird es immer klarer, immer offenbarer, wir haben zugelassen, dass unsere Politiker unser Land wieder in den Krieg geführt haben. Wir schicken wieder Soldaten durch die Welt, töten wieder fremde Menschen, werden getötet und glauben so Frieden in die Welt bringen zu können. Tragisch daran ist, dass Merkel & Co keine Soldaten in den Krieg schicken könnten, sie keinen Krieg führen könnten, gäbe es nicht Deutsche, die bereit sind in den Krieg zu ziehen und auf Befehl Soldat zu sein. Keine 60 Jahre hat es gedauert und es kommen wieder tote deutsche Soldaten nach Hause - und nur wenige scheinen das seltsam und unsinnig zu finden.
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