Bunga-Bunga-Prozess Ruby bezeichnet ihre Aussagen als Lügen

Im Ruby-Prozess kann Silvio Berlusconi aufatmen: Die 21-jährige Nachtclubtänzerin Ruby bezeichnet ihre Aussagen zu Geldbeträgen, die Italiens Ex-Ministerpräsident gezahlt haben soll, als Lügen. Sie habe nur Eindruck schinden wollen.

Karima el-Marough alias Ruby: "Die meisten Dinge, die ich gesagt habe, stimmten nicht"
AFP

Karima el-Marough alias Ruby: "Die meisten Dinge, die ich gesagt habe, stimmten nicht"


Mailand - Die Ruby Rubacuore (Herzensbrecherin) genannte Nachtclubtänzerin, die im Zentrum angeblicher wilder Bunga-Bunga-Feste in der Villa von Silvio Berlusconi steht, hat am Freitag vor Gericht ausgesagt, sie habe aus Angeberei mehrfach gelogen. "Die meisten Dinge, die ich gesagt habe, stimmten nicht", sagte Karima el-Marough alias Ruby.

Die 21-jährige Marokkanerin hatte zuvor angegeben, von Italiens Ex-Regierungschef und seinem Buchhalter 187.000 Euro in bar bekommen zu haben. Nun gab sie an, die Summe "erfunden" zu haben, um Eindruck zu schinden. Frühere Aussagen in Verhören bezeichnete Ruby als "Dummheiten" und antwortete auf viele Fragen mit "Ich erinnere mich nicht" und "Ich weiß es nicht".

Sie äußerte sich als Zeugin in einem Verfahren gegen drei Beschuldigte, die laut Anklage als Zuhälter für Berlusconi gearbeitet und junge Frauen als Prostituierte für dessen Partys angeworben haben sollen. Es handelt sich um den Künstleragenten Lele Mora, die als Showgirl bekannt gewordene Politikerin Nicole Minetti und um Emilio Fede, einen Fernsehmoderator aus Berlusconis Medienimperium.

Bereits am Freitag vergangener Woche hatte sich Ruby von früheren Äußerungen distanziert. Zugleich bekräftigte sie, niemals Sex mit Berlusconi gehabt zu haben. Das Mailänder Verfahren läuft parallel zu einem weiteren Prozess, bei dem es um mutmaßlichen Sex Berlusconis mit der damals minderjährigen el-Marough geht.

Dem 76-Jährigen wird außerdem zur Last gelegt, 2010 sein Amt als Regierungschef missbraucht zu haben, um bei der Polizei die Freilassung der wegen Diebstahls festgenommenen Ruby zu erwirken. In diesem Prozess hat Staatsanwältin Ilda Boccassini eine Haftstrafe von sechs Jahren und den lebenslänglichen Ausschluss von öffentlichen Ämtern für Berlusconi gefordert. Das Urteil wird für Ende Juni erwartet. Boccassini erhielt nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Donnerstag Morddrohungen, unter anderem in Form eines Umschlags mit zwei Pistolenkugeln.

ade/AFP/dpa

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nickmason 24.05.2013
1.
Vielleicht hat sie damals tatsächlich keine 187.000 Euro bekommen, wer weiß das schon, außer den beteiligten Personen. Aber vielleicht hat sie jetzt (noch mal?) 187.000 Euro bekommen, damit sie ihre Aussage widerruft und sich einfach an nichts erinnern kann. Ein Schelm wer böses denkt...
cucco 24.05.2013
2. Aufgebauscht aus kommerziellen Gründen
Rubi war zu Zeiten der Parties ein abenteurlustiger neugieriger lebensfreudiger Teenager, der weit davon entfernt war in die Nähe einer Prostituierten zu sein. Ihr gutes Aussehen, ihre unkonventionelle Art hat natürlich im latent kathlischen Italien eine grosse Anziehungskraft und gleichzeitig grosses Provokationspotential für Moralinstanzen, wie sie die Richterin darstellt. Wer einigermassen einen Blick für echte Charaktere hat, sieht sofort, dass das Mädchen im Grunde eine ganz normale Person ist und sich niemals verkauft. Diejeniogen, die nun Rubi immer wieder in den Schlamm ziehen möchten, wollen ihrer Linie treu bleiben und keine Loser in der Beurteilung anderer sein. In dem Zusammenhang sieht die ganze Affäre politisch aus und nicht als echtes Zivilvergehen von Rubi und Silvio.
dadanchali 24.05.2013
3. nee
Zitat von sysopAFPIm Ruby-Prozess kann Silvio Berlusconi aufatmen: Die 21-jährige Nachtclubtänzerin "Ruby" bezeichnet ihre Aussagen zu Geldbeträgen, die der Italiens Ex-Ministerpräsident gezahlt haben soll, als Lügen. Sie habe nur Eindruck schinden wollen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/bunga-bunga-prozess-um-berlusconi-ruby-bezeichnet-aussagen-als-luegen-a-901816.html
Wieviel Geld erhält man um 187000 € zu vergessen?
gwyar 24.05.2013
4. @cucco,#2
Zitat:" Wer einigermassen einen Blick für echte Charaktere hat, sieht sofort, dass das Mädchen im Grunde eine ganz normale Person ist und sich niemals verkauft."Zitatende. Ich will ihr (Rubi) nichts unterstellen, aber ihre Menschenkenntnis erstaunt mich doch. Gehe ich recht in der Annahme, dass sie mit ihr zusammen leben, zumindest Tür an Tür? Abgesehen von Zwangs-Prostituierten sieht man es Menschen nicht unbedingt an, ob sie sich verkaufen, oder eben nicht. Auch in diesem Geschäft gibt es Menschen mit Niveau, Bildung, erstklassigem Auftritt - wird dann halt etwas teurer...
udo46 24.05.2013
5. Italien Mafialand
- Rücknahme von belastenden Zeugenaussagen - Morddrohungen gegen eine Richterin - der grösste Betrüger Italiens einer der einflussreichsten Politiker des Landes: Italien ist wieder fest in der Hand der Mafia.
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