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Frankreich: Burka-Kontrolle führt zu Krawallen vor Polizeiwache

In Frankreich dürfen Frauen ihr Gesicht nicht verschleiern. In der Stadt Trappes hat die Bestrafung einer Burka-Trägerin zu schweren Ausschreitungen geführt. Innenminister Valls ruft seine Landsleute zur Ruhe auf.

Polizisten in Trappes: "Das Gesetz gilt für jedermann" Zur Großansicht
AFP

Polizisten in Trappes: "Das Gesetz gilt für jedermann"

Trappes - Alles beginnt mit einer Routinekontrolle: Ein französischer Polizist hält am Freitag eine vollverschleierte Frau an, kontrolliert sie und spricht schließlich ein Bußgeld aus, weil das Tragen eines Gesichtsschleiers in Frankreich seit 2011 verboten ist. Der Ehemann, der die Muslimin begleitet, wehrt sich gegen die Polizei, erst verbal, dann wird er handgreiflich. Die Beamten nehmen den 21-Jährigen fest.

Daraufhin eskaliert die Lage in Trappes, einer Satellitenstadt am westlichen Rand von Paris. Mehrere hundert Menschen belagern die Polizeistation, später werfen sie Steine und beschießen das Gebäude mit Feuerwerkskörpern. Vor der Wache gehen Mülltonnen in Flammen auf. Die Polizei feuert Tränengas auf die Demonstranten. Bei den Ausschreitungen, die bis zum Samstagmorgen andauern, werden fünf Menschen verletzt, sechs Randalierer werden festgenommen. Unter den Verletzten soll ein 14-Jähriger sein, der eine "ernste Augenverletzung" erlitten haben soll.

150 Euro Strafe für Burka-Trägerinnen

Frankreichs Innenminister Manuel Valls rief seine Landsleute zur Ruhe und zur Dialogbereitschaft auf. Die öffentliche Ordnung müsse hergestellt werden, gleichzeitig mahnte er Respekt vor Frankreichs Muslimen an. "Es gibt keinen Grund für die Gewalt in Trappes", sagte Valls. "Das Gesetz gilt für jedermann." Gleichzeitig verstärkte er die Polizeipräsenz in dem Ort, um weitere Ausschreitungen am Wochenende zu verhindern.

Trappes gehörte schon 2005 zu den Städten in Frankreich, die von Jugendkrawallen erschüttert wurden. Der Innenminister räumte ein, dass die Lebensbedingungen in diesen Banlieues schwierig seien. Valls sagte aber auch: "Gewalt führt zu gar nichts."

Die Durchsetzung des Verschleierungsverbots hat in Frankreich in den vergangenen Jahren mehrfach zu Zwischenfällen geführt. Im Juni endete eine Polizeikontrolle in einer Massenschlägerei. Dabei tragen in dem Land nur wenige Musliminnen Burka oder Nikab. Werden sie dabei in der Öffentlichkeit ertappt, müssen sie bis zu 150 Euro Strafe zahlen. Die Behörden können den Trägerinnen des Vollschleiers auch einen Schnellkurs über Rechte und Pflichten des Staatsbürgers aufbrummen.

syd/AP/dpa

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