Gewaltsame Proteste Straßenschlachten erschüttern Burkina Faso

Die Opposition spricht von einer Million Demonstranten: Im westafrikanischen Burkina Faso sind Proteste gegen den seit 27 Jahren regierenden Staatspräsidenten eskaliert. Der will mithilfe einer Verfassungsänderung an der Macht bleiben.

Proteste in Ouagadougou: Krise in Burkina Faso
AFP

Proteste in Ouagadougou: Krise in Burkina Faso


Ouagadougou - Bei Protesten gegen eine geplante Verfassungsänderung in Burkina Faso haben sich Demonstranten und Sicherheitskräfte Straßenschlachten geliefert. Zehntausende Menschen gingen auf die Straße. Dabei flogen Steine auf Polizisten, die ihrerseits mit Tränengas gegen die vorwiegend jugendlichen Demonstranten vorgingen.

Die noch andauernde Demonstration richtet sich gegen eine Änderung des Paragrafen 37 der Verfassung, die dem seit mehr als einem Vierteljahrhundert amtierenden Staatspräsidenten Blaise Compaoré den Verbleib im Amt sichern soll. Das Parlament befasst sich am Donnerstag mit der von der Regierung angestrebten Verfassungsänderung, die Compaoré bei der Präsidentschaftswahl 2015 eine erneute Kandidatur ermöglichen würde.

Die Proteste in dem bitterarmen westafrikanischen Land erreichten im Laufe des Dienstags enorme Ausmaße: Die Opposition sprach von einer Million Teilnehmern bei Protesten in Ouagadougou. Die Polizei versuchte, die Massen vom Parlament fernzuhalten. Wegen der Proteste sind die Schulen und Universitäten im ganzen Land für eine Woche geschlossen.

Steine gegen Polizisten

Gegner der geplanten Verfassungsänderung wollen nun eine Woche lang protestieren. Den Auftakt bildete schon am Montagabend eine Kundgebung Hunderter Frauen. In der Nacht zu Dienstag war es zu ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Die Demonstranten hatten versucht, die Straße von Ouagadougou in die zweitgrößte Stadt Bobo Dioulasso zu blockieren, und warfen Steine auf die Beamten. Auf Tausenden Plakaten wurde Compaorés Rücktritt gefordert und der Artikel 37 der Verfassung für "unantastbar" erklärt.

Zu der Massendemonstration hatte die Opposition aufgerufen. Sie befürchtet, dass eine Verfassungsänderung Compaoré nicht nur eine weitere Amtszeit bescheren könnte: Bis zu 15 weitere Jahre wären demnach möglich, weil bei einem Inkrafttreten der Änderungen die bisherigen Amtszeiten des Staatschefs nicht berücksichtigt würden.

Oppositionsführer Zéphirin Diabré nannte den Protest einen "phänomenalen Erfolg". Es sei die "letzte Warnung", damit der Präsident "noch heute" die geplante Verfassungsänderung zurückziehe. Die Zeit für den Wechsel sei "jetzt oder nie".

Compaoré ist 1987 durch einen Putsch an die Macht gelangt. Nach seiner Wahl 1991 verbrachte er zunächst zwei siebenjährige Amtszeiten im Präsidentenamt, bevor er zwei fünfjährige Mandate anschloss.

mxw/Reuters/AFP

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insgesamt 9 Beiträge
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glen13 28.10.2014
1.
Die ersten Zuckungen der Demokratie in Burkina Faso. Prima. Weiter so, holt ihn von seinem Thron.
Musashi01 28.10.2014
2. Na Super
Der nächste Konflikt. Bestimmt wieder vom bösen bösen Westen initiiert. Dann werden sich hier wieder Leute finden die sich für die Aufnahme von Flüchtlingen stark machen (natürlich nicht bei sich zu Hause), die Bundesregierung wird sich betroffenen zeigen und deutsche Steuergelder in Aussicht stellen und dann kommen selbstverständlich die zahlreichen "eingeladenen" zukünftigen Insassen der Strafvollzugsanstalten in Massen hier her. Dann werden vielleicht ein paar Fußballfans demonstrieren und dann wird sich finden, dass wir Deutschen an Allem Schuld sind. Geschichte wiederholt sich anscheinend doch.
kristinarauland 28.10.2014
3.
Schade, dass auch der Spiegel "gewaltsame Proteste" als Aufmacher heranzieht. Heute haben in ganz Burkina Faso Hunderttausende Menschen friedlich demonstriert. Dass es am Ende der Demonstration in Ouagadougou einige Ausschreitungen gab, ist allenfalls eine Fußnote wert. Die heutige Situation zeichnet sich seit Monaten ab. Aber wenn keine Gewalt im Spiel ist, schaffen es afrikanische Themen wie dieses durchaus hoffnungsvolle leider nicht in deutsche Medien, auch nicht in den Spiegel. Sie tragen mit dieser Art von Berichterstattung dazu bei, Meinungen wie die von Musashi01 zu festigen. Keine Angst, es wird keinen Massenexodus aus Burkina Faso geben. Die Burkiner lieben ihr Land, ihre Freiheit und ihren Frieden und genau dafür gehen sie seit Tagen friedlich auf die Straße, übrigens Teilnehmer aus allen sozialen Schichten. Das sollte von den Deutschen unterstützt werden, und die Medien könnten durch bessere Berichterstattung dazu beitragen! Kristina Rauland-Yambré aus Ouagadougou
kristinarauland 28.10.2014
4. Friedliche Massenproteste für die Demokratie
Schade, dass auch der Spiegel "gewaltsame Proteste" als Aufmacher heranzieht. Heute haben in ganz Burkina Faso Hunderttausende Menschen friedlich demonstriert. Dass es am Ende der Demonstration in Ouagadougou einige Ausschreitungen gab, ist allenfalls eine Fußnote wert. Die heutige Situation zeichnet sich seit Monaten ab. Aber wenn keine Gewalt im Spiel ist, schaffen es afrikanische Themen wie dieses durchaus hoffnungsvolle leider nicht in deutsche Medien, auch nicht in den Spiegel. Sie tragen mit dieser Art von Berichterstattung dazu bei, Meinungen wie die von Musashi01 zu festigen. Keine Angst, es wird keinen Massenexodus aus Burkina Faso geben. Die Burkiner lieben ihr Land, ihre Freiheit und ihren Frieden und genau dafür gehen sie seit Tagen friedlich auf die Straße, übrigens Teilnehmer aus allen sozialen Schichten. Das sollte von den Deutschen unterstützt werden, und die Medien könnten durch bessere Berichterstattung dazu beitragen! Kristina Rauland-Yambré aus Ouagadougou
seneca55 28.10.2014
5. Warum nicht noch weitere 15 Jahre?
Noch ein weiterer Bürgerkrieg in Afrika ist auch nicht schön und setzt nur Flüchtlingstrecks in Bewegung insbesondere, wenn die Ressourcen alle aufgefressen worden sind. Syrien und Libyen sind abschreckende Beispiele für einen Regime-Change, Ägypten ebenso, Oder?
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