Burkina Faso Vizechef der Präsidentengarde übernimmt die Macht

In Burkina Faso ist das Kräftemessen der Militärs entschieden: Der Armeechef hat sich Isaac Zida, Vize der Präsidentengarde, gebeugt. Zida wird nun Chef der Übergangsregierung.

Issac Yacouba Zida: Führer der Übergangsregierung in Burkina Faso
AP/dpa

Issac Yacouba Zida: Führer der Übergangsregierung in Burkina Faso


Ouagadougou - Nach dem Rücktritt von Burkina Fasos Präsident Blaise Compaoré hat sich das Militär hinter den jungen Offizier Isaac Zida als Chef einer Übergangsregierung gestellt. Die Armeeführung habe sich einstimmig für den bisherigen Vizekommandeur der Präsidentengarde ausgesprochen, erklärte der Generalstab am Samstag. Die Erklärung wurde auch von Armeechef Honoré Traoré unterzeichnet, der zunächst selbst die Macht beansprucht hatte. Ex-Präsident Compaoré ist in die Elfenbeinküste geflohen.

In einer Fernsehansprache sagte Oberstleutnant Zida, er wolle als Übergangsstaatschef die "staatliche Kontinuität" wahren und in Zusammenarbeit mit den Parteien und der Zivilgesellschaft für einen "ruhigen demokratischen Übergang" sorgen. Das Streben der Jugend nach demokratischen Wandel werde weder verraten, noch enttäuscht werden, sagte Zida.

Wann Wahlen für eine neue Regierung abgehalten werden sollen, war jedoch offen. Laut der Armee soll "später" über die Dauer der Übergangszeit entschieden werden.

Zida hatte sich nach dem Rücktritt Compaorés am Freitag an der Spitze einer Gruppe junger Offiziere zum Führer der Übergangsregierung erklärt. Er hatte damit Armeechef Traoré herausgefordert, der ebenfalls Anspruch auf die Führung erhob. Traoré unterzeichnete jedoch am Samstag die Erklärung, in welcher der Generalstab sich hinter Zida stellte.

Fotostrecke

10  Bilder
Burkina Faso: Zehntausend Stimmen gegen den Präsidenten
Nach Massenprotesten zurückgetreten

Der bisherige Staatschef Compaoré war am Freitag von seinem Amt zurückgetreten - nach gewaltsamen Massenprotesten gegen eine geplante Verfassungsänderung, die ihm eine dritte Amtszeit erlauben sollte. Der 63-jährige Präsident, der in dem westafrikanischen Staat vor 27 Jahren bei einem Putsch die Macht übernommen hatte, hatte zunächst einen Rücktritt abgelehnt. Angesichts Zehntausender Demonstranten in der Hauptstadt Ouagadougou gab er jedoch schließlich nach.

Compaoré war besonders bei den jungen Leuten unbeliebt, die ihr ganzes Leben unter seiner Herrschaft verbracht haben. Rund 60 Prozent der fast 17 Millionen Burkiner sind unter 25 Jahren und viele sind unzufrieden mit der politischen Führung. Ihr ist es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gelungen, die soziale oder wirtschaftliche Entwicklung in Burkina Faso voranzubringen, das auf den hintersten Plätzen des Uno-Indexes für menschliche Entwicklung verharrt.

In Ouagadougou kehrte am Samstag wieder Ruhe ein. Anhänger der Protestbewegung bemühten sich, die Schäden der Proteste fortzuräumen. Zuvor hatten die frühere Kolonialmacht Frankreich ebenso wie EU und USA einen friedlichen und demokratischen Machtwechsel angemahnt.

Eigentlich hätte nach dem Rücktritt des Präsidenten laut Verfassung der Präsident der Nationalversammlung die Macht übernehmen müssen. Doch erklärte Zida in der Nacht zu Samstag die Verfassung für ausgesetzt.

wbr/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.