Terroranschlag in Burkina Faso Mindestens 28 Tote - drei Angreifer identifiziert

Präsident Kaboré spricht von "barbarischen" Terroranschlägen "von unerhörter Feigheit": Bei einer Geiselnahme in Burkina Faso durch Qaida-Kämpfer starben mindestens 28 Menschen, darunter viele Ausländer. Der Überblick.


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Die Zahl der Todesopfer des Terroranschlags in Burkina Faso ist auf mindestens 28 gestiegen. Mehr als 50 Menschen wurden bei dem Attentat von Qaida-Kämpfern in der Hauptstadt Ouagadougou teils schwer verletzt, sagte Präsident Roch Marc Christian Kaboré. Unter den Opfern sind viele westliche Ausländer.

In einer Rede an die Nation sagte der Staatschef am Samstagabend, Burkina Faso sei erstmals Opfer von "barbarischen" Terroranschlägen "von unerhörter Feigheit" geworden. "Wir werden siegreich aus dem Krieg hervorgehen, den sie (die Terroristen) unserem Volk und den anderen Staaten der Welt aufzwingen", sagte Kaboré. "Die burkinische Nation steht unter Schock." Der im November gewählte Präsident ordnete eine dreitätige Staatstrauer an.

Was wir über den Terroranschlag bisher wissen - der Überblick:

Was in Ouagadougou geschah: Am Freitagabend hatten vermummte Bewaffnete gegen 19.30 Uhr Ortszeit einen Angriff im Geschäftszentrum von Ouagadougou gestartet. Sie eröffneten zunächst das Feuer im Restaurant Cappuccino und erschossen dort zahlreiche Menschen, dann brachten sie das bei Geschäftsleuten und Diplomaten beliebte benachbarte Viersternehotel Splendid in ihre Gewalt. Es gehört mit 147 Zimmern zu den größten der Stadt. 156 Menschen nahmen sie stundenlang als Geiseln.

Die Befreiung: Sicherheitskräfte stürmten am Samstagvormittag mit französischen Spezialkräften und US-Truppen das Gebäude und befreiten 126 Geiseln aus der Gewalt der Terroristen. Weitere 30 Menschen wurden im Restaurant Cappuccino in Sicherheit gebracht. Soldaten durchkämmten am Samstagmorgen im Zuge der Erstürmung systematisch andere Gebäude, die ebenfalls an der Avenue Kwamé Nkrumah liegen, darunter auch das nahe gelegene Hotel Ybi. Das Gebiet rund um den Anschlagsort wurde weiträumig abgesperrt. Insgesamt wurden drei Angreifer getötet.

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Burkina Faso: Die blutige Bilanz des Terrorattacke
Die Opfer: Unter den Toten sind mindestens 13 Ausländer - zwei Schweizer, zwei Franzosen, ein Niederländer, ein US-Amerikaner und sechs Kanadier, wie die Außenministerien der Herkunftsländer mitteilten. Bei den Schweizer Opfern handelte es sich der "Neue Zürcher Zeitung am Sonntag" zufolge um den früheren Post-Chef und Abgeordneten Jean-Noël Rey sowie den Walliser Abgeordneten Georgie Lamon. Sie seien zur Einweihung einer Schulkantine nach Burkina Faso gereist. Das niederländische Opfer, der 67-jährige Arie Houwelig, war laut Außenministerium in Burkina Faso für eine Hilfsorganisation tätig. Der getötete US-Amerikaner Michael James Riddering war Medienberichten zufolge ein in Burkina Faso lebender Missionar.

Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums sind auch vier Ukrainer unter den Opfern, darunter ein neunjähriges Kind. Außenminister Pavlo Klimkin twitterte:

Französische Medien berichteten zudem von drei toten Franzosen. Ob auch Deutsche unter den Opfern waren, ist unklar. Das Auswärtige Amt bemühe sich mit der Botschaft in Ouagadougou um Aufklärung, sagte eine Sprecherin. Die Nationalitäten der übrigen Opfer sind noch unklar.

Die Attentäter: Zu dem Anschlag bekannte sich die Extremistengruppe al-Mourabitoun, die al-Qaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) die Treue geschworen hat, wie die US-Organisation Site mitteilte. Diese ist darauf spezialisiert, Propagandabotschaften der Terrorgruppen zu beobachten. Die Gruppe al-Mourabitoun des berüchtigten Extremisten Mokhtar Belmokhtar hatte sich erst im Dezember wieder Aqmi angeschlossen. Belmokhtar, auch "der Einäugige" genannt, wurde bereits mehrmals für tot erklärt, tauchte aber immer wieder auf.

Die Leichen von drei Angreifern seien identifiziert worden, sagte Innenminister Simon Compaoré. Die Männer seien "höchstens 26 Jahre alt" gewesen. Berichte, wonach auch zwei Frauen an der Attacke beteiligt waren, wurden zunächst nicht bestätigt.

Die Attacke in Ouagadougou erinnert an einen ähnlichen al-Qaida zugeschriebenen Anschlag vor knapp zwei Monaten in Malis Hauptstadt Bamako. Dort hatten sunnitische Fundamentalisten viele Menschen in einem bei Ausländern beliebten Hotel, dem Radisson Blu, als Geiseln genommen. 20 Menschen, darunter 14 Ausländer, wurden getötet.

Die Reaktionen auf den Terroranschlag: Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem feigen Terrorakt. Er sagte seinem burkinischen Kollegen Kaboré nach Élysée-Angaben "volle Unterstützung" und die Hilfe französischer Einsatzkräfte zu. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilten die brutalen Anschläge in Ouagadogou. Sie würden zeigen, wie sehr Sicherheit und Stabilität in der ganzen Region bedroht sind, sagte Steinmeier. "Wir müssen verhindern, dass sich das Krebsgeschwür des Terrorismus weiter in der Sahel-Region und in Westafrika ausbreiten kann."

Präsident Kaboré: Unterstützung aus dem Ausland
REUTERS

Präsident Kaboré: Unterstützung aus dem Ausland

Die Lage in Burkina Faso: Anders als im benachbarten Mali, wo Dschihadisten vor allem die Sahara im Norden als Rückzugsort nutzen und es immer wieder zu Terrorangriffen kommt, war es in Burkina Faso mit Blick auf den islamistischen Terror bisher relativ ruhig. Das Land mit knapp 19 Millionen Menschen ist der größte Baumwollproduzent Afrikas und hat reiche Goldvorkommen. Dennoch gehört der afrikanische Staat laut Uno-Index zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. Die vorherrschende Religion ist der Islam, es gibt eine starke christliche Minderheit.

Das Land war bis 1960 als Obervolta Teil Französisch-Westafrikas. 1984 erfolgte die Umbenennung in Burkina Faso, was mit "Vaterland der Ehrenwerten" oder "Land der Unbestechlichen" übersetzt wird. Nach 27 Amtsjahren trat Präsident Blaise Compaoré nach Unruhen 2014 ab. Die Übergangsregierung musste 2015 einen Putsch überstehen. Am 30. November 2015 kehrte das Land mit der Wahl Karborés zum Präsidenten zur Demokratie zurück.

Entführung im Norden Burkina Fasos: Nahe der Grenze zu Mali wurde nach Angaben der Regierung in Baraboulé ein australisches Ehepaar entführt - mutmaßlich von Dschihadisten. Zunächst hatte es geheißen, die Frau und der Mann könnten aus Österreich kommen. Es handelt sich um einen Arzt und seine Frau, die örtlichen Medien zufolge seit Langem eine Klinik in der Region betreiben. Sie sollen seit 1972 in der Stadt Djibo am Rande der Sahelzone leben. Es ist nicht klar, ob es einen Zusammenhang mit den Anschlägen gab. Für das Gebiet im Norden gelten Reisewarnungen.


Zusammengefasst: Stundenlang hielten Terroristen in Burkina Faso mehr als 150 Menschen in ihrer Gewalt. Mindestens 28 Menschen wurden bei dem Anschlag getötet, viele stammen aus dem Ausland. Die Extremistengruppe al-Mourabitoun bekannte sich zu der Attacke, die Terroristen haben al-Qaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) die Treue geschworen. Drei Attentäter wurden identifiziert. Im Norden des Landes wurde ein australisches Ehepaar gekidnappt.

heb/dpa/AFP/AP



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