Präsident Compaoré zurückgetreten Militärchef übernimmt in Burkina Faso die Macht

Die heftigen Proteste der Straße zeigen Erfolg: Burkina Fasos Präsident Blaise Compaoré hat seinen Rücktritt erklärt. Nun hat Generalstabschef Honoré Traoré die Macht in dem westafrikanischen Land übernommen.

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Berlin/Ouagadougou - Burkina Faso bekommt nun doch schneller einen neuen Präsidenten als gedacht: Amtsinhaber Blaise Compaoré hat nach den heftigen Protesten der vergangenen Tage seinen Rücktritt erklärt. In einer im Fernsehen verlesenen Mitteilung sprach der 63-Jährige von einem "Machtvakuum" an der Spitze des Staates und nannte baldige Neuwahlen als Ziel. Wenig später teilte Generalstabschef Honoré Traoré mit, er habe mit sofortiger Wirkung "gemäß der Verfassung" das Amt des Staatschefs übernommen.

Grund für die Proteste war Compaorés Versuch, eine Verfassungsänderung zu erreichen, die ihm eine weitere Amtszeit ermöglich hätte. Compaoré ist seit 27 Jahren Präsident des westafrikanischen Staats. Er kam seinerzeit durch einen Putsch an die Macht. Sein Plan, die Verfassung ändern zu lassen, traf auf großen Widerstand beim Volk.

Nach seiner Rücktrittsverkündung meldete sich Compaoré auf Twitter: "Ich rufe die Bürger auf, sich zu beruhigen", schrieb er beim Kurznachrichtendienst. Und er ergänzte: "Gott schütze Burkina Faso."

Am Donnerstag hatte die Armee im Zuge der Proteste erklärt, sie habe die Macht in Burkina Faso übernommen - das hatte Compaoré zurückgewiesen und zunächst erklärt, von seinen ursprünglichen Plänen Abstand zu nehmen und einen demokratischen Übergang zu ermöglichen.

Auch am Freitag gingen erneut Zehntausende Menschen gegen den Präsidenten auf die Straße. Nicht nur in der Hauptstadt Ouagadougou, sondern auch in anderen Landesteilen forderten sie seinen Rücktritt. Dabei blieb es Augenzeugen zufolge zunächst friedlich. In den vergangenen Tagen war das teilweise anders: Nach Angaben der Opposition kamen über 30 Menschen in Burkina Faso ums Leben, etwa Hundert wurden verletzt.

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flo/vek/AF/AFP



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insgesamt 6 Beiträge
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ratxi 31.10.2014
1. Ab in die Rente
Nun kann er doch in den Ruhestand gehen. Wie sich das für einen guten afrikanischen Staatsmann gehört, der nur seinem Volke dienen möchte, müsste er ja ganz nebenbei Multimilliardär geworden sein.
super-kraut 31.10.2014
2. Blaise Compaoré macht es richtig
Jetzt kann er seine ins Ausland sicher angelegten Million geniessen. Hoffe nur das die nun einen Ehrlichen Präsidenten bekommen. Wird wohl nicht aber man kann doch hoffen
gantern 31.10.2014
3. Schon wieder ein Volksaufstand
Burkina Fasos Präsident Blaire Compaoré ist vielleicht gleich Assad ein übler Tyrann, aber wer steckt hinter den oppositionellen Kräften die den Aufstand schüren. Muss man nicht befürchten, dass auch hier die Islamisten die treibende Kraft bilden.
darthmax 31.10.2014
4. Traurig
dass in den meisten Staaten Afrikas Machtwechsel immer mit Gewalt verbunden sind, die viel zerstören. Legt die Schweiz die dort hinterlegten Gelder eigentlich in solchen Fällen offen ?
ruzoe 31.10.2014
5. Langsam,
aber sicher bröseln sich die afrikanischen Ländern auf und suchen nach neuen Ufern. Die neuen Medien, das Web mit seinen sozialen Vernetzungen, bekommen immer mehr Bedeutungen und rasanten Zulauf. In zwanzig Jahren wird der Subkontinent kaum noch zu erkennen sein. Erst dann nimmt die Globalisierung richtig Fahrt auf...
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