Terror in Burkina Faso Mindestens 26 Tote bei Anschlag - westliches Ehepaar entführt

Stundenlang hielten Attentäter mehr als 120 Menschen in einem Hotel in Burkina Faso als Geiseln. Bei der Befreiung gab es über 20 Todesopfer. Im Norden wurde ein westliches Ehepaar gekidnappt. Der Überblick.

Sicherheitskräfte in vor dem Hotel Splendid in Ouagadougou: Terror hat Burkina Faso erreicht
DPA

Sicherheitskräfte in vor dem Hotel Splendid in Ouagadougou: Terror hat Burkina Faso erreicht


Der islamistische Terror erreicht Burkina Faso. Vermummte Angreifer brachten am Freitagabend über Stunden das bei Ausländern beliebte Luxushotel Splendid in der Hauptstadt Ouagadougou in ihre Gewalt. Über hundert Menschen nahmen sie als Geiseln. Sicherheitskräfte stürmten das Gebäude am Samstagvormittag gemeinsam mit französischen Truppen.

Bilanz der Terrorattacke: Mindestens 26 Menschen sind tot, weitere 56 wurden teils schwer verletzt, wie Premierminister Paul Kaba Thieba am Samstag nach einer Krisensitzung des Kabinetts erklärte. 126 Menschen wurden demnach aus der Gewalt der Angreifer befreit. Der französische Botschafter in Burkina Faso, Gilles Thibault, sprach auf seinem Twitter-Account von 27 Toten und 150 befreiten Menschen.

Die Opfer: Bislang ist wenig darüber bekannt, aus welchen Ländern die Opfer stammten. Das französische Außenministerium teilte mit, dass zwei Franzosen bei dem Anschlag ums Leben kamen. Am Abend hieß es zudem vom Schweizer Außenministerium, dass zwei Schweizer getötet wurden. Unter den Opfern ist auch ein 67-jähriger Niederländer. Das bestätigte das niederländische Außenministerium am Abend. Zudem verkündetet der kanadische Premierminister Trudeau, dass sechs Kanadier getötet wurden.

Die Bundesregierung versuchte am Samstag noch, nähere Informationen zu bekommen. "Das Auswärtige Amt und die Botschaft in Ouagadougou bemühen sich mit Hochdruck um Aufklärung", sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Auch das US-Außenministerium versuchte nach eigenen Angaben, mit allen US-Bürgern in Ouagadougou Kontakt aufzunehmen.

Was in Ouagadougou geschah: Am Freitagabend hatten mehrere vermummte Bewaffnete gegen 19.30 Uhr Ortszeit ihren Angriff im Geschäftszentrum Ouagadougou gestartet. Nach bisherigen Erkenntnissen eröffneten sie zunächst das Feuer im Restaurant Cappuccino, dann attackierten sie das bei Geschäftsleuten und Diplomaten beliebte Hotel Splendid, das mit 147 Zimmern zu den größten der Stadt gehört. Soldaten durchkämmten am Samstagmorgen im Zuge der Erstürmung systematisch andere Gebäude, die ebenfalls an der Avenue Kwamé Nkrumah liegen, darunter auch das nahe gelegene Hotel Ybi. Ein Täter oder eine Täterin soll dort getötet worden sein. Das Gebiet rund um den Anschlagsort wurde weiträumig abgesperrt.

Die Attentäter: Laut der US-Organisation Site, die Dschihadisten-Propaganda analysiert, bekannte sich die Extremistengruppe al-Mourabitoun zu der Attacke, die zu al-Qaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) gehört. Die islamistischen Angreifer würden gegen "Feinde der Religion" kämpfen, hieß es. Der Terroranschlag erinnert an einen ähnlichen al-Qaida zugeschriebenen Anschlag vor knapp zwei Monaten in Malis Hauptstadt Bamako. Dort hatten sunnitische Fundamentalisten viele Menschen in einem bei Ausländern beliebten Hotel, dem Radisson Blu, als Geiseln genommen. Rund 20 Menschen wurden getötet.

Die Lage in Burkina Faso: Anders als im benachbarten Mali, wo Dschihadisten vor allem die Sahara im Norden als Rückzugsort nutzen und es immer wieder zu Terrorangriffen kommt, war es in Burkina Faso mit Blick auf den islamistischen Terror bisher relativ ruhig.

In dem "Land der Unbestechlichen" wurde im November 2015 eine neue Regierung demokratisch gewählt. Die Wahl markierte einen bedeutenden Moment in der Geschichte der ehemaligen französischen Kolonie. Sie galt als wichtiger Schritt beim Übergang zur Demokratie: Seit Beginn der Unabhängigkeit 1960 wurde das Land die längste Zeit von Präsidenten regiert, die sich mithilfe des Militärs an die Macht putschten. Das gilt auch für den früheren Amtsinhaber Blaise Compaoré. Er wollte nach 27 Jahren im Amt seine Herrschaft mithilfe einer Verfassungsänderung verlängern. Durch die darauf folgenden Massenproteste wurde er im Oktober 2014 zum Rücktritt gezwungen. Seitdem gab es in dem westafrikanischen Staat eine Übergangsregierung unter der Führung von Michel Kafando. Im September überstand er nur mühsam einen Militärputsch.

Seit der Wahl regiert der frühere Oppositionspolitiker Roch Marc Christian Kaboré in dem Land mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung. Burkina Faso ist der größte Baumwollproduzent Afrikas und hat reiche Goldvorkommen. Dennoch gilt der afrikanische Staat als eines der ärmsten Länder der Welt.

Die Reaktionen: Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem feigen Terrorakt und sagte seinem burkinischen Kollegen Kaboré nach Élysée-Angaben "volle Unterstützung" und die Hilfe französischer Einsatzkräfte zu. Kaboré nannte den Angriff feige und abscheulich.

Entführung im Norden Burkina Fasos: Nahe der Grenze zu Mali wurde nach Angaben der Regierung in der Nacht ein australisches Ehepaar entführt. Zunächst hatte es geheißen, die Frau und der Mann könnten aus Österreich kommen. Es handelt sich offenbar um einen Arzt und seine Frau, die örtlichen Medien zufolge seit Langem eine Klinik in der Region betreiben.

heb/dpa/AFP/Reuters



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