Nord-Burma Amnesty berichtet von schweren Menschenrechtsverletzungen

Folter, Entführungen, Hinrichtungen: Armee und bewaffnete Gruppen im Norden Burmas sollen schwere Menschenrechtsverletzungen begehen. Laut Amnesty International haben sich die Kämpfe in der Region verschärft.

KIA-Soldat (Archivbild)
AFP

KIA-Soldat (Archivbild)


Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der Armee und bewaffneten Gruppen in Burma schwere Menschenrechtsverletzungen an ethnischen Minderheiten vor - bis hin zu "Kriegsverbrechen". Demnach sind Volksgruppen wie die Rohingya im Norden des Landes unter anderem Folter, außergerichtlichen Hinrichtungen und Entführungen ausgesetzt. Das geht aus einem aktuellen Amnesty-Bericht hervor.

Laut Amnesty haben die Kämpfe in Burmas Norden sechs Jahre nach dem Ende des Waffenstillstands zwischen dem Militär und der Unabhängigkeitsarmee der Kachin-Minderheit (KIA) eine neue Intensität erreicht. "Im Norden Burmas gerät die Zivilbevölkerung zwischen die Fronten", sagt Anika Becher, Asien-Expertin bei Amnesty International in Deutschland. "Die Armee nimmt wahllos Dörfer unter Beschuss. Soldaten inhaftieren willkürlich Menschen, foltern und sind für außergerichtliche Tötungen verantwortlich."

Der Bericht trägt den Titel "All The Civilians Suffer" ("Alle Zivilisten leiden"). Dazu hatten Amnesty-Mitarbeiter zwischen März und Mai nach eigenen Angaben mehr als 140 Interviews mit Betroffenen, Augenzeugen, Menschenrechtsverteidigern und Vertretern humanitärer Organisationen geführt.

Knapp 100.000 Menschen hätten aufgrund des Konflikts bislang ihre Häuser verlassen müssen. Außerdem verwehre die Regierung humanitären Organisationen den Zugang zu bestimmten Gebieten. Wegen dieser Einschränkungen könnten die Helfer nicht schnell genug auf Notfälle reagieren und für Unterkünfte oder den Zugang zu Wasser und Sanitäreinrichtungen sorgen, sagten Amnesty-Vertreter. Die Menschenrechtsorganisation forderte alle Konfliktparteien auf, Zivilisten im Konflikt zu schützen.

Seit Juni 2011 gibt es im Norden Burmas wieder Gefechte zwischen Militär, der KIA und weiteren Gruppen. Zuvor herrschte 17 Jahren Waffenruhe. Zwischen 1961 und 1994 war die Region Kachin abgesehen von den großen Städten und der Eisenbahnlinien praktisch unabhängig. Verhandlungen über einen neuen Waffenstillstand waren in den vergangenen Jahren mehrfach gescheitert.

Burma steht wegen des Vorgehens gegen Minderheiten - insbesondere gegen die Rohingya, eine muslimische Gruppe - international seit längerer Zeit in der Kritik. In dem Land hatte über Jahrzehnte hinweg das Militär geherrscht. Erst in den vergangenen Jahren hatte es sich wieder geöffnet. Seit vergangenem Jahr wird die Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung Sang Suu Kyi geführt. Das Militär besetzt aber immer noch mehrere Schlüsselposten.

max/dpa



insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dbeck90 14.06.2017
1. Offiziell Myanmar
Das ist schade. Dort gibt es nicht so viele Touristen, die Menschen von dort halten weiße für Götter und Schönlinge. Ich dachte es wird endlich mal wieder Tourismus ins Land kommen, welchen dieses wirklich benötigt, um in der globalen Welt einen Platz zu bekommen. Das hat sich mit der schlechten Presse nun wohl erledigt. Ist wie mit Afghanistan. Nur: In Myanmar (vorm. Burma) gibt es keine Angst zu haben ;) Von Yangon im Süden bis Lashio im Norden habe ich bisher keine Konflikte gesehen. Diese Auseinandersetzungen schränken sich lokal sehr ein und betreffen keine dicht besiedelten Gebiete. Trotzdem sehr traurig so etwas zu hören....
butzibart13 14.06.2017
2. Streit um Mineralien?
Dort oben im Norden sind die Verhältnisse der Infrastruktur und der Arbeitswelt katastrophal. Hier sind reiche Jadevorkommen zu finden. Das Material scheint begehrt zu sein und möglicherweise hat dies einen Einfluss auf die Menschenrechtssituation. Ein Vergleich zum Kongo mit dem Coltan drängelt sich auf.
omanolika 14.06.2017
3. Ignorierte Dinge
Schon seit wirklich langer Zeit, ignoriert die Weltöffentlichkeit, all die Barbareien und das Morden, die es gibt, in Burmas Norden, da man nur wenig davon hört, was einen nun etwas verstört. Es ist heute fast "ungewöhnlich", dass sich muslimische Gruppen, wie gerade die Rohingya, als Opfer all der Schandtaten entpuppen, und das sollte einem doch eigentlich nur selbst zu denken geben, denn er ist unabhängig von jeglicher Religion, der Wert vom Leben.
nesmo 14.06.2017
4. Ist es Zufall
und kaum erwähnenswert, dass es sich bei den Freiheitskämpfern um Muslime handelt? Oder sind nicht moslimische Gruppen in vielen Ländern in ganz Südasien und Nordafrika dabei, sich selbständig zu machen, und dies nur ein weiteres Beispiel hierfür. Es gibt dort fast kein Land mit einem moslemischen Bevölkerungsteil oder der ganz überwiegenden moslemischen Bevölkerung, in dem nicht um Selbständigkeit gekämpft wird, Bürgerkriege und Terrorismus herrschen, von Nordafrika über den Nahen Osten, den mittleren Osten bis Indonesien, ein langes Band der Bürgerkriege.
af17555 14.06.2017
5.
Wie jetzt, Burma? Birma? Oder doch Myanmar? Das ist ja "nur" der offizielle Name des Landes.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.