Burma Hunderttausende fordern Aberkennung von Suu Kyis Friedensnobelpreis

Die Kritik an Burmas Regierungschefin Aung San Suu Kyi wächst: Der Friedensnobelpreisträgerin wird vorgeworfen, die Rohingya-Minderheit nicht genug zu unterstützen - ihre Gegner fordern Konsequenzen.

Aung San Suu Kyi
REUTERS

Aung San Suu Kyi


Mehr als 365.000 Menschen haben die Online-Petition in Burma bisher unterschrieben. Darin fordern die Unterzeichner, Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis abzuerkennen. Sie werfen der Politikerin vor, sie habe in ihrer Rolle als De-facto-Regierungschefin "nahezu nichts unternommen, um Unterdrückung der muslimischen Rohingya-Minderheit zu stoppen."

Das Nobelkomitee schloss einen Erfolg der Petition aus. Nur die vor der Zuerkennung eines Nobelpreises erbrachten Leistungen würden vom Komitee bewertet, erklärte der Direktor des Nobel-Instituts, Olav Njølstad. Alle später erfolgenden Handlungen hätten daher keinen Einfluss. Suu Kyi hatte den Friedensnobelpreis 1991 erhalten (lesen Sie hier ein Porträt über die Politikerin).

Die muslimische Minderheit der Rohingya lebt teils seit Generationen in Burma. Die Menschen werden in dem mehrheitlich buddhistischen Land aber als illegale Einwanderer angesehen. Die Staatsangehörigkeit wird ihnen verwehrt, zahlreiche weitere Einschränkungen werden ihnen auferlegt.

Das Land wird seit Wochen von den schlimmsten Unruhen seit fünf Jahren erschüttert: Ende August hatten zwischen Armee und Rohingya-Rebellen schwere Kämpfe eingesetzt. In den vergangenen zwei Wochen flohen nach Uno-Angaben rund 164.000 Menschen ins Nachbarland Bangladesch, größtenteils Rohingya.

Am Mittwoch hatte Suu Kyi erklärt, die internationale Kritik wegen der Unterdrückung der Rohingya basiere auf "Fehlinformationen", das Ausland diene mit seiner Unterstützung für die Rohingya den "Interessen von Terroristen".

Bevor sie im Zuge politischer Reformen de facto das wichtigste Mitglied der Regierung Burmas wurde, hatte Suu Kyi jahrzehntelang gegen die Militärjunta aufbegehrt. Sie wurde dafür ins Gefängnis gesperrt und bis 2010 unter Hausarrest gestellt. Den Friedensnobelpreis erhielt sie für ihren jahrelangen gewaltlosen Kampf für Demokratie.

Der von der Junta im Herbst 2010 eingeleitete demokratische Übergang mündete 2015 in die ersten freien Parlamentswahlen, aus denen Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie (NLD) als klare Siegerin hervorging.

mho/AFP



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