Burma Brandanschlag auf Haus von Aung San Suu Kyi

Per Molotowcocktail wurde das Haus der De-Facto-Regierungschefin Suu Kyi attackiert. Doch die Nobelpreisträgerin war nicht zu Hause. Wegen der Unterdrückung der Rohingya steht sie stark unter Druck.

Polizisten vor dem Haus von Aung San Suu Kyi
AFP

Polizisten vor dem Haus von Aung San Suu Kyi


Auf das Haus von Burmas Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in der ehemaligen Hauptstadt Rangun ist ein Anschlag verübt worden. Nach Angaben der Polizei wurde gegen 06.30 Uhr Ortszeit (0 Uhr MEZ) ein Molotowcocktail auf das Gebäude geworfen, in dem die faktische Regierungschefin zu Oppositionszeiten viele Jahre unter Hausarrest stand. Nach ersten Erkenntnissen entstand nur geringer Sachschaden. Verletzt wurde niemand.

Die "Staatsrätin" - so der offizielle Titel - war nach Angaben einer Regierungssprecherin zu diesem Zeitpunkt nicht in dem Haus. Die 72-Jährige hielt sich in Naypyidaw auf, der heutigen Hauptstadt des südostasiatischen Landes. Die Polizei veröffentlichte auch das Foto eines Verdächtigen - ein etwa 40 Jahre alter Mann, der den für Burma typischen Wickelrock trägt, einen Longyi. Zu einem möglichen Motiv für den Angriff äußerten sich die Behörden nicht.

Suu Kyi hatte in dem Gebäude, das an einem See liegt, bis zu ihrer Freilassung 2010 insgesamt 15 Jahre unter Hausarrest verbracht. Später empfing sie dort auch wichtige Staatsgäste.

Ein Polizist im Sicherheitsposten für Suu Kyis Haus
AFP

Ein Polizist im Sicherheitsposten für Suu Kyis Haus

Die Nobelpreisträgerin steht wegen des brutalen Vorgehens von Burmas Armee gegen die muslimische Minderheit der Rohingya international in der Kritik. Mehr als 680.000 Muslime sind ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Die Uno stufte die Geschehnisse als ethnische Säuberungen ein. In Burma wird Suu Kyi in Burma immer noch als Freiheitsikone verehrt und achtungsvoll "die Lady" genannt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Burma betrachten die Rohingya als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl die Volksgruppe schon seit Generationen in Burma lebt.

Aktuell arbeiten Burma und Bangladesch an der Rückführung der Flüchtlinge. Bei den Vereinten Nationen gibt es allerdings keine große Hoffnung mehr auf die baldige Rückkehr. Die Uno-Sonderberichterstatterin für Burma, Yanghee Lee, sagte zum Abschluss einer Erkundungsreise: "Mir ist klar geworden, dass die Rohingya-Bevölkerung in baldiger Zeit nicht aus Bangladesch weggehen wird."

Ursprünglich hätte die Rückkehr der muslimischen Minderheit schon vor mehr als einer Woche anlaufen sollen. Lee bezeichnete die entsprechenden Vereinbarungen zwischen den beiden Nachbarländern als "verfrüht". Die Rohingya seien nur zu einer Rückkehr bereit, wenn sie Bürgerrechte bekämen und in ihrer Heimat ohne die Gefahr leben könnten, angegriffen zu werden. In Bangladesch leben die Flüchtlinge unter teils erbärmlichen Bedingungen.

aev/dpa/AFP



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