Burma Militär setzt Ultimatum - Demonstration wird aufgelöst

Die Drohung der Militärs hat gewirkt: Die Demonstranten in Rangun haben nach einem Ultimatum der Junta die Straßen geräumt. Soldaten hatten Warnschüsse abgefeuert, "extreme Aktionen" angekündigt und nahmen schließlich viele Menschen fest.


Rangun/New York - Das Militär ließ den Demonstranten wenig Zeit. Die Einsatzkräfte hatten mit neuer Gewaltanwendung gedroht. Sie forderten die Gegner der Junta auf, ihre Protestmärsche "innerhalb von zehn Minuten" aufzulösen, andernfalls werde es eine "extreme Aktion" geben. Zuvor waren Warnschüsse zu hören gewesen.

Wie Augenzeugen berichteten, rannten die Demonstranten von ihrem Kundgebungsort in der Nähe der Sule-Pagode im Stadtzentrum fort. Mindestens hundert Menschen wurden demnach festgenommen und mit Militärlastwagen abtransportiert. In der Nähe des Ranguner Hauptbahnhofs seien Schüsse gefallen, berichten Augenzeugen. Soldaten hätten Demonstranten zuvor aufgefordert, die Straßen zu räumen. Unter Berufung auf Augenzeugen meldete der in Oslo ansässige oppositionelle Rundfunksender "Democratic Voice of Burma", möglicherweise habe es bis zu neun Tote gegeben.

Mehr als 10.000 Menschen - die Nachrichtenagentur AP berichtet sogar von 70.000 Teilnehmern - hatten heute erneut das Versammlungsverbot der burmesischen Militärregierung ignoriert. Sie protestierten in der ehemaligen Haupstadt Rangun für mehr Demokratie.

Wie Augenzeugen berichteten, standen die Demonstranten - größtenteils junge Menschen und Studierende, aber nur einige wenige buddhistische Mönche - in der Nähe der Sule-Pagode einem Trupp bewaffneter Soldaten und Polizisten gegenüber.

Die Demonstranten sangen die Nationalhymne und ließen den burmesischen Unabhängigkeitskämpfer und Freiheitshelden General Aung San hochleben. Dessen Tochter, die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat die Militärregierung seit zwei Jahrzehnten unter Hausarrest gestellt.

Hunderte Soldaten sind laut Augenzeugen an strategisch wichtigen Punkten der Stadt postiert. Auch Wasserwerfer sollen im Einsatz sein. Außer der Sule-Pagode riegelten die Einsatzkräfte auch die Shwedagon-Pagode ab, Burmas bedeutendstes buddhistisches Heiligtum. Militärlastwagen fuhren durch die Stadt. Im Osten von Rangun feuerten die Einsatzkräfte Warnschüsse in die Luft ab, um kleinere Gruppen von Demonstranten auseinanderzutreiben, bevor sie sich zu einem Protestmarsch vereinigen konnten. Die meisten Geschäfte und Büros sind geschlossen.

Wenige Stunden zuvor hatten die Sicherheitskräfte mehrere Klöster durchsucht und Hunderte Mönche verhaftet. Nach einer relativ ruhigen Nacht stürmten die Militärs laut Augenzeugen zwei Klöster in Rangun. Auch im Nordosten des Landes soll es Razzien in Klöstern gegeben haben.

Beobachtern zufolge wurden allein in Rangun bis zu 200 Mönche festgenommen und unter Schlägen abgeführt. Bei den Männern handele es sich um Anführer der Proteste. "Selbst ein erkrankter Mönch wurde mitgenommen", klagte eine Klosterschülerin. Ein Mönch aus dem Kloster Ngwe Kyar Yan verwies auf Blutspuren am Boden, die nach seinen Angaben von Geschlagenen stammten. Die Soldaten hätten bei ihrer Razzia mehrfach in die Luft geschossen.

Auch Politiker der Nationalen Liga für Demokratie, der Partei von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, wurden festgenommen.

Am Mittwoch waren bei den Massenprotesten zahlreiche Mönche geschlagen worden. Über die Zahl der Opfer gibt es widersprüchliche Angaben. Die Militärs sprachen von einem Toten. Andere Quellen nannten die Zahl von fünf Toten.

Die Märsche der Mönche hatten vor knapp zehn Tagen als Reaktion auf drastische Erhöhungen der Benzin- und Gaspreise begonnen und sich zur größten Protestkundgebung seit Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988 entwickelt.

Der Uno-Sicherheitsrat konnte sich wegen des Widerstands Chinas nicht auf eine Verurteilung des Blutvergießens in Burma einigen. Bei einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch in New York verständigte sich das höchste Uno-Gremium lediglich auf einen zurückhaltenden Appell an die Machthaber in Burma

ler/dpa/Reuters/AP/AFP

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