Verfolgung der Rohingya in Burma Suu Kyi sagt Teilnahme an Uno-Vollversammlung ab

Knapp 400.000 muslimische Rohingya sind aus dem buddhistischen Burma geflohen. Die Uno spricht von "ethnischer Säuberung". Doch die regierende Friedensnobelpreisträgerin entzieht sich einer Aussprache.

Hilfslieferung der indonesischen Regierung für die Rohingya
AFP

Hilfslieferung der indonesischen Regierung für die Rohingya


Die Regierung Burmas um Aung San Suu Kyi hat ihre Teilnahme an der diesjährigen Uno-Vollversammlung in New York abgesagt. Das teilte ein Regierungssprecher mit, ohne nähere Gründe zu nennen.

Die Friedensnobelpreisträgerin steht international wegen des brutalen Vorgehens von Burmas Sicherheitskräften gegen die muslimische Minderheit der Rohingya in der Kritik. Suu Kyi führt seit 2016 in dem südostasiatischen Land als Staatsrätin praktisch die Regierung.

Mittlerweile flohen laut Uno-Angaben etwa 370.000 Rohingya aus Burma vor Verfolgung und kriegsähnlichen Zuständen ins Nachbarland Bangladesch. Die Uno hatte die Lage als "Beispiel für ethnische Säuberung" kritisiert.

Regierungschefin Suu Kyi äußerte sich bislang kaum zu der Verfolgung. Sie machte Terroristen für den Konflikt verantwortlich. An der Generaldebatte im Uno-Hauptquartier in New York nehmen jährlich im September Staats- und Regierungschefs aus aller Welt teil. An diesem Mittwoch will sich der Sicherheitsrat mit der Lage in Burma befassen.

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Rohingya in Burma: Durch den Schlamm nach Bangladesch

Indonesien hat derweil mit ersten Hilfstransporten nach Bangladesch begonnen, um die Flüchtlinge zu unterstützen. Vier Transport-Flugzeuge brachten insgesamt 34 Tonnen Hilfsgüter, vor allem Lebensmittel, Zelte und Kleidung. "Wir müssen unsere Hilfe massiv ausweiten", hatte zuvor George William Okoth-Obbo vom Uno-Flüchtlingswerk UNHCR nach einem Besuch in einem Flüchtlingscamp gesagt.

Viele Rohingya leben nach tagelangen Fußmärschen in vollen Flüchtlingslagern oder errichten entlang der Straßen, an Berghängen und im Wald provisorische Unterkünfte aus Bambus und Kunststoffplanen.

In Burma ist die große Mehrheit der Bevölkerung buddhistischen Glaubens. Die Rohingya gehören zur muslimischen Minderheit. Sie werden seit Jahren verfolgt. Die jüngste Gewaltwelle hatte am 25. August mit rund 30 Angriffen von Rohingya-Rebellen auf Polizei- und Militärposten in der Unruheprovinz Rakhine begonnen. Burmas Armee reagierte mit massiven Einsätzen gegen die Gewalt der Rebellengruppe namens Arakan Rohingya Salvation Army (Arsa).

Aung San Suu Kyi
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Aung San Suu Kyi

Die Rohingya sind staatenlos, seit ihnen 1982 die Staatsbürgerschaft aberkannt worden war. Vor der aktuellen Flüchtlingswelle waren bereits rund 400.000 Menschen nach Bangladesch geflohen.

apr/dpa/Reuters



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