Verfolgte muslimische Minderheit Burmas Armee gesteht Tötung von Rohingya

Das burmesische Militär hat erstmals zugegeben, an der Tötung von Rohingya beteiligt gewesen zu sein. Die Justiz des Landes hat unterdessen inhaftierte Journalisten angeklagt.

Rohingya-Flüchtlinge stehen in Bangladesch für Essen an
REUTERS

Rohingya-Flüchtlinge stehen in Bangladesch für Essen an


In Burma hat die Armee eine Beteiligung an der Tötung von zehn Angehörigen der muslimischen Rohingya eingeräumt. Die Armeeführung teilte mit, Soldaten und Bewohner des Dorfes Inn Din in der Krisenregion Rakhine hätten gestanden, Anfang September 2017 "zehn bengalische Terroristen" getötet zu haben.

Es ist das erste Mal, dass das Militär die Tötung von Angehörigen der muslimischen Minderheit einräumt. Bestätigt wurde in dem Zusammenhang erstmals auch die Aushebung eines Massengrabes in Inn Din. Im November hatte die Armee noch alle Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen zurückgewiesen.

Die getöteten Rohingya waren laut Armee in dem Dorf gefangen genommen worden, nachdem rund 200 Rohingya Grenzposten des Militärs angegriffen und elf Soldaten getötet hätten. Wegen der fortgesetzten Angriffe hätten es die Sicherheitskräfte als unmöglich angesehen, die zehn zu einer Polizeiwache zu bringen.

Journalisten wegen Gesetz aus Kolonialzeit angeklagt

"Es wurde die Entscheidung getroffen, sie auf einem Friedhof zu töten", hieß es. Ein Mob von Buddhisten habe zunächst ein Grab ausgehoben und sei dann mit Messern sowie landwirtschaftlichen Geräten auf die Männer losgegangen. Zudem hätten vier der Soldaten das Feuer eröffnet, teilt das Militär weiter mit.

Die Männer seien nicht im Kampf gestorben. Sowohl Soldaten als auch Rohingya-Dorfbewohner würden für den Vorfall entsprechend der Gesetze zur Rechenschaft gezogen.

Wegen blutiger Militäreinsätzen in Rakhine sind seit vergangenem August mehr als 640.000 Rohingya ins benachbarte Bangladesch geflohen. Der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, sprach von ethnischen Säuberungen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Land und die Regierung um Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wegen kriegsähnlicher Zustände - und prangern systematischem Mord, Vergewaltigungen und das Niederbrennen von Dörfern an.

Video: Das letzte Wort hat immer noch das Militär

REUTERS

Gegen zwei in Burma festgenommene Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters erhob das die Justiz des Landes derweil Anklage. Ihnen drohten bis zu 14 Jahre Haft, sagte der Anwalt der beiden Reporter. Ihnen werde ein Verstoß gegen ein Gesetz aus der britischen Kolonialzeit über Staatsgeheimnisse vorgeworfen. Über eine Freilassung gegen Kaution werde das Gericht am 23. Januar entscheiden.

Die Reuters-Reporter Wa Lone und Kyaw Soe Oo waren am 12. Dezember verhaftet worden. Dem Informationsministerium zufolge wird ihnen "illegale Informationsbeschaffung mit dem Ziel der Weitergabe an ausländische Medien" angelastet. Die Journalisten hatten an einem Bericht über das Vorgehen des Militärs gegen die muslimische Minderheit der Rohingya gearbeitet.

Reuters-Journalist Wa Lone
DPA

Reuters-Journalist Wa Lone

"Sie haben uns festgenommen und gehen gegen uns vor, weil wir versucht haben, die Wahrheit aufzudecken", sagte Wa Lone als er mit seinem Kollegen aus dem Gericht zurück ins Gefängnis in Yangon geführt wurde. Uno-Beobachter und Vertreter mehrerer westlicher Botschaften verfolgten die Gerichtsanhörung vor Ort. Die Europäische Union fordert von Burma die sofortige Freilassung der Reporter.

Reuters-Journalist Kyaw Soe Oo
DPA

Reuters-Journalist Kyaw Soe Oo

"Der Fall ist ein wichtiger Test für die Unabhängigkeit der Presse und Justiz sowie der Entwicklung der demokratischen Institutionen in dem Land", sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. Auch Amnesty International verurteilt die Festsetzung.

apr/AFP/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.