Burma: Regierung schafft Zensur ab

Es ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Öffnung des Landes: In Burma müssen Journalisten ihre Artikel künftig nicht mehr von der Regierung absegnen lassen - auch politische und religiöse Schriften werden nicht mehr zensiert. Bisher mussten sogar Märchen vorab von den Behörden genehmigt werden.

Journalisten protestieren in Rangun am 4. August gegen die Zensur - nun wurde sie abgeschafft Zur Großansicht
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Journalisten protestieren in Rangun am 4. August gegen die Zensur - nun wurde sie abgeschafft

Rangun - Die Regierung in Burma öffnet das Land weiter: Ab sofort müssten Publikationen vor ihrer Veröffentlichung nicht mehr zur Genehmigung vorgelegt werden, teilte das Informationsministerium des südostasiatischen Landes mit. Jahrzehntelang hatten sämtliche Publikationen - von Zeitungen über Liedtexte bis hin zu Märchen - vorab von den Behörden genehmigt werden müssen.

In Burma herrschte jahrzehntelang eine Militärjunta. Seit dem Frühjahr 2011 ist eine formal zivile Regierung unter Präsident Thein Sein an der Macht, die seither eine Reihe von Reformen einleitete. Auch die Medienzensur wurde im vergangenen Jahr allmählich gelockert. Nun wurde als letzte Etappe auch die Zensur politischer und religiöser Schriften abgeschafft.

Im Rahmen des Reformprogramms wurden auch Hunderte politischer Häftlinge freigelassen. Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die lange Jahre inhaftiert war oder unter Hausarrest stand, zog inzwischen ins Parlament ein. Anfang August übernahm Suu Kyi die Leitung der Parlamentskommission für Rechtsstaatlichkeit und Frieden. Die Kommission besteht aus 15 Mitgliedern, sie soll sich mit Fragen der Einbindung der ethnischen Minderheiten beschäftigen. Für Zündstoff dürfte in der Kommission die Lage der muslimischen Minderheit der Rohingya an der Grenze zu Bangladesch sorgen. In der Region sind bei Unruhen seit Ende Mai mehr als 70 Personen ums Leben gekommen. Die Rohingya sollen auch Thema des nächsten Gipfeltreffens der islamischen Staaten in Saudi-Arabien sein.

Sollte die Regierung in Burma ihren Reformkurs fortsetzen, steht dem Land nach Einschätzung der Asiatischen Entwicklungsbank dank seiner strategischen Lage, der Rohstoffe und der jungen Bevölkerung wirtschaftlich eine rosige Zukunft bevor. Das Land könne sieben bis acht Prozent Wachstum im Jahr schaffen und das Pro-Kopf-Einkommen bis 2030 verdreifachen, heißt es in einem Bericht, den die Organisation in Bangkok vorstellte.

anr/AFP/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. In jedem Land...
kingston007 20.08.2012
Zitat von sysopREUTERSEs ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Öffnung des Landes: In Burma müssen Journalisten ihre Artikel künftig nicht mehr von der Regierung absegnen lassen - auch politische und religiöse Schriften werden nicht mehr zensiert. Bisher mussten sogar Märchen vorab von den Behörden genehmigt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850911,00.html
gibt es Zensur und das wird auch die "Neue" Elite zu schätzen wissen...
2. Viel Glück, Burma
Arno Nühm 20.08.2012
Freut mich, auch mal was Positives in den Nachrichten zu lesen...
3. .
frubi 20.08.2012
Zitat von Arno NühmFreut mich, auch mal was Positives in den Nachrichten zu lesen...
Burma überrascht mich immer mehr. Der Reformprozess ist zwar noch lange nicht abgeschlossen und ob die Militärs jemals ganz auf die Macht verzichten werden, steht in den Sternen aber letztlich gibt es seit über 1 Jahr beinahe nur positive Nachrichten aus Burma.
4. ...
lab61 20.08.2012
Zitat von sysopREUTERSEs ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Öffnung des Landes: In Burma müssen Journalisten ihre Artikel künftig nicht mehr von der Regierung absegnen lassen - auch politische und religiöse Schriften werden nicht mehr zensiert. Bisher mussten sogar Märchen vorab von den Behörden genehmigt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850911,00.html
Es ist wirklich kaum zu glauben, in welch geradezu atemberaubender Geschwindigkeit die Militärs in Burma, die dieses Land Jahrzehnte lang im Würgegriff gehalten haben, ihre Macht plötzlich (scheinbar) wiederstandslos abgeben.
5. Wer weiss da mehr?
earl grey 20.08.2012
Zitat von lab61Es ist wirklich kaum zu glauben, in welch geradezu atemberaubender Geschwindigkeit die Militärs in Burma, die dieses Land Jahrzehnte lang im Würgegriff gehalten haben, ihre Macht plötzlich (scheinbar) wiederstandslos abgeben.
Das überrascht mich auch. Es gibt da kaum Hintergrund-Informationen, wie das so still und leise (und vor friedlich) gelaufen ist. Wer weiss da mehr?
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Bevölkerung: 47,963 Mio.

Hauptstadt: Naypyidaw

Staatsoberhaupt: Thein Sein

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