Ethnische Gewalt in Burundi Uno berichtet von Massengräbern und sexueller Gewalt

Droht in Burundi ein Bürgerkrieg? Die Uno warnt vor einer neuen Dimension der Gewalt in dem ostafrikanischen Krisenstaat. Menschen würden gefoltert, sexuelle Gewalt und Morde richteten sich vor allem gegen eine Volksgruppe.

Burundische Polizisten bei einer Festnahme: "Neue und äußerst beunruhigende Gewaltmuster"
AFP

Burundische Polizisten bei einer Festnahme: "Neue und äußerst beunruhigende Gewaltmuster"


Eigentlich hatte die internationale Gemeinschaft gehofft, in Burundi sei die ethnische Gewalt mit dem Friedensabkommen von 2006 überwunden. Doch nun mehren sich die Zeichen, dass es wieder zu völkermordähnlichen Übergriffen kommt: Dem ostafrikanischen Krisenstaat drohe der Rückfall in einen ethnisch motivierten Bürgerkrieg, teilte die Uno am Freitag mit.

"Alle Alarmsignale leuchten rot", erklärte Uno-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein am Freitag in Genf. Hussein sprach von Folter, Entführungen, Vergewaltigungen, Morden und mindestens neun Massengräbern, die Augenzeugen beobachtet haben wollen. Eines davon soll sich auf einem Militärstützpunkt befinden. Es werde versucht, diese "äußerst schwerwiegenden Vorwürfe" mithilfe von Satellitenbildern aufzuklären. Besonders beunruhigend seien Berichte, wonach sich die Gewalt vor allem gegen Angehörige der Tutsi-Volksgruppe gerichtet haben soll.

Nach Angriffen auf drei Militärstützpunkte durch Oppositionelle am 11. Dezember vergangenen Jahres hatten Burundis Behörden von 87 Toten gesprochen. Laut Uno wurden jedoch mindestens 130 Menschen getötet. Hussein sprach von "neuen und äußerst beunruhigenden Gewaltmustern".

"Erhebliche Zahl" junger Männer gefoltert, getötet, verschleppt

Auslöser der Krise in Burundi war die Ankündigung von Präsident Pierre Nkurunziza im April, für eine dritte Amtszeit anzutreten. Die Regierung geht seitdem mit Gewalt gegen Proteste der Opposition vor. Nach Uno-Schätzungen wurden mindestens 439 Menschen in den vergangenen neun Monaten getötet. Zehntausende flohen, viele in das benachbarte Tansania. Einen Militärputsch gegen sich wehrte Nkurunziza erfolgreich ab, im Juli ließ er sich erneut zum Präsidenten wählen. Die Opposition hatte die Wahl boykottiert und setzte ihre Proteste fort.

Im Zusammenhang mit den Gewalttaten, die am 11. Dezember begannen, gebe es Belege für mindestens 13 Fälle von sexueller Gewalt gegen Frauen, so Menschenrechtskommissar Hussein. Sicherheitskräfte seien in Häuser eingedrungen und hätten Frauen vergewaltigt. Dabei soll es auch zu Gruppenvergewaltigungen gekommen sein. Außerdem hätten Polizei und Armee "eine erhebliche Zahl" junger Männer festgenommen, von denen viele später gefoltert, getötet oder verschleppt worden seien.

Hussein warnte vor einem "kompletten Zusammenbruch von Recht und Gesetz" in Burundi. Burundi war in den Jahren 1993 bis 2006 von Kämpfen zwischen Hutu-Rebellen und der bis dahin von Tutsi dominierten Armee zerrissen worden. In dem ethnisch motivierten Konflikt wurden damals rund 300.000 Menschen getötet.

cht/AFP



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