Deutsche Grenze Busfahrer biegen falsch ab - Ermittlungen wegen Schleuserverdacht

Plötzlich in Deutschland: Zwei Busfahrer aus Österreich haben offenbar aus Versehen den falschen Weg genommen. An Bord waren Dutzende Flüchtlinge, jetzt ermittelt die Bundespolizei.

Österreichische Polizisten  am  Grenzübergang nach Deutschland: "Schleusung ist eine Straftat"
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Österreichische Polizisten am Grenzübergang nach Deutschland: "Schleusung ist eine Straftat"


Dutzende Busse kommen jeden Tag an der deutsch-österreichischen Grenze an. Dort werden die Menschen auf der Flucht in Empfang genommen und auf Einrichtungen in Bayern verteilt. Auf ihrem Weg zum Grenzübergang in Passau sind zwei Busfahrer nun offensichtlich falsch abgebogen - und fälschlicherweise auf der deutschen Seite gelandet. Nun stehen sie unter Schleuserverdacht.

Weil beide Fahrzeuge mit Flüchtlingen voll besetzt waren, werde gegen beide Fahrer wegen des Verdachts der Schleusung ermittelt, sagte der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung, Frank Koller. Die Fahrer hatten angegeben, an einer Kreuzung, kurz vor dem ehemaligen Grenzübergang Achleiten-Passau, in eine falsche Straße eingebogen zu sein.

"Schleusung ist eine Straftat. Da müssen wir zwingend ermitteln", sagte Koller. Ob die Fahrer in Untersuchungshaft kommen, entscheidet nun ein Passauer Staatsanwalt. "Aufgrund der besonderen Umstände ist damit aber nicht zu rechnen", sagte der Sprecher der Bundespolizei.

Nach der Befragung und Zeugenvernehmung werden die beiden Fahrer wohl auf freien Fuß gesetzt. Eine Anzeige bekommen sie aber auf jeden Fall. Die etwa hundert Flüchtlinge wurden am Abend mit anderen Bussen in deutsche Notquartiere gebracht.

Tausende harren in der Kälte aus

Noch immer kommen täglich Tausende Menschen an der deutsch-österreichischen Grenze an. Insgesamt rechnete die Bundespolizei am Donnerstag mit 6500 Neuankömmlingen.

Allein etwa 2000 Menschen erreichten bis zum Nachmittag die Grenzübergänge in der Region Passau und den Übergang Wegscheid etwa 35 Kilometer weiter östlich. Das sagte Frank Koller von der Bundespolizei in Freyung. "Es ist ein stetiger Zulauf." Die österreichischen Behörden hätten bis zum Abend je 40 Busse mit Flüchtlingen für Wegscheid und Achleiten angekündigt. Hinzu komme der Bahnverkehr.

Thomas Schweikl von der Bundespolizei wies darauf hin, dass sich die Lage durch das Wetter verschärft habe. Inzwischen habe Sprühregen eingesetzt, hinzu kommt Kälte.

Am Morgen waren die Notquartiere für Flüchtlinge im Raum Passau noch komplett überfüllt. Erst gegen 3 Uhr in der Nacht waren die letzten wartenden Flüchtlinge von den Grenzorten in die Unterkünfte gebracht worden. "Die Menschen mussten länger in der Kälte ausharren, als uns lieb war", sagte Heinrich Onstein von der Bundespolizei.

Eine wichtige Aufgabe für die Bundespolizei war daher, die Unterkünfte im Tagesverlauf so rasch wie möglich zu räumen. Die Menschen könnten schließlich erst aus der Kälte geholt werden, wenn in den Unterkünften Platz frei geworden sei, betonte der Sprecher.

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brk/dpa



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