Bush und Türkei düpiert US-Kongressausschuss erkennt Völkermord an Armeniern an

Trotz Warnungen von US-Präsident Bush hat ein Kongressausschuss die Tötung von Armeniern Anfang des vorigen Jahrhunderts als Völkermord verurteilt. Nun fürchtet Bush um die guten Beziehungen zur Türkei - deren Ministerpräsident Erdogan hat bereits mit Konsequenzen gedroht.


Washington - Der Ausschuss stimmte einer Resolution zu, in der die Ermordung von Armeniern im Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg als Völkermord gebrandmarkt wird. Präsident George W. Bush hatte unmittelbar zuvor noch erklärt, bei einer Verabschiedung der Resolution würden die Beziehungen zur Türkei "schweren Schaden" nehmen. Die USA würden "eine bedeutsame Schwächung ihrer Partnerschaft mit einem sehr wichtigen Verbündeten in der Region" erleben.

Der US-Präsident verwies darauf, dass die Türkei ein wichtiger Verbündeter der Vereinigten Staaten in der Nato und im Kampf gegen den Terror sei. Auch Außenministerin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister Robert Gates wandten sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen die Resolution. Beide verwiesen auf die strategische Bedeutung der Türkei im Zusammenhang mit dem amerikanischen Militäreinsatz im Irak. Allein 70 Prozent der amerikanischen Lufttransporte in den Irak gingen über die Türkei, erklärte Gates.

Bush hat die Ermordung von rund 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg als eine der größten Tragödien des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Er vertritt jedoch die Auffassung, dass historische Untersuchungen klären müssten, ob dafür der Begriff Völkermord verwendet werden sollte. Eine Definition per Gesetz sei unangemessen.

Die Türkei hat es bislang abgelehnt, eine historische Verantwortung für die Vorfälle gegen Ende des Osmanischen Reiches zu übernehmen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte am vergangenen Freitag in einem Telefongespräch mit Bush, die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA würden Schaden nehmen, falls der vorliegende Antrag vom Kongress verabschiedet würde.

Im US-Kongress gibt es schon seit Jahren Bestrebungen, die Armenier-Massaker offiziell als Völkermord anzuerkennen. Ein entsprechender Entwurf wurde im Oktober 2000 fallen gelassen, nachdem der damalige US-Präsident Bill Clinton seinen Widerstand erklärt hatte.

tno/AP/AFP



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