Bush vor dem Kongress: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns

US-Präsident George W. Bush hat die Taliban in Afghanistan ultimativ aufgefordert, den mutmaßlichen Terroristen Bin Laden auszuliefern. In einer kämpferischen Rede vor dem Kongress beschwor er den Kampfgeist Amerikas. Die Abgeordneten dankten es ihm mit Beifall, Jubel und Standing Ovations.

Bushs Aufforderung an die US-Truppe: "Seid bereit"
AP

Bushs Aufforderung an die US-Truppe: "Seid bereit"

Washington - Es war ein Triumphmarsch des Präsidenten zum Podium - minutenlanger Applaus, Dutzende Hände, die er schütteln musste. Zu Beginn seiner 40-minütigen Rede lobte Bush den Heroismus amerikanischer Bürger während und nach den Terroranschlägen. Er begrüßte Lisa Beamer, die Witwe eines Passagiers in dem entführten Flugzeugs, der gegen die Entführer rebelliert hatte. Auch sie wurde mit herzlichem Beifall bedacht.

Bush gelobte den Amerikanern, dass es Gerechtigkeit geben werde. "Wir sind ein starkes Land. Gerechtigkeit wird geleistet werden. Unsere Trauer wurde zu Wut und unsere Wut zu Entschlossenheit", rief er den Kongressmitgliedern zu.

Zugleich erinnerte der Präsident daran, dass etliche Nationen bei dem Anschlag Staatsbürger verloren hatten. Und er bedankte sich bei "der Welt für ihre Unterstützung" in den schweren Stunden nach dem Anschlag. Besonders hob er die Treue Großbritanniens hervor. Es sei "Amerikas wahrhaftester Freund". Immer wieder wurde Bush von Beifall unterbrochen.

Amerika habe lernen müssen, dass es nicht immun gegen Angriffe sei. "Ich werde diese Wunde in unserem Land oder diejenigen, die sie zugefügt haben, nicht vergessen", sagte Bush.

Bedingungen an Taliban nicht verhandelbar

Dann nannte der Präsident die Täter beim Namen. Er forderte die Taliban-Führung in Afghanistan offiziell auf, alle Mitglieder der mutmaßlichen Terrororganisation al-Qaida auszuliefern und alle im Land festgehaltenen Ausländer freizulassen. Zudem müssten die Taliban den USA vollen Zugriff auf die Trainingslager geben. Diese Bedingungen seien nicht verhandelbar. "Die Taliban müssen die Terroristen ausliefern oder ihr Schicksal teilen", wiederholte er.

Bush machte die Gruppe des mutmaßlichen Terroristenführers Osama Bin Laden für die Terroranschläge in den USA verantwortlich. Darauf deuteten die zusammengetragenen Beweise hin. Er betonte, die Vereinigten Staaten schätzten das afghanische Volk, aber sie verurteilten die Taliban-Führung.

Zivilisierte Welt versammelt sich an der Seite Amerikas

Von diesem Tag an, so Bush, werde jeder Staat, der Terroristen unterstützt, von den USA als feindliches Land angesehen. Die Botschaft laute: "Entweder ihr seid für uns, oder ihr seid für den Terrorismus."

Die Staaten der Welt rief der Präsident auf, sich an dem Kampf mit Polizei, Geheimdiensten und Bankeninformationen zu beteiligen. "Die zivilisierte Welt versammelt sich an der Seite Amerikas", sagte Bush weiter. "Sie wissen, wenn der Terror ungestraft bleibt, könnten ihre Städte, ihre Staatsbürger als Nächste an der Reihe sein." Wenn man auf den Terror nicht reagiere, könne er nicht nur Gebäude zum Einsturz bringen, sondern die Stabilität legitimer Regierung bedrohen, und das werde man nicht zulassen.

Neues Amt für Heimatschutz

Die Streitkräfte wies Bush an, bereit zu sein für die langwierige Schlacht gegen den Terrorismus. "Die Stunde wird kommen, in der Amerika handeln wird, und ihr werdet uns mit Stolz erfüllen."

Bush kündigte zugleich die Schaffung eines Amts für Heimatschutz an. Zum Chef des neuen Amtes, das für die Abwehr möglicher Terroranschläge zuständig sein soll, ernannte er den Gouverneur von Pennsylvania, Tom Ridge. Er war während des Wahlkampfs bereits als Bushs Kandidat für den Posten des Vizepräsidenten im Gespräch gewesen.

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