Von Marc Pitzke, New York
Eine längere Passage widmet Bush dem deutschen Ex-Kanzler Gerhard Schröder - und der kommt dabei nicht gerade vorteilhaft weg. Schröder sei einer der Staatsoberhäupter gewesen, "die am schwersten zu durchschauen waren". Anfangs sei er "gelassen, umgänglich und interessiert" daran gewesen, "unsere bilaterales Verhältnis zu stärken". So habe er, Bush, Schröders "Führungskraft in Sachen Afghanistan zu schätzen" gewusst.
Anders beim Irak. "Ich besprach den Irak mit Gerhard während seines Besuchs im Weißen Haus am 31. Januar 2002", erinnert sich Bush an ein Treffen mit Schröder, bei dem er auch eine mögliche Invasion angesprochen habe. "Die militärische Option war meine letzte Wahl, aber ich würde sie nutzen, sofern nötig." Schröder habe dem zugestimmt: "Was für Afghanistan richtig ist, ist auch für den Irak richtig. Nationen, die den Terrorismus unterstützen, müssen mit Konsequenzen rechnen. Wenn Sie es schnell und entschieden erledigen, dann bin ich mit Ihnen."
Im Bundestagswahlkampf habe Schröder dann plötzlich "einen anderen Dreh" gehabt, klagt Bush. Dabei sei er, Bush, von anderen Mitgliedern der Bundesregierung sogar beleidigt worden. So habe ihn die damalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) - die Bush freilich nicht namentlich erwähnt - mit Hitler verglichen. "Ich war schockiert und empört", erinnert er sich. "Man kann sich kaum etwas Beleidigenderes vorstellen, als von einem deutschen Regierungsvertreter mit Hitler verglichen zu werden." Danach sei das "konstruktive Verhältnis" zu Schröder zerrüttet gewesen.
Schröder selbst hat Bushs Behauptungen zur Vorgeschichte des Irak-Kriegs sofort als eine Lüge zurückgewiesen. "Der frühere amerikanische Präsident Bush sagt nicht die Wahrheit", erklärte der Altkanzler. In dem Gespräch sei es um die Frage gegangen, ob die Terroristen, die für die Anschläge des 11. September 2001 in den USA verantwortlich waren, von Saddam Hussein unterstützt würden. "Wie auch bei meinen späteren Treffen mit dem US-Präsidenten habe ich damals deutlich gemacht, dass Deutschland, sollte sich der Irak wie zuvor Afghanistan tatsächlich als Schutzraum und Zufluchtsort für Al-Qaida-Kämpfer erweisen, zuverlässig an der Seite der USA stehen würde", so Schröder. "Dieser Begründungszusammenhang war jedoch, wie sich im Laufe des Jahres 2002 herausstellte, falsch und konstruiert."
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