Bushs Memoiren: Eine Präsidentschaft wie im Märchenbuch

Von , New York

Er geht zu Oprah und gibt Autogramme, er verteidigt Foltermethoden und legt sich mit Gerhard Schröder an. George W. Bush hat wieder eine Mission: die Reinwaschung seiner Präsidentschaft. Tatsächlich halten seine Memoiren einer Faktenprüfung kaum stand. Ein Realitätscheck.

Bush: Mr. President auf PR-Tour Fotos
AP/ Harpo Productions

Wo ist George W. Bush in den letzten zwei Jahren nur gewesen? Oprah Winfrey weiß es: "Er hat schwer hieran gearbeitet", jubelt die US-Talkgöttin und hält triumphierend ein dickes Buch hoch - unter dem Gekreische ihres weitgehend weiblichen Studiopublikums.

Bei dem Buch handelt es sich, wie längst jeder weiß, um die Memoiren des früheren amerikanischen Präsidenten. Die vermarktet Bush gerade mit einer PR-Tour auf allen Kanälen. Am Montag gab es ein freundliches Interview mit NBC-Star Matt Lauer, wohl um männliche Leser zu ködern. Am Dienstag stand Winfrey auf dem Programm, für die Damen offenbar. Und auch hier ging es nett zu: "Ich bin wirklich, wirklich stolz, Sie hier zu haben", gurrt Winfrey zur Begrüßung und greift in der folgenden Stunde immer wieder nach Bushs Hand.

"Decision Points" heißt das Buch - "Entscheidungspunkte" oder, zutreffender vielleicht, "Momente der Entscheidung". Es umfasst 497 Seiten (inklusive Namensverzeichnis). Es hat außerdem 33 Seiten mit Fotos (Farbe und schwarzweiß). Vor allem aber offenbart es, wie Bush sich selbst sieht - oder wie er will, dass die Welt ihn sieht.

Bush vereinfacht, verklärt, und manchmal verfälscht er auch. Kapitel für Kapitel stellt er Behauptungen auf, die sich häufig widerlegen lassen, belebt alte Mythen wieder und schafft neue, wohl um seine eigene Legendenbildung voranzutreiben. Er vergleicht sich mit legendären Vorgängern wie John Adams, Abraham Lincoln und dem Weltkriegspräsidenten Franklin Roosevelt.

Ob er keinen Anlass sehe, sich bei den Amerikanern zu entschuldigen, wollte Matt Lauer wissen. Bush schaut ungläubig. Entschuldigen? Wofür? " Katrina"? Irak? Die Lüge um die Massenvernichtungswaffen? "Sich zu entschuldigen würde ja heißen, dass die Entscheidung eine falsche Entscheidung war." Und ein Bush fälle keine falschen Entscheidungen.

Welche Aussagen Bushs sind fragwürdig? An welchen Stellen entsteht der Eindruck der Legendenbildung? Ein Faktencheck.

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insgesamt 127 Beiträge
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1. ooo
MarkH, 10.11.2010
Zitat von sysopEr geht zu Oprah und gibt Autogramme, er verteidigt Foltermethoden und legt sich mit Gerhard Schröder an. George W. Bush hat wieder eine Mission: die Reinwaschung*seiner Präsidentschaft. Tatsächlich halten seine Memoiren einer Faktenprüfung kaum stand. Ein Realitätscheck. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,728233,00.html
Ich finde, Herr Busch verhält sich vorbildlich .. er opfert seinen guten Ruf für die globalen Märkte.
2. Shame on you Mr. Bush!
Blaumilchvor 10.11.2010
Zitat von sysopEr geht zu Oprah und gibt Autogramme, er verteidigt Foltermethoden und legt sich mit Gerhard Schröder an. George W. Bush hat wieder eine Mission: die Reinwaschung*seiner Präsidentschaft. Tatsächlich halten seine Memoiren einer Faktenprüfung kaum stand. Ein Realitätscheck. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,728233,00.html
...wer mehr wissen will über diese Kriegsverbrechen der Bush-Regierung sollte sich die preisgekrönte Dokumentation "Taxi zur Hölle" ansehen...wenn ich Amerikaner wäre könnte ich mich nur noch schämen für dieses Land mit diesem damaligen Präsidenten...
3. Vorsicht mit vorschnellen Urteilen
leser75 10.11.2010
Zitat von sysopEr geht zu Oprah und gibt Autogramme, er verteidigt Foltermethoden und legt sich mit Gerhard Schröder an. George W. Bush hat wieder eine Mission: die Reinwaschung*seiner Präsidentschaft. Tatsächlich halten seine Memoiren einer Faktenprüfung kaum stand. Ein Realitätscheck. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,728233,00.html
Bevor ich ein solches Buch gelesen habe, erlaube ich mir kein abschließendes Urteil über den Autor - aber das scheint heutzutage nicht mehr üblich, man urteilt, weil der betreffende Mensch ja längst in einer bestimmten Schublade gelandet ist.
4. ..
Morgenstern064 10.11.2010
Zitat von MarkHIch finde, Herr Busch verhält sich vorbildlich .. er opfert seinen guten Ruf für die globalen Märkte.
Genau, ein wahrer Martyrer der Neocons.
5. ...
Klo, 10.11.2010
Zitat von sysopEr geht zu Oprah und gibt Autogramme, er verteidigt Foltermethoden und legt sich mit Gerhard Schröder an. George W. Bush hat wieder eine Mission: die Reinwaschung*seiner Präsidentschaft. Tatsächlich halten seine Memoiren einer Faktenprüfung kaum stand. Ein Realitätscheck. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,728233,00.html
Märchenbuch ist genau das richtige Wort. Darin ist er ja bekanntlich geübt.
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