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Bushs neue Nachdenklichkeit: "Ich wollte diesen Krieg nicht"

Der oberste Befehlshaber der US-Army klingt neuerdings weniger martialisch: Der Irak-Krieg habe seinem Ansehen geschadet, räumte Präsident Bush nun erstmals ein. Er selbst habe den Krieg nicht gewollt. Doch ein Rückzug der Truppen komme vorerst nicht in Frage.

Washington - Über die Lage im Irak äußert sich Bush gerade in einer Ansprachen-Serie. Nicht nur in Washington, auch in Cleveland äußerte sich der Präsident zu dem Feldzug im Irak. Der amerikanische Präsident will die amerikanische Öffentlichkeit, die immer skeptischer wird, von der Richtigkeit des Krieges zu überzeugen. So gab Bush in Cleveland den Medien die Schuld an der schlechten Stimmung, weil sie immer nur negative Meldungen über die US-Mission veröffentlichte.

US-Präsident George W. Bush: "Niemand mag Krieg"
REUTERS

US-Präsident George W. Bush: "Niemand mag Krieg"

Immer gab sich der Präsident optimistisch, was den Ausgang des Einsatzes der US-Truppen drei Jahre nach dem Krieg angeht. Doch bei seiner gestrigen Pressekonferenz im Weißen Haus präsentierte sich Bush den Journalisten in einer wechselnden Stimmung. Mal habe er entspannt, dann aber auch gereizt auf die Fragen reagiert, urteilt die "New York Times". Als die langjährige Washington-Korrespondentin Helen Thomas wissen wollte, warum er den Irak-Krieg begonnen habe, fuhr es aus Bush heraus: "Bei allem Respekt, Helen: Mir zu unterstellen, dass ich diesen Krieg gewollt habe, ist schlichtweg falsch."

Bush gab sogar zu, dass ihn der Irak-Krieg ein großes Stück seiner politischen Kraft gekostet habe, die er seit seiner Wiederwahl vor zwei Jahren noch besaß. Wenn es ihm nicht gelänge, die skeptische Bevölkerung davon zu überzeugen, diese Mission erfolgreich zu beenden, würde diese seine ganze Amtszeit überschatten, sagte der Präsident.

Er glaube noch immer an einen Erfolg, beteuerte Bush. Er gab aber auch zu, dass Fehler beim Irak-Einsatz gemacht worden seien. Kriegspläne sähen immer gut auf dem Papier aus, "bis man den Feind sieht". Bush räumte ein, dass der Gegner im Irak das US-Militär zu einer Änderung der Taktik gezwungen habe. Dadurch sei wertvolle Zeit verlorengegangen, auch wenn Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einen "guten Job" mache und er keinen Anlass für einen Rücktritt des Pentagon-Chefs sehe.

"Niemand mag Krieg. Er führt zu einem Gefühl der Unsicherheit im Land", gab Bush zu. Seit dem Einmarsch der USA vor drei Jahren kamen dort bislang mehr als 2300 amerikanische Soldaten ums Leben. Ein baldiger Abzug der Truppen wäre ein großer Fehler, warnte er. "Eine Niederlage im Irak, die wir aber nicht erleiden werden, würde eine ganze Reihe furchtbarer Signale an einen Feind senden, der uns treffen will."

Bush widersprach zwar dem irakischen Ministerpräsidenten Ijad Alawi, der offen von einem Bürgerkrieg im Irak spricht. Aber auch der US-Präsident räumte ein, dass es weitere "harte Gefechte" geben werde.

Bush geht davon aus, dass selbst zum Ende seiner Amtszeit Anfang 2009 noch US-Soldaten im Irak sein werden. Er wolle keinen Zeitplan bekanntgeben, sagte er. Zwar sei ein vollständiger Abzug "natürlich ein Ziel". Aber "das wird von künftigen Präsidenten und künftigen irakischen Regierungen entschieden".

Alwin Schröder

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