Cains Interview-Aussetzer "Okay, Libyen..."

Der nächste Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner redet sich um Kopf und Kragen: Herman Cain geriet in einem Interview beim Thema Libyen schwer ins Stottern. Zuvor hatte sich bereits Rivale Rick Perry mit einem Aussetzer vor TV-Publikum blamiert.

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Washington - Okay, man kann ja nicht auf alles gleich eine gute Antwort haben, mag sich Herman Cain nach dem Interview mit dem "Milwaukee Journal Sentinel" gedacht haben. Aber eine gute Vorbereitung auf das Gespräch wäre für den Republikaner, der derzeit um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei kämpft, sicherlich sinnvoll gewesen. Denn jetzt können Millionen Internet-Nutzer sehen, wie der mögliche Herausforderer von Barack Obama bei einer wichtigen außenpolitischen Frage ins Schwitzen gerät.

Ob er die Libyen-Politik des US-Präsidenten unterstütze, wird er in dem Interview gefragt. Cain zupft sichtlich nervös an seinem Sakko und an seinem roten Schlips, schaut an die Decke, schließt die Augen und sagt schließlich erst einmal nur "Okay, Libyen". Dann schweigt er, beugt sich nach vorn und schiebt die vor ihm stehende Wasserflasche nach vorne.

Schließlich der Versuch einer Antwort: "Präsident Obama", wieder folgt eine Pause, "hat den Aufstand unterstützt. Das ist doch so?", vergewissert sich Cain. "Präsident Obama hat den Rücktritt Gaddafis gefordert. Ich will mich nur versichern, dass wir über dasselbe sprechen, bevor ich sage, ob ich zustimme oder nicht."

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Herman Cain: Ärger an allen Fronten
Er lehne Obamas Politik ab, sagte Cain dann - nur um sich sogleich erneut zu unterbrechen und noch einmal neu zu beginnen. Doch auch nach einer weiteren Nachfrage bleibt seine Antwort auf die Frage unklar.

Das fünfminütige Video verbreitete sich anschließend über den Kurznachrichtendienst Twitter umgehend im Internet. Cains außenpolitischer Aussetzer ist nicht die erste schwere Panne eines möglichen Obama-Herausforderers. Erst vergangene Woche hatte sich sein Mitbewerber Rick Perry während einer Fernsehdebatte blamiert. Dem ultrakonservativen Gouverneur von Texas war nicht mehr eingefallen, welches dritte Regierungsressort er abschaffen will, sollte er zum US-Präsidenten gewählt werden.

Ex-Freund bestätigt Vorwürfe gegen Cain

Für Herman Cain kommt der peinliche Interview-Auftritt ohnehin zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Seit Wochen steht er im Mittelpunkt einer Sex-Affäre. Er wird von vier Frauen beschuldigt, sie belästigt zu haben. Der Skandal gefährdet seine Präsidentschaftskandidatur massiv.

Victor Zuckerman, der Ex-Freund von Sharon Bialek, einer der betroffenen Frauen, legt jetzt gegen Cain nach. Der Kinderarzt bestätigte in einem Interview die Vorwürfe der Frau. Die damals einen Arbeitsplatz suchende Bialek habe ihm gleich nach einem Treffen mit Cain berichtet, dass der Politiker ihr gegenüber "unangemessene Forderungen" gestellt habe, wenn er ihr helfen solle. Sharon Bialek hatte kürzlich behauptet, Cain habe ihr bei dem Treffen unter den Rock gegriffen. Als sie sich wehrte, soll er gesagt haben: "Du willst doch einen Job, oder?"

Rückendeckung bekam der Republikaner von seiner Ehefrau. Gloria Cain sagte dem Fernsehsender Fox News in einem Interview, ihr Mann respektiere Frauen voll und ganz. "Um die Dinge zu tun, die ihm vorgeworfen werden, müsste er eine gespaltene Persönlichkeit haben", sagte sie. Da sie seine Persönlichkeit aber kenne, glaube sie nicht an die Vorwürfe.

In jüngsten Umfragen lag Cain Kopf an Kopf mit oder sogar vor seinem parteiinternen Konkurrenten Mitt Romney, dem früheren Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts. Cain teilte inzwischen mit, er sei bereit, sich einem Test mit einem Lügendetektor zu unterziehen, um zu beweisen, dass er die Wahrheit sagt.

als/AFP/dapd

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insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
katjahe 15.11.2011
1. ...
Zu diesen politischen Lachnummern fällt einem nichts mehr ein. Einfach THE DAILY SHOW mit Jon Stewart anschauen - und sicherlich auch etwas einen kalten Schauer den Rücken hinunterlaufend, dass man zu der Erkenntnis kommen muss, dass George Bush diesen Präsidentschaftskandidaten gegenüber noch seriös wirkte.
tailspin 15.11.2011
2. Just nuke 'em
Zitat von sysopDer nächste Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner redet sich um Kopf und Kragen: Herman Cain geriet in einem Interview beim Thema Libyen schwer ins Stottern. Zuvor hatte bereits Rivale Rick Perry mit einem Aussetzer vor TV-Publikum blamiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797790,00.html
Wissen wir eigentlich schon, ob Libyen gut ausgegangen ist?
juerv1, 15.11.2011
3. .
Bei den Reps treten offenbar nur noch die größten Trottel an, die zu finden waren. Das hat immerhin großen Unterhaltungswert - jedenfalls so lange, bis einer von ihnen am Atomknopf sitzt.
fleischwurstfachvorleger 15.11.2011
4. Und dann fragen Sie mal unsere Politiker
Zitat von sysopDer nächste Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner redet sich um Kopf und Kragen: Herman Cain geriet in einem Interview beim Thema Libyen schwer ins Stottern. Zuvor hatte bereits Rivale Rick Perry mit einem Aussetzer vor TV-Publikum blamiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797790,00.html
..... zum Thema europäischer Rettungsschirm, oder irgendeine andere fachfrage, bei der man nicht nur eine Wortblase abgeben kann!! Die Masse der Menschen ist einfach dumm. Und Politiker sind Menschen. Das merkt man täglich.
green_mind 15.11.2011
5. Wer weiß,
Zitat von sysopDer nächste Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner redet sich um Kopf und Kragen: Herman Cain geriet in einem Interview beim Thema Libyen schwer ins Stottern. Zuvor hatte bereits Rivale Rick Perry mit einem Aussetzer vor TV-Publikum blamiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797790,00.html
Wer weiß, ob Obama vorher wusste, wo Libyen liegt, und ob er die dortigen politischen Verhältnisse kannte. Es sind sowieso die Berater aus dem Hintergrund, die den jeweiligen Präsidenten mit den entsprechenden Informationen und Handlungsempfehlungen versorgen. Obamas außenpolitische Beraterin Samantha Power hat den eigentlich zögernden Obama bekanntlich in Richtung Unterstützung der libyschen "Rebellen" gepusht. Und sie ist für ihre engen Beziehungen zu Soros und dessen R2P-Agenda bekannt. So wird Politik gemacht. Es ist nicht so wichtig, ob der Präsident weiß, wo Libyen liegt. Und "Sex-Skandale" kommen doch oft genug dann hoch, wenn ein Politiker rausgezogen werden soll, es gibt etliche Bespiele. Es scheint, als ob Cain es nicht werden soll. aha.
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