Massenschlägerei unter Migranten Frankreichs Innenminister beklagt "nie gekanntes Ausmaß" der Gewalt

Im französischen Calais haben sich Migranten brutale Massenschlägereien geliefert. Mehrere Menschen wurden verletzt - zum Teil schwer. Innenminister Collomb spricht von einer "unerträglichen" Situation.


Sie gingen mit Eisenstangen aufeinander los, Schüsse fielen: Bei Massenschlägereien unter Migranten in der französischen Stadt Calais sind mehrere Menschen schwer verletzt worden. Fünf Flüchtlinge hätten lebensbedrohliche Schusswunden erlitten, 18 weitere seien durch Schläge verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Frankreichs Innenminister Gérard Collomb begab sich noch in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nach Calais, um mit den Behörden über die angespannte Lage zu beraten. Collomb klagte über ein "nie gekanntes Ausmaß" der Gewalt. Die Situation für die Einwohner der Hafenstadt am Ärmelkanal sei "unerträglich", sagte er. "Wir können nicht das Recht des Stärkeren in unserem Land herrschen lassen."

In Calais stranden seit Jahren Migranten, die illegal nach Großbritannien weiterreisen wollen. Im Oktober 2016 hatte der Staat ein riesiges inoffizielles Flüchtlingscamp geräumt und verhindert seitdem die Entstehung neuer Lager. Trotzdem halten sich nach Schätzungen mehrere Hundert Migranten in der Region auf, laut Hilfsorganisationen leben sie unter sehr prekären Bedingungen.

Mit Eisenstangen und Stöcken

Zu den ersten gewaltsamen Zusammenstößen war es nach Polizeiangaben am Donnerstagnachmittag in der Nähe eines Krankenhauses gekommen: Etwa hundert Migranten aus Eritrea und etwa 30 Afghanen gingen demnach aufeinander los, nachdem ein Afghane Schüsse abgefeuert hatte.

Eine zweite Schlägerei habe es kurze Zeit später fünf Kilometer weit entfernt auf einem Industriegelände gegeben. Dort hätten mehr als hundert Eritreer eine Gruppe von 20 Afghanen mit Eisenstangen und Stöcken angegriffen. Die Polizei musste nach eigenen Angaben dazwischengehen, um die Afghanen zu schützen.

Vier schwerverletzte Eritreer zwischen 16 und 18 Jahren wurden in Krankenhäuser von Calais eingeliefert, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Der fünfte Schwerverletzte wurde wegen seines sehr schlechten Zustands in ein Krankenhaus ins benachbarte Lille gebracht.

Immer wieder Schlägereien

Zuletzt hatten in Calais im vergangenen November Migranten aufeinander geschossen, bei einem Streit unter Afghanen gab es damals fünf Verletzte. Anfang Juli 2017 waren 16 Menschen bei Zusammenstößen verletzt worden, im Juni 2016 erlitten 40 Menschen bei Schlägereien Verletzungen.

Wie es nun genau zu den jüngsten Auseinandersetzungen kam, ist noch offen. François Guennoc von der Hilfsorganisation Auberge des Migrants sagte im Sender BFMTV, dass afghanische Schleuser in Calais versuchen, für die Migranten wichtige Orte zu kontrollieren.

Im Video: Krawalle in Paris (2017)

kev/AFP/dpa



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