Großbritannien: Cameron will weniger Europa

Die Euro-Krise verschärft die anti-europäische Stimmung in Großbritannien. Premierminister Cameron zeigt sich offen dafür, die Bürger über das Verhältnis zur EU abstimmen zu lassen. Es gebe "nicht zu wenig Europa, sondern zu viel davon".

Britischer Premier Cameron: "Zu hohe Kosten, zu viel Bürokratie, zu viel Einmischung"Zur Großansicht
REUTERS

Britischer Premier Cameron: "Zu hohe Kosten, zu viel Bürokratie, zu viel Einmischung"

London - David Cameron sorgt mit einer spektakulären Ankündigung für Aufsehen: Der britische Premierminister schreibt in einem Gastbeitrag für den "Sunday Telegraph", er könne sich eine Volksabstimmung über das künftige Verhältnis Großbritanniens zur Europäischen Union vorstellen. "Die beiden Wörter Europa und Referendum können meiner Meinung nach zusammengehören", heißt es dort. Cameron schreibt, er sei für eine "andere, flexiblere und weniger beschwerliche" Position Großbritanniens.

Einen EU-Austritt lehnt der Regierungschef jedoch ab, das sei nicht im Interesse des Landes. Als Handelsnation brauche Großbritannien "uneingeschränkten Zugang" zu den europäischen Märkten und ein Mitspracherecht beim Zustandekommen der Regeln. Das britische Volk sei jedoch nicht glücklich mit dem derzeitigen Verhältnis zur EU, "und ich bin es auch nicht".

Die Äußerungen Camerons könnten der Auftakt einer neuen Distanzierung Großbritanniens von Europa sein. Das Land gehört zur EU, aber weder zur Euro-Zone noch zum Schengenraum. Viele der ohnehin eher europaskeptischen Briten fordern angesichts der Euro-Krise, ihre Regierung müsse sich noch stärker von der europäischen Gemeinschaft distanzieren. Forderungen nach einer politischen und fiskalischen Union, wie sie vor allem aus Deutschland kommen, lehnt ein Großteil der Bürger strikt ab. Eine Umfrage der "Times" ergab kürzlich, dass die Hälfte der Briten schnellstmöglich über die Beziehungen zur EU abstimmen will. 81 Prozent sprachen sich für eine Abstimmung "in den kommenden Jahren" aus.

"Wir werden griechische Banken nicht retten"

Cameron greift diese Stimmung nun auf. Für EU-Länder, die nicht der Euro-Zone angehören, gebe es bereits jetzt nicht "zu wenig Europa, sondern zu viel davon", schreibt er in seinem Gastbeitrag. "Zu hohe Kosten, zu viel Bürokratie, zu viel Einmischung in Angelegenheiten, die den Nationalstaaten oder der Zivilgesellschaft oder dem Einzelnen überlassen werden müssen." Große Teile der Gesetzgebung über soziale Fragen und die Arbeitszeiten sollten seiner Meinung nach "kassiert werden".

Die Frage sei, wie man dieses Verhältnis richtigstellen könne. Cameron nannte kein Datum und auch keinen Zeitraum, in dem er sich ein Referendum vorstellen könnte.

Stolz verweist er in dem Gastbeitrag auf sein Veto gegen den Fiskalpakt. Bei dem EU-Gipfel im Dezember habe er alle Lügen gestraft, die gesagt hätten, Großbritannien werde niemals nein sagen zu einem vereinigten Europa. Beim jüngsten Gipfel am Donnerstag und Freitag habe er klargestellt, dass die Beschlüsse zur Bankenaufsicht und zum Rettungsfonds ESM nur für die Euro-Zone gelten "und nicht für uns". Großbritannien werde "griechische und portugiesische Banken nicht retten und unsere Geldinstitute werden von der Bank of England beaufsichtigt".

cte/dpa/AFP

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insgesamt 605 Beiträge
keppler 01.07.2012
so sind sie die Briten, "uneingeschränkten Zugang zu den Märkten" aber keinerlei Verpflichtungen. Nach der Euroeinführung war die Aufnahme des UK der größte Fehler.
Zitat von sysopDie Euro-Krise verschärft die anti-europäische Stimmung in Großbritannien. Premierminister Cameron zeigt sich offen dafür, die Bürger über das Verhältnis zur EU abstimmen zu lassen. Es gebe "nicht zu wenig Europa, sondern zu viel davon". Cameron stellt Briten Abstimmung über Europa in Aussicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,841924,00.html)
so sind sie die Briten, "uneingeschränkten Zugang zu den Märkten" aber keinerlei Verpflichtungen. Nach der Euroeinführung war die Aufnahme des UK der größte Fehler.
fiutare 01.07.2012
Auf nach England!
Auf nach England!
kuddel37 01.07.2012
Die Briten waren schlau genug ihre eigene Währung nicht für die Dreckswährung Euro aufzugeben. Jetzt werden sie sich weiter von den EU-Faschos rund um den Euro absetzen. Jeh weiter man von kommenden Euroknall entfernt ist [...]
Zitat von sysopDie Euro-Krise verschärft die anti-europäische Stimmung in Großbritannien. Premierminister Cameron zeigt sich offen dafür, die Bürger über das Verhältnis zur EU abstimmen zu lassen. Es gebe "nicht zu wenig Europa, sondern zu viel davon". Cameron stellt Briten Abstimmung über Europa in Aussicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,841924,00.html)
Die Briten waren schlau genug ihre eigene Währung nicht für die Dreckswährung Euro aufzugeben. Jetzt werden sie sich weiter von den EU-Faschos rund um den Euro absetzen. Jeh weiter man von kommenden Euroknall entfernt ist desto besser.
DJ Doena 01.07.2012
Wollen das nicht auch die meisten Deutschen?
Zitat von sysopCameron will weniger Europa
Wollen das nicht auch die meisten Deutschen?
autocrator 01.07.2012
nachdem €uro–Europa durch die ratifizierung des ESM ganz offensichtlich zu einer DIKTATUR umgebaut werden soll (siehe mein beitrag [...]
nachdem €uro–Europa durch die ratifizierung des ESM ganz offensichtlich zu einer DIKTATUR umgebaut werden soll (siehe mein beitrag http://forum.spiegel.de/f22/euro-rettung-breite-mehrheit-im-bundestag-fuer-fiskalpakt-64708-8.html#post10468210 ), muss ich feststellen: der britische premier hat leider recht und ist verglichen mit den €uro–politikern ein echter demokrat.
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  • Sonntag, 01.07.2012 – 08:47 Uhr
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Gedränge unter dem Rettungsschirm
Im April 2010 beschloss der EU-Gipfel das erste Rettungspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro für drei Jahre, bestehend aus bilateralen Krediten unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ein Jahr später legten die Staats- und Regierungschefs ein zweites Rettungspaket nach, an dem sich neben dem IWF auch die privaten Gläubiger mit einem Forderungsverzicht beteiligten. Das später ausgehandelte Gesamtvolumen: 172,6 Milliarden Euro (inklusive 24,4 Milliarden aus dem alten Programm) für die kommenden zwei Jahre. 30 Milliarden Euro davon gehen indes nicht an Athen, sondern zur Absicherung an die Banken. Deren Verlust aus dem Schuldenschnitt: 107 Milliarden Euro.

So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.




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