Razzien Großbritannien geht gegen illegale Einwanderer vor

Großbritanniens Premier Cameron verspricht kurz nach seiner Wiederwahl schärfere Gesetze gegen illegale Einwanderer. Die Polizei demonstriert bereits Härte. Bei Razzien wurden zahlreiche Migranten festgenommen.

REUTERS

Die britische Regierung will Migranten abschrecken - und gegen solche, die bereits ohne gültige Papiere im Land leben, hart vorgehen. Premierminister David Cameron kündigte Gesetzesverschärfungen an. Wer illegal nach Großbritannien komme und arbeite, dessen Lohn werde künftig beschlagnahmt, so der konservative Regierungschef. Vermieter sollen künftig noch strikter verpflichtet werden, die Einreisepapiere ihrer ausländischen Mieter zu prüfen. "Unkontrollierte Einwanderung kann unseren Arbeitsmarkt schädigen und zum Sinken von Löhnen führen", sagte er.

Die britische Polizei griff an diesem Mittwoch und Donnerstag hart durch - bei Razzien wurden zahlreiche Migranten festgenommen. Zum Beispiel stellten die Beamten zehn Menschen bei dem Versuch, im Kofferraum von Maserati-Sportwagen unbemerkt in das Land zu gelangen. Auf Polizeifotos waren die nagelneuen italienischen Luxusautos auf einem Lastwagen zu sehen, wobei im Kofferraum eines der Wagen Kleidung und Schuhe zu erkennen waren. Die neun Erwachsenen, die Medienberichten zufolge aus Vietnam stammen sollen, seien am Mittwoch wegen des Verdachts der illegalen Einwanderung festgenommen und ein Jugendlicher in Gewahrsam genommen worden.

Die Polizei fand die Menschen in Surrey im Süden des Landes. Über die Herkunft des Lastwagens wollten sie keine Angaben machen. Die festgenommenen Erwachsenen wurden den Angaben zufolge zum britischen Visa- und Immigrationszentrum in Dover gebracht, wo Menschen über Fährschiffe aus Frankreich häufiger die unbemerkte Einreise versuchen.

Einwanderung ist in Großbritannien ein derzeit viel und leidenschaftlich diskutiertes Thema. Im Jahr 2014 waren 318.000 mehr Einwanderer in das Land gekommen, als ausgereist sind. Dies ist der höchste Wert seit 2005. Im europäischen Vergleich ist Großbritannien allerdings nicht in besonderem Maße von Zuwanderung betroffen. In Deutschland lag die Netto-Zuwanderung im Jahr 2014 bei 430.000 Menschen. Die meisten der registrierten Migranten in Großbritannien dürfte aus EU-Ländern stammen - denn 2014 stellten nur rund 31.000 Flüchtlinge erstmals einen Antrag auf Asyl - in Deutschland waren es rund 170.000.

Die EU-Kommission will die Verteilung von Flüchtlingen in den europäischen Ländern nach einem Quotensystem gerechter verteilen - Großbritannien sperrt sich dagegen - denn es müsste deutlich mehr Menschen aufnehmen als bisher.

anr/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.