Hamburg - Er war einer der größten Leichtathlethen des vergangenen Jahrhunderts. Der US-Amerikaner Carl Lewis gewann neun Goldmedaillen und acht Weltmeistertitel. Am Freitag nun regt er sich furchtbar über seinen Landsmann Mitt Romney auf. Denn der Präsidentschaftsbewerber hatte bei einem Besuch in London die Olympia-Vorbereitungen der Briten kritisiert. Lewis teilt nun in der "Times" gegen den Republikaner aus: "Einige Amerikaner sollten einfach ihr Land nicht verlassen." Und er fügt hinzu: "Natürlich ist London vorbereitet."
Romney selbst versucht nach den deutlichen Reaktionen auf seine Olympia-Kritik, die Wogen zu glätten. "Ich gehe davon aus, dass die Spiele höchst erfolgreich sein werden", erklärt er, der seinen ersten offiziellen Auslandsbesuch als Präsidentschaftskandidat der Republikaner absolviert. Er sei voller Vorfreude. Romney war am Donnerstag beim britischen Premierminister David Cameron im Amtssitz in der Downing Street 10 zu Gast. "Was ich gesehen habe, beweist Vorstellungskraft, Voraussicht und sehr viel Organisation", sagt er nun. Nach einigen Tagen in der britischen Hauptstadt habe er nun den Eindruck, dass "London bereit ist", sagte Romney dem Fernsehsender NBC am Freitag.
Im ersten Gespräch mit NBC hatte das noch ganz anders geklungen. Kurz nach seinem Eintreffen in London hatte Romney am Mittwoch den Stand der Sicherheitsvorkehrungen für Olympia kritisiert. Die Probleme mit der privaten Sicherheitsfirma G4S, die kurz vor den Spielen einräumen musste, nicht ausreichend Sicherheitspersonal zur Verfügung stellen zu können, und ein in letzter Minute abgewendeter Streik der Grenzbeamten seien beunruhigend. "Es ist schwer zu sagen, ob es gut ausgehen wird." Außerdem stellte Romney die Frage in den Raum, ob sich die Briten für die Spiele ausreichend begeistern könnten.
Breitseite vom Bürgermeister
Cameron konterte mit markigen Worten: "Wir veranstalten die Spiele in einer der belebtesten, aktivsten und geschäftigsten Städte der Welt. Natürlich ist es einfacher, die Olympischen Spiele mitten im Nirgendwo zu veranstalten." Damit spielte der britische Premier auf die Winterspiele 2002 in Salt Lake City an. Romney war damals Geschäftsführer des Organisationskomitees.
Der für seine unverblümten Kommentare berüchtigte Londoner Bürgermeister Boris Johnson nahm auch zu diesem Anlass kein Blatt vor den Mund. "Da gibt es einen Typen namens Mitt Romney, der wissen will, ob wir bereit sind", sagte er vor Zehntausenden Menschen im Hyde Park. "Sind wir bereit? Jawohl!"
Olympia-Minister Jeremy Hunt rief den Kandidaten der Republikaner am Freitag dazu auf, bei der Eröffnungsfeier gut aufzupassen. "Wir werden der Welt zeigen, dass acht der zehn weltweit wichtigsten Sportarten entweder in Großbritannien erfunden oder in Regeln gefasst wurden, und nur zwei in Amerika - ich hoffe, Herr Romney guckt zu", sagte Hunt dem Sender ITV.
Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts und designierte republikanische Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen im November, will die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele am Freitag besuchen, bevor er nach Israel und Polen weiterreist.
ler/dapd/AFP/dpa
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