Katalane in deutscher Haft Puigdemont-Anhänger blockieren Straßen

Wie geht es weiter mit Carles Puigdemont? Ob der in Deutschland inhaftierte Politiker ausgeliefert wird, ist noch nicht entschieden. In Katalonien haben Separatisten aus Protest mehrere Straßen gesperrt.

Straßenblockade in Katalonien
Robin Townsend/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Straßenblockade in Katalonien


Katalanische Separatisten haben aus Solidarität mit Carles Puigdemont mehrere Straßen blockiert, um gegen die Festnahme des ehemaligen Regionalpräsidenten in Deutschland zu protestieren. Die Autobahn A7 nahe der französischen Grenze sowie die Nationalstraße N340, die Katalonien mit der spanischen Südostküste verbindet, sei immer noch gesperrt, teilten die Behörden mit. Die Blockade zweier Hauptzufahrtsstraßen nach Barcelona sei hingegen aufgehoben worden.

Die Straßensperren wurden von den Verteidigungskomitees der Republik (CDR) organisiert, die sich aus Bürgerinitiativen in ganz Katalonien zusammensetzen. Die Blockaden erfolgten auch in Zusammenhang mit Protesten gegen die Inhaftierung anderer führender katalanischer Politiker. Mit den "letzten Inhaftierungen und der Festnahme des Präsidenten Carles Puigdemont scheint klar, dass wir einen Punkt erreicht haben, von dem es kein Zurück mehr gibt", hieß es in einer Mitteilung der CDR.

Puigdemont war am Sonntag aufgrund eines Europäischen Haftbefehls bei der Einreise aus Dänemark in Schleswig-Holstein festgenommen worden. Bei Protesten in Barcelona war es danach zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen, bei denen Dutzende Menschen verletzt wurden. Bereits am Freitag hatte die spanische Justiz fünf führende Unabhängigkeitsaktivisten festgenommen, unter ihnen den Kandidaten für das Amt des katalanischen Regionalpräsidenten, Jordi Turull.

Warten auf Neumünster

Am Montag hatte das Amtsgericht Neumünster entschieden, dass Puigdemont wegen Fluchtgefahr im Gefängnis bleiben soll. Die Regierung in Madrid fordert die Auslieferung des Separatisten. Die Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein prüft weiter einen Antrag der Spanier. "Ob und wann" ein solcher Antrag beim zuständigen Oberlandesgericht (OLG) gestellt wird, sei noch unklar, sagte eine Sprecherin am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. "Ich glaube aber nicht, dass das OLG noch eine Entscheidung fällt vor Ostern."

Die Generalstaatsanwaltschaft befinde sich noch "ganz am Anfang der Prüfung", sagte die Sprecherin. In deren Verlauf seien gegebenenfalls auch Einwendungen der Rechtsanwälte des Politikers zu prüfen sowie gegebenenfalls etwaige weitere Informationen bei den spanischen Behörden einzuholen. Die Staatsanwaltschaft sei in dem Fall aber gehalten, "beschleunigt vorzugehen", weil sich der 55-Jährige weiter in Gewahrsam befinde.

als/AFP/dpa

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