US-Republikanerin Carly Fiorina Die Frau, die Donald Trump ausbremste

Konzentriert, kühl, knallhart: Mit einem perfekt inszenierten Auftritt bei der TV-Debatte überraschte Carly Fiorina Donald Trump und den Rest der Republikaner. Wer ist die Frau?

Republikanerin Carly Fiorina: "Eisern und selbstsicher"
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Republikanerin Carly Fiorina: "Eisern und selbstsicher"

Von , Washington


Siegen ist schön, aber nach Erfolgen wächst meist der Stress, das ist bei ihr jetzt nicht anders. Am Morgen MSNBC, am Abend Fox News, dazwischen Wahlkampf. Carly Fiorina nonstop. Alle wollen sie haben. "Ich bin zufrieden mit mir", sagt sie. "Aber ich mache einfach so weiter wie bisher."

Das ist natürlich Unsinn, es dürfte nun vieles anders und anstrengender werden in ihrer Kampagne. Die Geldgeber rufen schon an, in den ersten Vorwahlstaaten wird sie für neue Termine gebucht. Fiorina hat einen aus ihrer Sicht ziemlich perfekten Auftritt bei der zweiten TV-Debatte der Republikaner gehabt. Ob Wladimir Putin, der Iran-Deal, die Steuerdebatte oder die Abtreibungsfrage - in fast allen Themen gab sie die patriotische Anführerin, vor allem aber schaffte sie das, woran alle anderen Konkurrenten bislang gescheitert sind. Fiorina bremste Donald Trump aus, den Umfragekönig aus New York.

"Eisern und selbstsicher", schwärmt die "New York Times" über ihren Auftritt. "Eindrucksvoll", schreibt die "Washington Post".

Dass die ehemalige Top-Managerin mit Trump aneinandergeraten würde, war absehbar. Der Immobilienmogul hatte sich gegenüber einem Magazin abfällig über das Äußere der 61-Jährigen ausgelassen. "Schauen Sie sich ihr Gesicht an", wurde er im "Rolling Stone" zitiert. Einer seiner berüchtigten Ausfälle.

Absehbarer Sprung in den Umfragen

Fiorina nutzte die nationale Bühne, um klug zu kontern, indem sie aus dem Angriff auf sie indirekt einen Angriff auf die gesamte weibliche Wählerschaft der USA machte. "Ich glaube, die Frauen im Land haben sehr klar gehört, was Mister Trump gesagt hat", sagte sie, ohne ihren Widersacher auch nur eines Blickes zu würdigen. Kühl, kühler, Fiorina. Hätte Margaret Thatcher in dem Moment neben ihr gestanden - die Eiserne Lady hätte im Vergleich wie ein Heizpilz gewirkt.

Es war nur eine der Szenen, in denen Fiorina das Publikum berauschte, und es gab Phasen, in denen sie auch eine weichere Seite präsentierte, etwa als sie über den Drogentod ihrer Stieftochter erzählte. Aber es war der Trump-Moment, der sie plötzlich zur ernst zu nehmenden Kandidatin im Rennen der Republikaner werden lässt. Das ist für sie schön und schwierig zur gleichen Zeit, denn jetzt rückt ihre Biografie in den Mittelpunkt, und die ist ebenso interessant wie angreifbar.

Im Video: Auszüge aus der zweiten TV-Debatte der Republikaner

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"Ich habe den amerikanischen Traum gelebt", sagte sie einst, was sicher ein wenig überzeichnet, aber auch nicht völlig falsch ist. Fiorina, gebürtige Texanerin, wuchs in behüteten Verhältnissen auf. Der Vater Juraprofessor, die Mutter Künstlerin. Sie studierte Mediävistik und Philosophie in Stanford, brach ein Jurastudium in Los Angeles ab und landete in den Achtzigern schließlich bei AT&T. 1995 wechselte sie ins Management der Technologiefirma Lucent, vier Jahre später warb sie der IT-Konzern Hewlett-Packard als neue Chefin ab. Sie reformierte die Strukturen, kaufte Konkurrenzbetriebe, flog durch die Welt. Ein Leben auf der Überholspur. 2006 verarbeitete sie es in ihren Memoiren "Harte Entscheidungen".

Ihre Bilanz ist umstritten

Seit Jahren schon versucht sie, sich ein politisches Leben aufzubauen, auch eine Brustkrebserkrankung hielt sie dabei nicht lange auf. Sie beriet John McCain während seiner Präsidentschaftskandidatur, trat in Kalifornien selbst erfolglos für einen Senatorenposten an. Nun will sie Oberbefehlshaberin werden. Keine Steuererhöhungen, ein harter Sparkurs, weniger Sozialleistungen, das ist ihr Programm. Angst kennt sie nicht. "Bloß keine Panik schieben, wenn einem ein bisschen bange ist", lautet ihr Motto.

Doch so sehr wie ihre Biografie dürfte nun auch ihre Bilanz ins Zentrum rücken, und da wird es für sie gefährlich. Ihre Amtszeit bei HP ist äußerst umstritten. Tausende verloren unter ihrer Führung den Job, der Konzern verfehlte Gewinnprognosen, die Aktienkurse stürzten ab. 2005 wurde sie gefeuert und verließ das Unternehmen mit einer Abfindung von mehr als 20 Millionen Dollar. "Ich kann nur sagen: Meine Firmen darf sie nicht führen", stichelte Donald Trump in der TV-Debatte.

Fiorina konterte auch hier geschickt, indem sie Trump seine vier Pleiten vorhielt. Dennoch deuteten Trumps Sätze an, was Fiorina in den kommenden Monaten, erst recht aber in einem Hauptwahlkampf drohen könnte. Wie verwundbar sie aufgrund ihrer Firmenvergangenheit ist, erfuhr sie schon 2010. Damals veröffentliche ihre Gegnerin in Kalifornien, Barbara Boxer, wenige Wochen vor der Senatorenwahl ein Video. Der Vorwurf: Während des massiven Arbeitsplatzabbaus habe sich Fiorina eine Luxusjacht gekauft und fünf Firmenjets bestellt. Es war ein Angriff auf ihre politische Glaubwürdigkeit.

Das Video veränderte das politische Klima. Fiorina stürzte in den Umfragen ab und verlor das Rennen.

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Veit Medick ist seit Februar 2009 Politikredakteur im Berliner Büro von SPIEGEL ONLINE und seit August 2015 Korrespondent in Washington.

E-Mail: Veit_Medick@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
attemann 18.09.2015
1. Dennoch weltfremd
Ihre Aussage "gegen Putin einfach mehr Truppen nach Deutschland zu schicken" zeigt, dass auch diese Kandidatin keine Ahnung von der Weltordnung und keinen Respekt vor uns hat. Also ein weiblicher Trump.
drent 18.09.2015
2. Der Wunsch der Vater des Gedankens?
Entscheidend sind wohl nicht die Vorlieben oder Abneigungen der Medien, sondern was die Wähler denken.
wolfi55 18.09.2015
3. Wer ist die Frau?
Wer ein paar Jahre zurück denkt, der sieht die Frau, die damals mit Hewlett Packard einen elektronischen Gemischtwarenladen mit Computer, Mess- und Medizintechnik übernahm und diesen aufspaltete (u.a. Agilent, Medizin zu Philips). Heute ist HP zum großen Teil in der Bedeutungslosigkeit versunken. Die Kunden im Outsourcing laufen davon (GM), im PC-Geschäft wird nichts verdient und Netzwerk da gibt es andere Anbieter, die da abgraben. In 10 Jahren redet keiner mehr von denen.
spon_2999818 18.09.2015
4.
Nicht wirklich überraschend die Geschichte Ihrer Biografie. Wasser predigen, Wein saufen. Sehen sie sich die Erfolgsgeschichten der Manager und der amerikanischen Konzerne an, da werden Unsummen an Gewinnen auf dem Rücken der Ärmsten verdient und nach oben ausgeschüttet.
schlaumischlumpf 18.09.2015
5. Wenn Sie den Raum betritt...
... wird es mindestens fünf Grad kälter! Ich bin kein großer Freund von Hillary Clinton aber man muss trotzdem hoffen, dass keiner der republikanischen Kandidaten gewinnt...
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