CDU-Parteitag Sarkozy will Merkel zurück

Nicolas Sarkozy auf Schmusekurs mit der Bundeskanzlerin: Der frisch gewählte französische Oppositionschef will beim CDU-Parteitag in Köln an der Seite von Angela Merkel auftreten - und damit wieder ganz den Staatsmann geben.

AFP

Zuerst die innenpolitische Salbung, dann der außenpolitische Ritterschlag: Nicolas Sarkozy, frisch gewählter Parteiboss von Frankreichs konservativer Oppositionspartei UMP, will kommende Woche nach Medienberichten beim CDU-Parteitag in Köln auftreten. Die Hilfestellung von Kanzlerin Angela Merkel kommt für ihn zur richtigen Zeit: Mit der Teilnahme kann sich Sarkozy, der vor zwei Jahren bei der Präsidentschaftswahl verlor, wieder als aktiver Chef des bürgerlich-konservativen Lagers präsentieren.

Sein Reiseziel ist symbolisch zu verstehen: Wie üblich für einen frisch gewählten Staatschef Frankreichs geht dessen erste Reise nach Deutschland. Für Sarkozy, der die Präsidentschaftskandidatur 2017 anstrebt, ist es die Möglichkeit, sich wieder über die Staatsgrenzen hinaus zu präsentieren. Nach zwei Jahren Zwangspause und Aufritten, die dem Ex-Staatschef Sarkozy weniger Renommee als vor allem gutes Geld einbrachten, soll die Gastrolle an der Seite von Merkel belegen, dass er wieder in die Riege der wichtigen Politiker Europas aufsteigen will.

Sarkozys mageres Ergebnis

Zumal sich sein Wiedereinstieg in die französische Politik nicht glanzvoll vollzog: Die UMP-Anhänger kürten Sarkozy gerade einmal mit 65,4 Prozent zum Parteichef, damit blieb der erklärte Favorit der Konservativen weit hinter den Erwartungen seiner Anhänger zurück. Vor allem das sensationelle Abschneiden von Bruno Le Maire, der als zweiter Kandidat für den UMP-Vorsitz knapp 30 Prozent erhielt, kratzt am Top-Status des unangefochtenen Ex-Staatschefs. Sarkozys mageres Abschneiden hat die innerparteiliche Kritik nun bestärkt.

Sarkozy müht sich seither um den Eindruck der Einheit: "Solidarisch", "kollektiv" und als "große Familie" sollen die Konservativen auftreten, betont er. Im UMP-Hauptquartier empfängt er die Größen der Partei zum inszenierten Schulterschluss, er verhandelt über Ämter und Würde - mit dem durchsichtigen Ziel, mögliche Konkurrenten damit zur Loyalität zu verpflichten. Aus diesem Grund hat Sarkozy auch seinen schärfsten Konkurrenten Le Maire mit nach Köln gebeten. Der sprachkundige, ausgewiesene Kenner deutscher Politik und Kultur soll das Bild der Einigkeit abrunden. Dabei lehnt Ex-Landwirtschaftsminister Le Maire bisher jede Mitarbeit unter Sarkozys Führung kategorisch ab.

"Chère Angela", "Schär Nikola"

Angesichts der parteiinternen Zerwürfnisse ist daher der außenpolitische Glanz der bevorstehenden Deutschlandreise umso wichtiger: Sarkozys Besuch erinnert an die Zeiten, als Paris und Berlin noch gemeinsam in der Finanz- und Wirtschaftskrise handelten. Das angeblich so symbiotische Einvernehmen des Duos Merkel und Sarkozy in der Zeit zwischen 2007 und 2012 gipfelte in der Wortschöpfung "Merkozy" - enger, so schien es, ging es nicht.

Dabei wird gerne verdrängt, dass die Zusammenarbeit der beiden Politiker unter Startschwierigkeiten litt: Merkel hatte alle Mühe, sich an den hyperaktiven Stil des Franzosen zu gewöhnen, Sarkozy empfand die fehlende Entscheidungsfreude der Kanzlerin als lähmend. "Deutschland denkt nach, Frankreich entscheidet", so der bissige Kommentar Sarkozys damals.

Der hatte anfangs freilich übersehen, dass Merkel in einer Koalition regierte und sich deutsche Politiker - anders als die Regenten im Elysée-Palast - mit ihrer Partei und dem Bundestag abstimmen müssen. Erst der Druck der Ereignisse machte die unterschiedlichen Temperamente zum Team und bald gehörte das Du, das "Chère Angela" und das "Schär Nikola", zum Standard in den deutsch-französischen Beziehungen.

Nur als Statist in Köln?

Sarkozy will nun mit seinem Besuch beim Kölner CDU-Parteitag vermitteln, dass solch ein deutsch-französisches Schmuseverhältnis allein mit ihm möglich sein kann. Für Kanzlerin Merkel gibt das Treffen, das von der CDU bisher nicht offiziell bestätigt wird, die Gelegenheit, dem amtierenden Staatschef Hollande eins auszuwischen. Nach dem privaten Empfang Sarkozys im Februar in Berlin signalisiert sie mit dem erneuten Zusammentreffen, wie sie die politische Verfallszeit des amtierenden Sozialisten einschätzt.

Dabei ist das Treffen von Sarkozy und Merkel beileibe kein Austausch auf Augenhöhe: Merkel präsentiert sich als erfolgreiche deutsche Kanzlerin; Sarkozy ist - auch wegen der Ermittlungen zu fragwürdigen Finanzgebaren im Wahlkampf 2012 - dagegen noch ein umstrittener Parteichef mit Ambitionen auf die Präsidentschaftskandidatur. Noch ist nicht einmal sicher, ob der Franzose nur als Statist in Köln auftritt oder selbst vor den CDU-Mitgliedern sprechen darf.

Die unterschiedliche Situation der beiden erinnert damit verblüffend an das einstige Verhältnis zwischen Paris und Berlin. Das Logo "Merkozy", so höhnten Spötter damals, stünde nämlich in Wahrheit für ein sehr ungleich besetztes Tandem: "Sarkozy strampelt hinten, Merkel lenkt vorn."

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